Whopper-Werbung Wie Burger King Google Home austricksen wollte - und scheiterte

Donnerstag, 13. April 2017
Burger King klaut sich Werbezeit in den Wohnzimmern
Burger King klaut sich Werbezeit in den Wohnzimmern
Foto: Burger King
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Dass digitalen Sprachassistenten und den dazu passenden Lautsprechersystemen die Zukunft gehört, daran gibt es keine Zweifel. Aktuell zeichnen sich Google Home, Alexa, Siri und Cortana aber vor allem dadurch aus, dass sie wenig ausgereift sind - und sich wunderbar zweckentfremden lassen. Könnte man denken. Das Beispiel Burger King zeigt allerdings, dass es durchaus riskant sein kann, sich mit den digitalen Assistenten anzulegen. Der Versuch des Fastfood-Riesen, über Google Home eine Werbebotschaft abzusetzen, ging jedenfalls nach hinten los.
Die Idee von Burger King hatte durchaus Charme. Mit dem jüngsten Werbespot wollte sich der Konzern quasi Gratis-Werbezeit bei Zuschauern ergaunern, die in Reichweite ihres Fernsehers einen Google-Home-Lautsprecher stehen haben. In dem von der US-Agentur David für Burger King entwickelten Spot versucht ein Mitarbeiter der Fastfood-Kette, den Zuschauern alle Vorzüge des Whopper nahezubringen. Doch da die 15-sekündige Werbezeit dafür viel zu knapp bemessen ist, kommt ihm ein Geistesblitz. 
"Ok, Google, was ist der Whopper-Burger?", lautet der Satz, den er am Ende des Spots laut und deutlich äußert - und der in der Folge die vernetzten Google-Lautsprecher der Zuschauer aktivierte. Diese bekamen dann den Anfang des Wikipedia-Artikels über den Whopper von Burger King zu hören. Dass die Aktion bis ins kleinste Detail durchdacht war, zeigt auch der Umstand, dass der erste Satz des Eintrags in der Online-Enzyklopädie kurz zuvor erstmals seit Jahren geändert worden war und nun mehr nach einem Werbespruch klingt. Der Name des Wikipedia-Nutzers, der die Änderung vornahm, ähnelt dem Profilnamen des Burger-King-Marketingchefs Fernando Machado bei Online-Netzwerken.

Allerdings scheint Machado die Rechnung ohne Google und ohne die Nutzer der smarten Lautsprecher gemacht zu haben. Bei letzteren kam die Aktion mehrheitlich nicht sonderlich gut an. Auf Youtube erhielt das Commercial jedenfalls deutlich mehr negative als positive Bewertungen. Und nicht nur das. Einige Nutzer machten sich einen Spaß daraus, zur Beschreibung des Burgers Bestandteile wie "abgeschnittene Fingernägel" hinzuzufügen. Die Bearbeitungs-Funktion bei Wikipedia, die es grundsätzlich jedem erlaubt, Einträge zu ändern, wurde daraufhin gesperrt.

Die Aktion war aber auch deshalb ein Schuss in den Ofen, weil Google schnell auf den Schabernack reagierte. Binnen weniger Stunden sorgte der Suchmaschinenriese dafür, dass die Lautsprecher nicht mehr auf den Werbespot ansprangen, während man die Frage als Besitzer weiterhin stellen kann. 

Schon vor einem Monat hatten Google-Lautsprecher bei einigen Besitzern für Vewunderung gesorgt. Das Gerät wies unaufgefordert auf den Kinostart der Neuauflage des Disney-Klassikers "Die Schöne und das Biest" hin. Google erklärte, die Einspielung sei nicht als Werbung gedacht gewesen. Man experimentiere damit, über den sprechenden Assistenten passende Inhalte für Nutzer hervorzuheben, "und wir hätten es in diesem Fall besser machen können", hieß es in einer Stellungnahme unter anderem beim Tech-Blog "The Verge" in der Nacht zum Freitag.

Bei dem in Google Home integrierten Google Assistant handelt es sich um eine Software mit künstlicher Intelligenz, die Nutzer durch den Tag begleiten und ihnen helfen soll. Google kündigte erst vor kurzem an, den Assistent in Millionen Smartphones mit den beiden neuesten Versionen seines Mobil-Betriebssystems Android zu bringen. Ähnliche Assistenz-Software haben auch Amazon mit Alexa im Lautsprecher Echo, Apple mit Siri und Microsoft mit Cortana.

Auch mit Amazons Echo-Lautsprechern gab es schon einen durch das Fernsehen ausgelösten Zwischenfall. Ein Moderator erzählte davon, wie sich ein Mädchen bei der Sprachassistentin Alexa ein Puppenhaus wünschte. Als er den Satz "Alexa, bestelle mir ein Puppenhaus" aussprach, fragten viele der Geräte ihre Besitzer, ob sie mit der Bestellung fortfahren wollen. mas/dpa
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