Year-of-the-Monkey-Gründer von der Lühe "Wir wollen Macherqualitäten fördern"

Mittwoch, 13. April 2016
Markus von der Lühe
Markus von der Lühe
Foto: Year of the Goat

Mit seinem kleinen, aber feinen Digitalfestival "Year of the Monkey", das am 21. April in München in die nächste Runde geht, sieht sich Gründer Markus von der Lühe auf der Überholspur der Branchenevents. Im Interview mit HORIZONT Online erläutert er, was sich im chinesischen Jahr des Affen auf der Konferenz ändert und warum der Faktor Intimität für die Veranstalter so wichtig ist.
Bei unserem letzten Gespräch im Sommer 2015 hieß das Year of the Monkey noch Year of the Goat und ihr wart gerade mitten in der Planung eures Hamburg-Events. Was hat sich in der Zwischenzeit getan? Wir sind gerade dabei, eine eigene Workshop-Reihe zu launchen und zwar ganz im Spirit unserer Festivals: emotional aufgeladen, praktisch und voll von Experience. Zwei Workshops kann ich schon mal verraten: einen Sci-Fi Workshop, wo man sich mit sehr zukunftsorientierten Gadgets auseinandersetzt und dann bewertet, was das für die Zukunft des eigenen Business bedeutet. Bei dem anderen geht es um das Thema Growth Hacking im B2B-Bereich: Wie kann ich guerillaartig alternative Methoden einsetzen, um Vertrieb effektiver zu gestalten. Neben den kleinen Satellitenevents im letzten Jahr in Hamburg und Frankfurt gilt das YOTM in München als das Hauptevent. Was wird dabei anders sein? Erst einmal ein großes Dankeschön an unsere beiden Hauptsponsoren Grabarz & Partner sowie Goetzpartners, ohne die wir das alles nicht geschafft hätten. Wir werden etwa 600 Teilnehmer in München haben. Ich kann nicht zu viel verraten, aber es wird eine ganze Reihe von Überraschungen geben, die sich vor allem auf die Experience beziehen. Beispielsweise werden wir Drohnenflug-Workshops haben. In Bezug auf den Content haben wir Themen wie Connected Cars, Mindfulness, Precision Medicine, Future of Media und Work.

Welches Thema steht diesmal im Mittelpunkt des Festivals? Der Affe natürlich! Und der ist experimentierfreudig, verspielt, neugierig und ein sehr soziales und auch leicht verrücktes Tier - also ideal für ein Innovations-Festival. Dieses Thema übertragen wir auf das gesamte Festival und man kann viele Dinge ausprobieren - von Drohnen über Amazon Echo, VR-Experiences hin zu Tai-Chi-Workshops.

In Hamburg und Frankfurt habt ihr stark auf einen Workshop-Ansatz gesetzt, nur vormittags gab es einzelne Impulsvorträge. Behaltet ihr diese Vorgehensweise auch beim Hauptevent in München bei? Absolut, wir haben aber eben jetzt noch zusätzlich Mini-Workshops als Side-Programm, um noch mehr Interaktivität zu garantieren.Auch der Networking-Gedanke steht beim YOTM im Fokus. Wieso wird gerade der persönliche Austausch zwischen den Besuchern und Speakern bei euch so groß geschrieben? Unsere wichtigste KPI ist Intimität. Das heißt, nur wenn wir es schaffen, die Intimität von Kleingruppen auf Großgruppen zu übertragen, haben wir gewonnen.

Wie meinst du das? Die gesamte Experience ist darauf ausgelegt, dass das organische Networking gefördert wird. Das fängt bei den Namenschildchen an, wo wir nur den Vornamen sowie das chinesische Horoskop der Person haben. Damit hat man sofort ein Gesprächsthema, wobei es nicht gleich ums Business geht. Außerdem werden wir am Abend ein australisches Barbecue mit Lagerfeuer haben.

Auf welche Speaker können sich die Gäste am meisten freuen? Pete Wyllie aus Australien: Er ist Basejumper und Doktor und wird uns erzählen wie er seine Leidenschaft für das Basejumping und Klettern nutzt, um in Verbindung mit der neuesten Drohnentechnologie digitale Stories zu erzählen. Dann haben wir Professor Harhoff vom Max-Planck-Institut, der Frau Merkel zum Thema Innovation berät. Marc Ziegler und Wolfram Römhild von Goetzpartners werden einen Workshop zum Thema Internet der Dinge moderieren. Mit über 30 Speakern haben wir wirklich sehr viel Content.Mit dem Festival habt ihr euch auf die Fahnen geschrieben, die digitale Transformation in Europa voranzubringen und vor allem, auch den dazugehörigen Kulturwandel umzusetzen. Worauf kommt es euch dabei an? Zunächst mal haben wir in Deutschland ein grundlegendes Problem, was den digitalen Wandel angeht. Wir sind zu konservativ und zu sehr auf Themen wie Datenschutz fokussiert. Außerdem neigen wir dazu, zu sehr in der Theorie zu schwelgen. Wir brauchen eine stärkere Unternehmerkultur und müssen Macherpersönlichkeiten fördern. Es geht nicht darum, endlose Business Pläne und Excel-Spreadsheets zu erstellen, sondern Dinge auszuprobieren und bei Eignung schnell umzusetzen. Genau das ist der Ansatz von unseren Festivals und Workshops: Macherqualitäten zu fördern, praktische digitale Fähigkeiten wie Prototyping, Growth Hacking und Visual Storytelling zu vermitteln.

Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft: Was kommt nach dem YOTM in München? Hamburg und London sind für dieses Jahr auf der Roadmap. Für 2017 haben wir schon erste Gespräche für Sydney und San Francisco geführt. Außerdem wollen wir das Thema Intimität und Community noch vertiefen. Es ist nicht gerade trivial, eine Community aufzubauen und wir glauben, dass wir dazu einen physischen Ort brauchen.

Wie soll dieser Ort aussehen? Vielleicht wird es eine Combo aus Coffee-Shop und Co-Working-Space. Oder wir öffnen irgendwann einen coolen Retreat, wo wir viele internationale Vordenker einfliegen. Wer weiß... Im Englischen gibt es einen guten Spruch: Let's take the road less travelled! Die Straße nehmen wir gerne, aber wo genau diese uns genau hinführt, ist noch offen. Sehr weit offen.

Interview: Tim Theobald
Meist gelesen
stats