Yi-Ko Burger King kündigt Verträge mit umstrittenem Franchisenehmer

Mittwoch, 19. November 2014
Burger King setzt Yi-Ko vor die Tür
Burger King setzt Yi-Ko vor die Tür
Foto: Unternehmen

Die Undercover-Reportage von Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in einigen Burger King-Filialen hat ein spätes Nachspiel: Das Fast-Food-Unternehmen kündigt alle 89 Verträge mit seinem größten Franchisenehmer in Deutschland, der Yi-Ko-Holding. Diese war durch Wallraffs RTL-Reportage schwer unter Beschuss geraten, weil in ihren Filialen schwerwiegende Hygienemängel und schlechte Arbeitsbedingungen herrschten.
Dem anschließenden Shitstorm setzte Burger-King eine Transparenzoffensive inklusive Werbekampagnen entgegen, unter anderem mit Deutschland-Chef Andreas Bork. Außerdem verpflichtete man Yi-Ko auf einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um die Missstände zu beseitigen. Dieser habe auch einige Erfolge gezeitigt, wie Burger King mitteilt. So hätten 90 Prozent der Gerichtsverfahren gegen die Yi-Ko-Holding innerhalb von 90 Tagen beigelegt werden können, die Gästezufriedenheit sowie die operative Leistung habe sich erheblich verbessert und "hunderte Manager" der Holding seien erneut auf die Burger-King-Standards geschult worden.
RTL undercover in den Yildiz-Filialen (Screenshot aus der TV-Sendung)

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Nun habe man jedoch feststellen müssen, "dass die Yi-Ko erneut gegen die getroffenen Vereinbarungen verstieß", heißt es in der Burger-King-Mitteilung. So habe der ehemalige Geschäftsführer Ergün Yildiz, der infolge des Skandals zurückgetreten war, als Gesellschafter aber weiter an Bord blieb, fortwährend Einfluss auf das Tagesgeschäft genommen. Außerdem sei wiederholt gegen Arbeitsverträge verstoßen worden und die Schichten in den Restaurants seien unterbesetzt gewesen. Daher zieht Burger King nun die Reißleine.

"Die Kündigung stellt für uns nur den letzten Schritt dar", so Burger-King-Chef Bork. "Leider mussten wir aufgrund der wiederholten Verstöße der Yi-Ko gegen operative und arbeitsrechtliche Standards sowie der daraus resultierenden Rufschädigung feststellen, dass die Yi-Ko kein Teil der Burger-King-Gemeinde bleiben kann." Auch diesen Schritt vollzieht Burger King äußerst transparent: Auf seiner deutschen Facebook-Seite veröffentlichte das Unternehmen eine persönliche Video-Adresse Borks an die Fans, außerdem wurde auf die Pressemitteilung verlinkt.

„Wir werden alles dafür tun, möglichst alle Restaurants und die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten.“
Andreas Bork
Yi-Ko will die Kündigung allerdings nicht kampflos hinnehmen. Der Anwalt des Unternehmens kündigte gegenüber Handelsblatt Online an, per einstweiliger Verfügung vor Gericht erreichen zu wollen, dass man weiter beliefert wird. Denn mit Kündigung der Verträge müsste die Holding die von ihr betriebenen Restaurants eigentlich schließen, berichtet die Wirtschaftszeitung. Wie es dann mit den betroffenen Filialen weitergehen würde, ist derzeit unklar. "Wir werden alles dafür tun, möglichst alle Restaurants und die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten", so Bork gegenüber "Bild".

Das wäre nicht nur im Hinblick auf die gut 3000 betroffenen Mitarbeiter wichtig - auch unter Markengesichtspunkten muss Burger King an einer Erhaltung der Filialen gelegen sein. Denn mit Schließung der 89 Restaurants würde sich die Sichtbarkeit auf einen Schlag enorm reduzieren. ire

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