Year of the Goat-Gründer von der Lühe "Der digitale Wandel fängt im Kopf an"

Dienstag, 28. Juli 2015
Markus von der Lühe hat mit Year of the Goat viel vor
Markus von der Lühe hat mit Year of the Goat viel vor
Foto: Year of the Goat

Am 8. September findet in Hamburg die Digitalkonferenz Year of the Goat statt - und kommt in den darauffolgenden Monaten nach Frankfurt, München und London. Im Interview mit Medienpartner HORIZONT Online spricht Mitgründer Markus von der Lühe über die Ziele des Festivals, die Ziege als perfekten Namenspatron und warum bei Year of the Goat so viel Wert auf Intimität gelegt wird.
Dmexco, Next, Republica - mittlerweile gibt es in Deutschland zahlreiche Digitalkonferenzen. Wieso hat Year of the Goat in dieser Landschaft noch gefehlt? Es ist sicher richtig, dass sich einige Veranstaltungen gut positioniert haben und tolle Sachen machen. Was aber oft fehlt, ist eine echte Community, die aus den Teilnehmern bei dem jeweiligen Event entsteht. Bei Year of the Goat haben wir uns bis ins kleinste Detail überlegt, wie die Menschen vor Ort sofort einen Wow-Effekt bekommen. Unser großes Ziel ist es, die Intimität, die die Leute in kleinen Gruppen haben, auf ein größeres Konferenzformat zu übertragen. Das ist die Kernidee von Year of the Goat. Wie wollen Sie diese Intimität auf dem Event erzeugen? Da gibt es viele Bausteine. Zunächst einmal begrüßen wir unsere Gäste bei der Registrierung mit zwei Ziegen und fordern sie zum Selfie mit den Tieren auf. Auf welcher anderen Konferenz gibt es so etwas schon? Durch solche Aktionen sollen die Menschen direkt zum Netzwerken verführt werden, ohne dass es gezwungen wirkt. Überhaupt sollen sich die Gäste bei uns permanent austauschen. Deswegen ist uns eine familiäre Atmosphäre besonders wichtig.
Year of the Goat Logo
Bild: Year of the Goat

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Und wie zeigt sich diese Atmosphäre inhaltlich? Schließlich wollen Sie sich mit Year of the Goat von anderen Konferenzen absetzen. Wir wollten eine B2B-Konferenz kreieren, wo zum einen internationale Business-Speaker sind, wir zum anderen aber auch interdisziplinär unterwegs sind. Zum Beispiel haben wir zwei Autorinnen aus den USA eingeladen, die Mafiabosse und somalische Piraten interviewt haben, außerdem  haben wir einen Neurowissenschaftler und einen buddhistischen Mönch, die über Disruption und digitalen Wandel sprechen. Solche Speaker können natürlich eine ganz andere Perspektive auf Innovation und Kreativität bieten. Über den interdisziplinären Ansatz wollen wir sämtliche Aspekte der digitalen Transformation aufgreifen, die in den nächsten Jahren von entscheidender Bedeutung sein werden: vom Internet der Dinge, über Cyber Security bis zu Quantified Self.

Welche Formate haben Sie dazu auf der Konferenz geplant? Vormittags setzen wir auf kurze und inspirierende Impulsvorträge von nationalen wie internationalen Speakern, die nicht länger als 15 Minuten sind. Am Nachmittag gibt es dann verschiedene Workshops, in denen die Gäste an Kurzprojekten mitarbeiten. Dort werden sie beispielsweise in eine Hackerrolle versetzt und erfahren so unmittelbar, wie unsicher das Internet ist. Oder sie können den Prototypen einer Mini-App bauen. Durch die Workshop-Struktur wollen wir die Veranstaltung deutlich interaktiver und kommunikativer gestalten.
„Bei Year of the Goat bringen wir Querdenker in einer Community zusammen, die die Chance haben, gemeinsam Wertemodelle voranzutreiben, um so den digitalen Herausforderungen der nächsten fünf bis zehn Jahre gewachsen zu sein.“
Markus von der Lühe
Neben Ihrer Absicht, die digitale Transformation in Europa voranzubringen wollen Sie auch dafür sensibilisieren, den dazugehörigen Kulturwandel umzusetzen. Was meinen Sie damit? Egal ob in der Bildung, Politik, im Business oder Sport – wir sind davon überzeugt, dass wir vor fundamentalen Veränderungen stehen, die zwar extrem schnell über uns hereinbrechen werden, aber dennoch im Detail kaum absehbar sind. Deshalb müssen sich sowohl wir Individuen als auch die Institutionen und Unternehmen radikal verändern. Es zeichnet sich auf allen Gesellschaftsebenen ab, dass das Zusammenarbeiten in der Gruppe immer wichtiger wird, um schneller bessere Ergebnisse zu erzielen. Bei Year of the Goat bringen wir Querdenker in einer Community zusammen, die die Chance haben, gemeinsam Wertemodelle voranzutreiben, um so den digitalen Herausforderungen der nächsten fünf bis zehn Jahre gewachsen zu sein.

Wie kommt eigentlich der eigenwillige Titel der Veranstaltung zustande? Wir wollten bewusst einen Namen wählen, der die Leute neugierig macht. 2015 ist für die Chinesen das Jahr der Ziege, die für Sturheit steht und keine Veränderung will. Für uns ist sie deshalb das Symbol für den Widerstand, den es im Bereich der digitalen Transformation gibt. Wir stellen den Teilnehmern von Year of the Goat sozusagen die Herausforderung, die innere Ziege zu überwinden.
Ein Teil des Konzepts ist es, die Konferenz in kurzen Abständen in verschiedene Städte zu bringen: Im März waren Sie bereits in München, im September folgt Hamburg, im November dann Frankfurt und im Frühjahr 2016 geht es mit London weiter. Wie bewerkstelligen Sie diese enge Taktung? Als wir das Konzept von Year of the Goat aufgesetzt haben, haben uns erfahrene Veranstalter immer gesagt, dass wir ein Jahr für die Umsetzung brauchen werden. Das kam uns doch sehr lang vor. Wir wollten einfach schneller sein und haben München im März innerhalb von vier Monaten gestemmt – und das obwohl keiner von uns große Erfahrungen in der Eventplanung hatte. Es ist wichtig, dass man als Team gut zusammenarbeitet und das eigene Ego hinten anstellt. Wir machen lieber manchmal kleine Fehler, sind dafür aber schnell und dynamisch unterwegs. Bisher hat das ganz gut funktioniert.

Die Eintrittskarten für Year of the Goat kann man nicht einfach kaufen, sondern werden in einem Bewerbungsverfahren vergeben. Wie läuft das ab und warum handhaben Sie die Ticketvergabe auf diese Weise? Mit dieser Vorgehensweise wollen wir sicherstellen, dass die Qualität der Konferenzteilnehmer stimmt. Die Bewerber müssen auf der Website angeben, warum sie glauben, dass sie dabei sein sollten. Das gilt aber nur für unsere Satellitenevents. Bei der Hauptveranstaltung in München kann sich jeder anmelden.
„Wir wollen Leute, die verstehen, dass man anders denken muss, wenn man die Anforderungen unseres Zeitalters bewältigen will.“
Markus von der Lühe
Und wie filtern Sie die "richtigen" Menschen heraus? Grundsätzlich denken nicht wir in Schubladen. Man muss kein Marketingentscheider oder HR-Manager sein, sondern Offenheit in seiner Denkweise beweisen. Wir wollen Leute, die verstehen, dass man anders denken muss, wenn man die Anforderungen unseres Zeitalters bewältigen will. Dabei ist es völlig egal, ob man eine hochrangige Position bekleidet oder nicht. Der digitale Wandel fängt im Kopf an.

In Hamburg ist die Kreativagentur Grabarz & Partner ihr strategischer Hauptpartner und Mitausrichter. Wieso setzen Sie gerade auf diesen Partner? Im Vorfeld hatten wir mit Grabarz & Partner einen gemeinsamen Workshop zur digitalen Transformation. Dabei hat uns beeindruckt, mit welcher Offenheit Grabarz an die neuen Themen der Digitalisierung herangeht. Außerdem fanden wir das Leitmotiv der "Participative Creativity" sehr stimmig mit unserem eigenen Workshop-Ansatz. Deshalb ist Grabarz für uns der ideale Partner.

Interview: Tim Theobald
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