HORIZONT liest ... "Bravo" Wieso Marilyn Monroe und Selena Gomez Schwestern im Geiste sind


Was ist der Unterschied zwischen Marilyn Monroe und Selena Gomez? Richtig, auf die Stunde genau 57 Jahre, drei Monate und ein Tag - mehr nicht. Die legendäre Blondine zierte anno 1956 die allererste Ausgabe der "Bravo", Gomez, immer-mal-wieder-Gespielin von Teenie-Idol Justin Bieber, blickt dem Leser lasziv von der aktuellen Nummer entgegen. Es hat sich viel geändert in fast 60 Jahren "Bravo", das zeigen nicht zuletzt die Cover-Stars. Bei so geringer Auflage wie noch nie muss sich das Teenie-Magazin immer wieder neu erfinden, um im schnelllebigen Internetzeitalter für seine Zielgruppe relevant zu bleiben. Das kann gelingen, weil der Bauer-Verlag den Klassiker zu einer crossmedialen Marke weiterentwickelt.
 
"Bravo" war das Sprachrohr der Jugend, und zwar in nicht nur einer Generation: Die 68er sind mit "Bravo" erwachsen geworden, ebenso die Baby-Boomer, die Generation Golf und die Generation Y der späten 1980er (zu der sich der Autor im Übrigen lediglich aus Geburtsgründen zählt). Aber ist "Bravo" auch heute noch relevant? Wir meinen: ja, denn der herausgebende Bauer-Verlag hat frühzeitig erkannt, dass man als junge Marke, wie "Bravo" eine ist, breiter aufgestellt sein sollte. Zusätzliche Erlösquellen schuf man durch diverse Spin-Offs des Muttermagazins ("Bravo Sport", "Bravo Screen Fun"), die jährliche Verleihung des "Bravo-Ottos", die CD-Sampler der Reihe "Bravo-Hits" und eine starke Digital-Präsenz. So gelingt es "Bravo", auch heute noch ein bekannter Player auf dem Markt der Teenie-Medien zu sein - nur eben mit weniger Starschnitten, Tabubrüchen und nackten Tatsachen. Allerdings gehen die Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten gerade der jungen Leser auch an einem Klassiker wie "Bravo" nicht spurlos vorbei (siehe unten).

Inhalt

Surprise, Surprise: Mit dem letzten Relaunch im September dieses Jahres hat sich das Teenie-Magazin spürbar verändert. Die neue Chefredakteurin Nadine Nordmann, seit Mai im Amt, hat das Heft fit für die Zukunft gemacht. Ein deutlicher Akzent beim Relaunch, nach Verlagsangaben dem größten in der Markengeschichte, lag auf einer stärkeren Digitalisierung der "Bravo" - sowohl inhaltlich als auch gestalterisch. Sichtbarste Folge: Der verstärkte Einsatz von QR-Codes im Heft mit dem Verweis auf Bravo.de. Auch neue Rubriken sollen der Zielgruppe digitalen Mehrwert bieten. Bauer trägt damit der hohen Web- und Social Media-Affinität der Leserschaft Rechnung - Stichwort "Digital Natives".
 
Darf in keiner

Darf in keiner "Bravo" fehlen: Die obligatorische Foto-Lovestory

Inhaltlich kann sich "Bravo" also durchaus auf die Fahne schreiben, am Puls der Zeit zu sein - sprachlich übrigens auch. "Krass" ist das neue "cool" ist das neue "peppig" - das dürfte auch bei "Bravo"-Fans angekommen sein, die dem Teenie-Alter inzwischen schon länger entwachsen sind. Die ersten Seiten des Magazins kommen entsprechend daher wie ein Crashkurs zum Thema Jugendsprache. "OMG", "Bitches", "BFF", "Beauty-Fail", "Hottie" - wer da schon Schwierigkeiten hat, dürfte beim Durchblättern der "Bravo" im November 2013 an seine Grenzen stoßen.
 
Manch ein Klassiker findet sich aber dennoch auch weiterhin: Dr. Sommer ist geblieben, auch die Foto-Love-Story darf in keiner Ausgabe fehlen und natürlich gibt es diverse Poster und Gimmicks.
 

Das aktuelle Heft

Hochklassige Lesestücke findet man in "Bravo" erwartungsgemäß nicht - aber das war und ist auch nicht der Anspruch der Redaktion (gewesen). Stattdessen bietet die Ausgabe 49/2013 einen bunten Themenmix, bei dem vor allem Stars und Sternchen im Mittelpunkt stehen. Und nicht alle kommen dabei gut weg: Genauso, wie manche Newcomer in den Himmel gelobt werden, behält sich Bravo ebenfalls vor, Stars auch um im Jargon zu bleiben zu "dissen". Diesmal trifft es Schauspieler Elias M'Barek ("Grapsch-Attacke!") und Selena Gomez ("Plötzlich Schlampe!").
 
Der Report über den Unfall der Tänzerin Charity

Der Report über den Unfall der Tänzerin Charity

In der Heftaufteilung machen die "Stars" dann auch mit weitem Abstand den größten Teil aus - die weiteren Rubriken heißen "Trends & Lifestyle", "Dr. Sommer", "Fun" und "Real Life". In letzterer findet sich das längste Lesestück des Heftes, der Bericht über ein von der Straßenbahn überfahrenes Mädchen von Bravo-Reporterin Jennifer Kuhn. Außerdem im Blickpunkt: Das wohl vor allem für Jungs interessante Thema Xbox One versus Playstation 4. Doch auch der edukative Aspekt kommt bei "Bravo" nicht zu kurz: In der Rubrik "Hot or Not" stellt die Redaktion die besten Buch-Apps vor, bei Dr. Sommer gibt es wie schon seit 1964 Ratschläge zu Sex- und Beziehungsfragen. Und der Fotoroman rückt mit der Gefahr durch "Loverboys" ein wichtiges Thema in den Mittelpunkt. Eher geringeren Nutzwert dürfte der Test "Welcher Song Typ bist du?" haben.
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