iPad-Klon Das freche Comeback der Marke Nokia

Mittwoch, 19. November 2014
Nokia feiert Markencomeback im Tablet-Markt
Nokia feiert Markencomeback im Tablet-Markt
Foto: Nokia

Totgesagte leben länger. Das Sprichtwort lässt sich in diesen Tagen sehr gut auf Nokia anwenden. Nachdem Microsoft die Smartphonemarke kürzlich beerdigte, rechnete niemand mehr mit einem Comeback des Labels. Doch jetzt kommt die Kultmarke zurück - auf einem Tablet.
Microsoft wird nach dem unerwarteten Schritt der Finnen alles andere als "amused" sein. Grund: Das Tablet N1, das Nokia jetzt der Weltöffentlichkeit präsentierte, läuft nicht mit dem Windows-Betriebssystem des langjährigen Partners und späteren Käufers der Nokia-Handysparte, sondern mit dem Android-Betriebssystem des Microsoft-Intimfeindes Google. Während also Microsoft im Smartphonemarkt nun mit der Marke Microsoft Lumia sein Glück versucht und das Nokia-Logo nur noch auf Billighandys unterbringt, attackiert der finnische Konzern den Software- und Hardwarekonzern an der Tabletfront und beschert der Marke Nokia gleichzeitig ein Comeback auf Endgeräten für den  Consumermarkt. "Wir sind glücklich, die Marke Nokia mit dem N1 Android Tablet wieder in die Hände der Endverbraucher zu legen und dabei zu helfen, hochentwickelte Technologien einfach zu machen", verkündete denn auch Produkt-Chef Sebastian Nyström  nicht ohne Stolz bei der Präsentation in Helsinki. Auch kommunikativ hat sich Nokia einiges einfallenlassen. Die Präsentation wurde in bester Apple-Manier einige Tage zuvor mit einem geheimnisvollen Tweet angekündigt. Direkt nach dem Launch teilte Nokia ein Werbevideo in sozialen Netzwerken. In dem Commercial wird das N1 als überaus hochwertige Produkt inszeniert - und die Marke Nokia ausführlich gefeiert.

Möglich wird die Rückkehr der Marke durch einen Lizenzdeal. Hintergrund: Mit der Übernahme der Handysparte hat sich Microsoft die Rechte an der Marke Nokia nur für den Handy- und Smartphonemarkt gesichert - und das auch nur befristet. Die übrigen Markenrechte hält weiterhin der Nokia-Konzern, der sich nun vor allem auf Industriekunden, den Aufbau von Mobilfunknetzen sowie den Kartendienst Here konzentriert. Für Nokia ist das Tablet-Geschäft schon deshalb ein interessantes Experimentierfeld, weil es mit wenig Risiko verbunden ist. Grund: Für die Entwicklung, die Vermarktung und den Service der Geräte ist der Lizenznehmer zuständig, bei dem es sich Gerüchten zufolge um den Apple-Produktionspartner Foxconn handeln soll.

Nokia Geschäft
Bild: Foto: Nokia

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Bei dem Nokia N1 handelt es sich um ein 7,9 Zoll großes Tablet, das stark an das iPad Mini von Apple erinnert. Allerdings ist es deutlich günstiger: Während Apple für das kleinste iPad mindestens 389 Euro verlangt, ist das N1 schon für 249 Dollar plus Steuern zu haben. "Das N1 hat ein sehr intuitives Interface und ein dazu passendes industrielles Design. Es ist ein großartiges Produkt für Nokia-Fans und alle Verbraucher, die noch kein passendes Android-Tablet gefunden haben", so Nyström.

„Nokia muss es im Bereich Licencing und Endgeräte diesmal viel besser machen, um erfolgreich zu sein.“
Ian Fogg
Ob die Nokia-Strategie Früchte trägt, muss sich erst noch zeigen. Ian Fogg, Director of Mobile Analysis bei IHS Technology, ist jedenfalls skeptisch. Zwar glaubt der Technologieexperte, dass sich die Lizenz-Strategie für Nokia lohnen kann, da der Konzern sich nicht um Produktion, Vertrieb und Vermarktung kümmern müsse. Allerdings sieht er auch erhebliche Risiken in der Partnerstrategie, da die Qualität der Endprodukte nicht in der Hand von Nokia liege. Zudem verweist er darauf, dass Nokia schon häufig mit kühnen Strateien aufgefallen ist, dass diese aber oft gescheitert seien. Als Beispiele nennt er das mit Ericsson und Motorola gestartete Betriebssystem Symbian und die Kooperation mit Intel bei Meego. "Nokia muss es im Bereich Licencing und Endgeräte diesmal viel besser machen, um erfolgreich zu sein", so Fogg. mas
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