Y-Titty-Star Oguz Yilmaz "Von den Werbeeinnahmen bei Youtube kann man nicht leben"

Mittwoch, 09. Dezember 2015
Oguz Yilmaz wurde mit dem Comedy-Trio Y-Titty auf Youtube zum Star.
Oguz Yilmaz wurde mit dem Comedy-Trio Y-Titty auf Youtube zum Star.
Foto: Yilmaz
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Mit seinem überaus erfolgreichen Comedy- und Musiktrio Y-Titty gilt Oguz Yilmaz als Youtuber der ersten Stunde. Auf der Inreach, der ersten deutschen Influencer Marketing Konferenz, fordert er im Gespräch mit HORIZONT Online klare Regelungen zu Schleichwerbung und erklärt, warum Youtuber auf Product Placements angewiesen sind.

Vor einem Jahr hatte Y-Titty mit schweren Schleichwerbevorwürfen zu kämpfen. Im Anschluss gab es große Diskussionen um das Thema, auch in den Medien. Was hat sich seitdem für Euch verändert? Nicht sehr viel. Das Thema hat heute lediglich mehr Aufmerksamkeit als früher. Außerdem würde ich nicht sagen, dass wir Schleichwerbung gemacht haben. Wir haben versucht, uns an Regeln zu halten, die es eigentlich gar nicht gibt - bis heute nicht. Es ist ein großes Problem, dass sich die Landesmedienanstalten in diesem Thema bislang nicht einigen können. Denn wenn die Regelungen für Schleichwerbung irgendwann einmal auf Papier stehen, dann ist ja alles in Ordnung. Es gibt deshalb in der Szene immer noch sehr viel Unsicherheit unter den Influencern, die schlicht nicht wissen, was erlaubt ist und was nicht. Der Grund: Zu viele Quellen. Der eine legt Schleichwerbung so aus, der andere so.

Also ist der Ball bei den Landesmedienanstalten? Ich will nicht sagen, dass die Landesmedienanstalten an allem Schuld sind. Ebenso wenig die Influencer, weil sie es häufig einfach nicht besser wissen. Aber wenn es jemanden gibt, der jetzt die relevanten Schritte gehen muss, dann sind das die Landesmedienanstalten.
Bibi
Bild: instagram.com/bibisbeautypalace

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Ist die mangelnde Regulierung das wichtigste Problem der Influencer-Branche? Es gibt durchaus noch andere wichtige Baustellen. Zum Beispiel das Preis-Dumping von Agenturen, die Influencer häufig unter Wert verramschen. Dabei geht vor allem denjenigen Influencern viel Geld durch die Lappen, die gerade so von den Einnahmen leben können. Da geht es um die Existenz. Ich finde das viel schlimmer als die Schleichwerbung-Debatte. Denn eines muss in die Köpfe der Leute: Man kann von den Werbeeinnahmen bei Youtube nicht leben.

Auch Ihr mit Y-Titty nicht? Nein. Auch wir sind angewiesen auf Markenkooperationen. Ich behaupte, dass allein von den Youtube-Werbeeinahmen und ohne Product Placement keiner in Deutschland dauerhaft überleben kann.

Wie hat sich denn die Nachfrage nach Product Placements bei Euch entwickelt? Unsere ersten Placements waren mit Marken wie Coke, Samsung oder EA. Diese Unternehmen haben ein hohes Budget, das solche Investitionen erlaubte. Mittlerweile bemühen sich auch kleine Unternehmen um Product Placements. Das kommt vor allem den Influencern mit geringer Reichweite zu gute. Und auch die Marken profitieren, weil sie geringe Streuverluste haben. Das ist eine Entwicklung, die ich sehr begrüße. Es geht nämlich nicht immer nur um Reichweite – der Content muss zur Marke passen.

Anderes Thema: Du hast, neben vielen weiteren Youtubern auch, im Kinofilm „Kartoffelsalat“ mitgewirkt. Kann denn Youtube mittlerweile ein Sprungbrett für eine Karriere im Kino oder TV sein und wollen das Youtuber überhaupt? Sie müssen sogar! Denn dauerhaft davon leben kann nur etwa ein Prozent aller Youtuber. Bislang ist das nur in anderen Ländern möglich, wo ein PewDiePie mit ein paar Videos ausgesorgt hat, aber in Deutschland geht das nicht. Das heißt: Irgendwann muss man gucken, wie es weitergeht. Kino und TV können die Lösung sein.

„Du kannst zwar ohne große Investitionen viel Reichweite generieren, aber um diese Reichweite dann dauerhaft zu monetarisieren, muss man Youtube verlassen“
Oguz Yilmaz
Die ersten Bewegungen sind bereits sichtbar. LeFloid etwa hat sich vor kurzem mit dem SWR zusammengetan. Genau. Und plötzlich merken die Youtuber: Ich verdiene im Netz ja super wenig Geld im Vergleich zu TV. Und das ist der wesentliche Nachteil der Videoplattform: Du kannst zwar ohne große Investitionen viel Reichweite generieren, aber um diese Reichweite dann dauerhaft zu monetarisieren, muss man Youtube verlassen.

Y-Titty ist ein Kanal der ersten Stunde, gegründet 2006. Wenn man sich bei den Fans umhört, wirkt ihr ein wenig abgenutzt. Neue, jüngere Künstler wie „Die Lochis“ preschen nach vorne. Wie schwer ist es als Youtuber, die Aufmerksamkeit der Fans dauerhaft zu halten und sie nicht an andere zu verlieren? Genau wie im Fernsehen gibt es auch auf Youtube immer wieder neue Trends, nur ist die Frequenz auf der Videoplattform höher und die Geschwindigkeit unheimlich rasant. Es gab zum Beispiel den großen Sketche- und Parodietrend, den auch wir damals mit einem Video in der Woche bedient haben. Plötzlich reichte den Fans ein Video nicht mehr. Die Zuschauer wollten mehr, mehr mehr. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, weil die Produktion mehrere Videos in der Woche zwangsläufig zu Lasten der Qualität gegangen wäre.

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