Umfeldsicherheit bei Youtube OWM unterstreicht Forderung nach mehr Brand Safety

Dienstag, 28. März 2017
Joachim Schütz, OWM
Joachim Schütz, OWM
© Hoffotografen

Die Debatte um sichere Werbeumfelder bei Youtube zieht immer weitere Kreise: Wie die "Financial Times" berichtet, verlangen einige Kunden Rabatte, wenn sie weiter auf der Video-Plattform werben sollen. Auch die Organisation Werbungtreibender im Markenverband (OWM) positioniert sich zu dem Thema.
Youtube steht spätestens seit vergangener Woche unter Handlungsdruck: Seit einigen Tagen frieren immer mehr Top-Werbungtreibende - darunter AT&T, VW, Johnson & Johnson, McDonald's und Verizon - ihre Werbekampagnen auf Youtube und anderen Google-Seiten ein. Grund ist, dass einige Kampagnen auf der Videoplattform um Umfeld extremistischer Inhalte zu sehen waren.
Youtube hat bereits versprochen, die Instrumente zur Sicherstellung von Brand Safety zu verbessern. Dabei lege man die Latte sehr hoch, um die Werbekunden zu schützen, so ein Google-Sprecher. Doch die Kunden signalisieren, dass das allein nicht genug sein könnte: Wie die "Financial Times" berichtet (bezahlpflichtiger Artikel), hat die Mediaagentur Group M im Namen ihrer Kunden gegenüber Youtube die Forderung eingebracht, für Premium-Umfelder reduzierte Preise aufzurufen. Dies sei eine von mehreren Handlungen, die Google vornehmen könnte, um für mehr Sicherheit zu sorgen, zitiert die "FT" Group Ms Digitalchef Rob Norman.
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In Deutschland erfährt die Debatte über die Umfeldsicherheit bei Youtube bislang bemerkenswert wenig Widerhall. Viele große Werbungtreibende bleiben jedenfalls erstaunlich still. Was nicht heißt, dass das Problem hierzulande nicht reflektiert wird: "Das Thema Sicherheit und Brand Safety ist eines der Top-Themen der OWM", sagt OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz auf Nachfrage von HORIZONT Online und verweist auf den Forderungskatalog aus dem vergangenen September.

Vor allem die Publisher und ihre Vermarkter stünden in der Pflicht, für Brand Safety zu sorgen, so Schütz: "Es ist ihre originäre Aufgabe, Instrumente und Technologien zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln, um sichere Umfelder anbieten zu können. Das schließt Videoplattformen natürlich mit ein. Leider zeigt die Realität, dass heute noch kein System technologisch ausgereift ist, um Werbungtreibenden auf Videoplattformen echte Sicherheit zu bieten.
„Das Thema Sicherheit und Brand Safety ist eines der Top-Themen der OWM.“
Joachim Schütz
Welche Maßnahmen die Werbungtreibenden wählten, um Druck gegenüber einem Plattformbetreiber wie Youtube zu machen, müsse man allerdings jedem Unternehmen selbst überlassen, so Schütz: "Für jeden Werbungtreibenden bzw. jede Marke definiert sich der 'sichere Raum' individuell. So muss auch jedes Unternehmen über seinen Umgang mit möglichen Unsicherheiten selbstständig entscheiden."

Audi formuliert angesichts der Problematik eine klare Haltung: "Audi akzeptiert nicht, dass Werbemaßnahmen in Kontexten gezeigt werden, die den Werten unserer Marke widersprechen", teilt ein Unternehmenssprecher gegenüber HORIZONT Online mit. Man befinde sich weltweit in engem Austausch mit Google, "damit lokale Brand Safety-Mechanismen effektiv arbeiten und permanent umfassend aktualisiert werden. Wenn dies in einzelnen Märkten nicht sichergestellt ist, setzen die betroffenen Audi-Landesgesellschaften die Schaltung von Kampagnen aus."
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In Großbritannien, wo die jüngste Brand-Safety-Debatte bei Youtube ihren Anfang genommen hat, ist Audi diesen Schritt bereits gegangen. "In allen anderen Märkten beobachten wir weiterhin kontinuierlich die Wirksamkeit von Brand Safety-Mechanismen und entscheiden fallweise über das entsprechende weitere Vorgehen", so der Sprecher.

Es gibt allerdings auch Blue-Chip-Kunden, die einen Werbe-Boykott nicht für sinnvoll halten, um Druck auf Plattform-Betreiber zu machen. Keith Weed etwa, Chief Marketing Officer beim niederländisch-britischen FMCG-Riesen Unilever, wird Youtube nicht den Laufpass geben. Statt allein Google für die Probleme verantwortlich zu machen, sollten die Unternehmen ihre Hausaufgaben erledigen, so Weed gegenüber "Business Insider". Denn Probleme wie Brand Safety und auch Viewability und Ad Fraud seien beleibe nicht neu. ire
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