Volker Schütz

Volker Schütz

Facebook marschiert, Google stagniert Die neuen Machtverhältnisse im Internet

Montag, 30. März 2015
Was ist nur bei Google los? CEO Larry Page kümmert sich um Roboter, selbstfahrende Autos und Internetballons, während Facebook-CEO Mark Zuckerberg im Tagesrhythmus neue Formate, Plattformen und Kooperationen verkündet. Die Machtverhältnisse zwischen den Internet-Konzernen verschieben sich.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Google Facebook Larry Page Mark Zuckerberg Zuckerberg


Eins vorweg: Das hier ist kein Abgesang auf Google. Der Suchkonzern wird auf absehbare Zeit viel Geld verdienen, eine Top-Marke und der Schrecken insbesondere der deutschen Medienhäuser bleiben. Aber er verliert gerade seine Innovations-Marktführerschaft.

Die drei letzen großen Google-Meldungen waren: Erstens. Google-Gründer Larry macht Sundar Pichai zur zentralen Figur bei Google. Der Manager verantwortet die Suchmaschine, den Kartendienst, das Netzwerk Google Plus sowie Forschung, Werbeprodukte und Infrastruktur. Zweitens. Die Google-Quartalszahlen enttäuschen – zum wiederholten Mal – die Analysten. Drittens. Google stellt Google Glass ein.

Hat Larry Page zum falschen Zeitpunkt die Verantwortung in andere Hände delegiert? Es scheint so. Klar: Roboter und selbstfahrende Autos sind toll  und werden in den nächsten Dekaden immens große Bedeutung erlangen.

Aber derzeit lautet die relevante Frage: Wie schafft man es, einer ohnehin schon großen Marke neues und noch mehr Momentum zu verleihen? Die Antwort gibt derzeit Mark Zuckerberg, und zwar auf vielen unterschiedlichen Ebenen.

  • Facebook will zur Medienplattform werden und Nachrichten voll und nicht nur mit Links auf seiner Plattform publizieren. Der Test soll mit  Buzzfeed, National Geographic und der New York Times über die Bühne gehen. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann?   In jedem Fall eine schwierige Entscheidung für Medien.
  • Der Kurzmitteilungsdienst Messenger wird weiter ausgebaut. Außerdem sollen Unternehmen über den Messenger mit ihren Kunden kommunizieren können.
  • Die Facebook-Anwendungen bekommen einen neuen Videoplayer. Das Online-Netzwerk bietet verstärkt an, die Videos direkt bei ihm hochzuladen und tritt damit in Konkurrenz zur Google-Plattform YouTube.
  • Fokus Videowerbung: App-Entwickler bekommen kostenlose Software-Werkzeuge, um die Aktivität ihrer Nutzer auszuwerten.
  • Google stellt die Produktion seiner Brille ein. Facebook investiert weiter in seine 3D-Brille Oculus.
  • Die Facebook-Tochter Instagram wird zunehmend wichtiger für Marken, die Monetarisierung beginnt zu funktionieren.
  • "People-based Marketing" wird immer wichtiger - ein weiterer Vorteil für Facebook. Denn im Gegensatz zu Google kann Facebook über die User-ID der Mitglieder und Angaben wie Alter oder Geschlecht Werbung zielgenau aussteuern - ideal für Targetingversessene Werbekunden.

Und Google? Wie gesagt – tolle Gimmicks wie Roboter und selbstfahrende Autos, aber keine bislang überzeugende Antwort auf die Facebook-Innovationsoffensive. Mehr noch: Es ist ja nicht so, dass Mobile nur und vor allen Dingen Medienhäuser vor große Herausforderungen – Inhalte, Monetarisierung – stellt. Auch für Google ist Mobile trotz aller Macht kein Selbstläufer. Neben Facebook ist hier beispielsweise ein Anbieter wie Amazon ein ganz großer Konkurrent: Denn es ist nicht nur die größte Shoppingplattform, sondern mobile eine mächtiges Such- und Preisvergleichangebot.

Man muss nicht so weit gehen wie "Business Insider", wo Jay Yarow schreibt: „It feels like Google could turn into the next Microsoft - a company with brilliant people and brilliant ideas that fails to deliver, sending the stock sideways for a decade.”

Google ist nicht Microsoft. Aber es zeigt sich: Die Machtverhältnisse im Internet sind längst nicht für die Ewigkeit zementiert, wie man insbesondere hierzulande gerne lamentiert. Nach dem Börsengang hat jeder über Facebooks Twen-CEO Zuckerberg gelächelt oder gelästert. Google war die Lovemark überhaupt. Das hat sich dramatisch geändert. Ob der jetzt eröffnete Google-Shop der Marke aus der Patsche hilft? Okay, war eine rhetorische Frage. Das Unternehmen braucht den großen Wurf.

 

Meist gelesen
stats