Ingo Rentz

Ingo Rentz

Eurosports Bundesliga-Premiere Ordentlicher Einstand

Samstag, 19. August 2017
Mit Eurosport hat am Freitagabend ein neuer Medienpartner der Deutschen Fußball-Liga DFL die Bundesliga-Bühne betreten. Das Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen war Eurosports erste Live-Übertragung in dieser Saison – und man muss konstatieren: Es lief ordentlich für den Sender. Ein Erfahrungsbericht.

Was ist schon perfekt? Zunächst einmal nichts. Aber Fußball-Fans können äußerst kritisch werden, wenn es um ihren Lieblingssport geht. Vor allem dann, wenn die Übertragung via TV oder Internet nicht so funktioniert, wie sie sich das vorgestellt haben. Wenn Sie für die Übertragung auch noch Geld bezahlen, wachsen die Ansprüche naturgemäß. Sky ist mit dem Over-the-Top-Service Sky Go bereits durch diese Prüfung gegangen - und hat die Latte für Eurosport ordentlich hoch gelegt. Insofern konnte Eurosport vor seiner Feuertaufe durchaus nervös sein. Zwar müssen die Fans für die 45 Spiele, die Eurosport pro Saison überträgt, gerade einmal 29,99 Euro bezahlen, was umgerechnet 66 Cent pro Partie sind. Dass aber etwa technische Probleme schnell zu einem echten Imageproblem führen können, musste etwa im vergangenen Jahr der neue Streaming-Dienst DAZN erfahren (der inzwischen ebenfalls DFL-Partner ist).
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Bild: Fotolia

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Bedienung und User Experience wissen zu überzeugen

Die Anmeldung zum Eurosport Player klappt schon einmal schnell und unkompliziert. Auch danach geht es schnell weiter: Sowohl die App des Eurosport Players als auch das stationäre Angebot sind übersichtlich gestaltet, man findet schnell, wonach man sucht. Verbesserungswürdig ist höchstens, dass der Livestream des Spiels im Menü auch mit dem offiziellen Spieltags-Hashtag #TGIM (für "Thank God it's Matchday") beginnt. Die Spielpaarung wird in deutlich kleinerer Schrift darunter aufgeführt.

In der App das gleiche Bild, auch hier weiß die Menüführung durchaus zu überzeugen – mit dem oben genannten kleinen Abstrich. Was viele Nutzer stutzen lassen wird: Um den Eurosport Player auf dem Smartphone zu starten, muss man der App den Zugriff auf den eigenen Standort geben. Die Erklärung liefert die Anwendung im selben Fenster mit: Um "regionale Beschränkungen und Regulierungen für Streams umsetzen zu können". Auf diese Weise soll verhindert werden, dass man auch im Ausland auf das Angebot zugreifen kann, wo es in der Regel andere Medienpartner für den entsprechenden Inhalt gibt.
Das ist aus Sicht des Sender verständlich, auch Sky Go kennt solche Beschränkungen. Wenn es um Geodienste geht, haben allerdings einige Nutzer Vorbehalte. Inwieweit das eine Hürde darstellt, lässt sich ohne die Absprungrate zu kennen allerdings kaum beantworten.

Man kann auch auf beiden Geräten parallel schauen. Will man sich ausloggen, muss man das laufende Programm verlassen. Anders etwa bei DAZN: Hier legen sich sämtliche Menüpunkte über das Bild, das dennoch sichtbar bleibt. Ein weiteres nettes Feature bei DAZN, das Eurosport womöglich auch gutgetan hätte: Will man kurz schauen, was derzeit noch so läuft, verringert sich beim Scrollen automatisch die Lautstärke.

Das Wichtigste jedoch: In meinem Test auf der heimischen Couch läuft der Stream sowohl im Web als auch in der App einwandfrei - auf Twitter berichten allerdings Nutzer über Probleme etwa bei der Übertragung via Amazon Prime. Was insofern unangenehm für beide Seiten ist, als sie sich erst kurz vor Saisonbeginn über eine Zusammenarbeit einigen konnten. Von massiven Problemen wie seinerzeit bei DAZN liest man auf Twitter jedoch nichts.

Wie live ist live?

Eine spannende Frage vor der ersten Live-Test des Eurosport-Players war bei mir außerdem: Wie live ist live? IPTV-Kunden wie ich kennen das: Während die Nachbarn schon jubeln, befindet sich der Ball auf unserem Bildschirm noch am Mittelkreis. Die Verzögerung des Eurosport-Players zum IPTV-Signal betrug in meinem Test 15 Sekunden. Auf Twitter berichteten Nutzer, dass zwischen dem Player und Kabel bzw. Satellit sogar eine Minute lag. Hier sind die Empfänger der klassischen TV-Verbreitungswege also im Vorteil.

Verbesserungsbedarf im Werbeblock

Was die User Experience ebenfalls etwas eintrübte: Bei Programmstart folgte zunächst ein kleiner Werbeblock. In der Halbzeit ebenfalls: Werbung. Wer zur Überbrückung eines der On-Demand-Formate im Player anwählt, bekommt ebenfalls zunächst Pre-Rolls ausgespielt. Auch unmittelbar nach Schlusspfiff folgte im Eurosport Player ein Werbeblock.

Dass so etwas für Bezahlprodukte nichts Ungewöhnliches ist, wissen Sky-Kunden zur Genüge. Am Thema Frequency Capping muss Eurosport allerdings noch dringend arbeiten – die Paco Rabanne-Werbung nervt nicht erst nach dem fünften Mal.
Discovery-Managerin Susanne Aigner-Drews
Bild: Discovery Networks / Nadine Rupp

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Die Inhaltliche Qualität stimmt

So viel zunächst zur Technik. Was die inhaltliche Qualität der Übertragung angeht, wird man nicht enttäuscht: Kommentator Matthias Stach ist gewohnt solide, mit der nötigen Ruhe am Mikrofon und gleichzeitig ohne übertriebene Emotionen. Letzteres ist natürlich Geschmackssache: Der stets begeisterte Wolff-Christoph Fuss (Sky) hat nicht umsonst eine große Fangemeinde.

Auch das Rahmenprogramm besteht den Leistungstest: Jan Henkel und TV-Experte Matthias Sammer liefern ordentliche Einschätzungen zum Spiel, Field Reporter Wolfgang Nadvornik meistert die Interviews vom Spielfeldrand souverän.

Parallel zu letzten Nachberichten nach dem Schlusspfiff im Eurosport Player läuft auf Eurosport 1 schon "Der Kicker.tv Talk" mit den Ex-Profis Michael Schulz und Olaf Thon sowie Trainer Mirko Slomka und Kicker-Chefredakteur Jörg Jakob. Moderator ist Ex-Sky-Marco Hagemann. Für ihn gilt das Gleiche wie für Stach: Er moderiert unaufgeregt und sachlich, ohne billige Effekthascherei.

Dass die Eurosport-Kunden bei dem Sender ordentliche Qualität in Sachen Personal geboten bekommen, liegt natürlich auch daran, dass Sportjournalisten wie Hagemann und Henkel die Erfahrung von unzähligen TV-Produktionen für Sky haben. ire
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