MIPTV Die 4 großen Trends bei der Serienproduktion

zusammengestellt von Juliane Paperlein
Montag, 03. April 2017
Europäische Serienproduktionen werden immer ideenreicher.
Europäische Serienproduktionen werden immer ideenreicher.
© Colourbox

Fernsehen wie im Kino. Serien tun sich im deutschen Fernsehen schwer, aber das dürfte nicht mehr lange so bleiben. Der derzeitige Gründergeist, der angestachelt durch viele neue TV-Sender und Plattformen wie Netflix und Amazon durch die Produktionslandschaft wabert, nimmt immer mehr Raum ein. Wie ideenreich es insbesondere in der europäischen Produktionslandschaft zugeht, zeigt sich beispielhaft in diesen Tagen in Cannes. Auf der von Reed Midem organisierten MIPTV gewähren die Produzenten und Sender Schulterblicke in ambitionierte Projekte. Bei den MIP Drama Screenings wird klar: Tolle Geschichten gibt es überall und die Produktionswerte werden immer höher.

Die Auswahl für die MIP Drama Screenings hat zuerst eine Jury, in der unter anderen Rüdiger Böss, EVP Programming & Acquisitions bei Pro Sieben Sat 1, saß, getroffen und zwölf Projekte ausgewählt. In dieser Auswahl spiegeln sich auch die großen Trends im Produktionsmarkt.

1.

Vielfalt - aus allen Teilen der Welt

Crime ist nicht out, aber es ist eben nicht alles. Besonders die amerikanischen Krimiserien liefern nicht mehr die Quoten von vor fünf Jahren ab. Das schafft Raum für neue Ideen. Und die kommen nicht unbedingt aus Hollywood.

Beispiel "Clique". Eine verstörende Geschichte für die BBC, um zwei Studentinnen im ersten Semester, die eine neue Clique kennenlernen. Was wie eine nette Highschool-Geschichte beginnt, wird zu einem Psychodrama, zu einem Spiel um Macht, Einfluss und Verführung (Produktion: All 3 Media International).

Beispiel "Veni, vidi, vici":  In dem schwedischen Format, das von Handsup Stockholm produziert wird, geht es ironisch-nachdenklich zu. Nach fürchterlichen Kritiken zu seinem letzten Film bekommt der Regisseur Karsten Daugaard keine neuen Projekte mehr. Als Frau und Tochter Druck auf ihn ausüben, doch in der Schweinefarm seines Schwiegervaters zu arbeiten, entschließt sich stattdessen einen Job in der Pornoindustry anzunehmen.

Beispiel "Jailers" aus Brasilien: Die Serie erzählt von dem Gefängnisaufseher Adriano, der sich zwischen Arbeit und Privatleben aufreibt. Die erste Folge erzählt brutal von einem Gefängnisaufstand und Adrianos Versuch, einen Gefangenen aus dem Brandherd herauszuholen (Produktion: Globo, Gullane/Spray Films). Die Assoziationen zu "Natural Born Killers" liegen nahe.

Beispiel "Better than us" aus Russland: Im Moskau der nicht allzu fernen Zukunft verrichten Roboter Dienste wie Autofahren und Kinderbetreuung. Der einzigartige Bot Arissa landet unvorhergesehen bei einem Vater und seiner Tochter - und entwickelt Gefühle. Die von Yellow, Black and White und Sputnik Vostok produzierte Serie wird bei Channel One Russia laufen.

2.

Übergreifende Kooperationen

Die Produktionen werden anspruchsvoller, die Kosten steigen. Zwar ist deutlich mehr Geld im Markt, als vor fünf bis zehn Jahren. Aber das reicht mitunter trotzdem nicht aus. Bei großen Projekten gibt es daher mehr Kooperationen.

Ein Beispiel dafür ist "Babylon Berlin": Die lange erwartete erste deutsche Serie von Sky wird anschließend im Ersten laufen und hat damit schon zwei Sender an Bord. An der Produktion sind X Film Creative Pool, ARD Degeto, Sky und Beta Film beteiligt. Und die Regie teilen sich Tom Tykwer, Achim von Borries und Benk Handloegten. Auf der MIPTV haben die Regisseure eine 15-minütige Szene aus der zweiten Folge gezeigt. Die Arbeit ist deutlich sichtbar. Das Berlin im Jahr 1929, in dem Kommissar Gereon Rath ermittelt, ist zum Anfassen nah, verkommen und frivol.



3.

Steigende Produktionskosten

Auch dafür ist "Babylon Berlin" ein ideales Beispiel. Wer Kino ins Fernsehen bringt, muss eben auch deutlich investieren und das sieht man an der Ausstattung, die bis ins letzte Detail die Zeit aufleben lässt.

Ein anderes Beispiel ist "Gap Year", das auf dem britischen Sender E4 laufen wird: Die Geschichte um fünf Studenten und einen über 30-Jährigen, die durch Zufall zusammenfinden und dann ein Jahr durch Asien reisen, ist eben auch dort gedreht und glänzt mit opulenten Bildern (Produktion Eleven, eOne). Sie ist auch ein Beispiel für die steigende Vielfalt. "Gap year" ist per se eine unterhaltsame Serie mit liebevollen Charakteren und toll gehasteten Schauspielern.

4.

Kinogesichter gehen ins TV

Dieser Trend ist zugegeben kein neuer.  Aber auch in dieser Saison wieder deutlich sichtbar. Passend zum Veranstaltungsort feiert am Montag "Riviera" Weltpremiere. Die Hauptrolle spielt Julia Stiles. In dem 10-teiligen Thriller versucht die Milliardärs-Witwe Georgina den Tod ihres ermordeten Mannes aufzuklären und taucht dazu in die Welt der Superreichen in der französischen Riviera ein.

Fazit

Das TV-Jahr fängt gut an. In vielen  Ländern werden Serien produziert, die durchaus das Zeug dazu haben, auch international ausgerollt zu werden. Gute Stoffe kommen nicht mehr unbedingt aus Hollywood.

Die Sieger der MIP Drama Screenings, die im Anschluss an das Screening von einer Grand Jury, einer Kritiker-Jury und den Einkäufern gewählt wurden, sind "Jailers", Missions" und "Clique" in der Rubrik "Vollständige Episode", in der Rubrik "Work in progress" "Babylon Berlin" und das dänische Drama "Ride upon the storm" . pap

Meist gelesen
stats