Werbung zum Fremdschämen Diese Unternehmen wurden vom Werberat gerügt

Freitag, 14. Oktober 2016
 Das gerügte Motiv von Riffels Bar und Grill
Das gerügte Motiv von Riffels Bar und Grill
Foto: Deutscher Werberat
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Werberat Werbung Julia Busse


Manchmal tun sich in der Werbung Abgründe auf. Mit den besonders harten Fällen darf sich traditionell der Deutsche Werberat auseinandersetzen, der die Urheber von sexistischer oder herabwürdigender Werbung im schlimmsten Falle mit einer öffentlichen Rüge bestraft. Genau dazu ist es jetzt wieder gekommen. Sechs Unternehmen waren nicht bereit, die beanstandeten Motive zu ändern und müssen nun mit dem Makel einer öffentlichen Maßregelung leben.
Anders als sonst gehören diesmal nicht nur kleine Klitschen zu den Unbelehrbaren, die für die Argumente des Deutschen Werberats nicht empfänglich waren. Mit der 1971 gegründeten Werkstattkette Pitstop, die immerhin 1200 Mitarbeiter beschäftigt, erhielt diesmal auch ein großes Unternehmen einen blauen Brief von der Kontrollinstanz der deutschen Werbeindustrie.
Das gerügte Motiv von Pitstop
Das gerügte Motiv von Pitstop (Bild: Deutscher Werberat)
Die vom Werberat als sexistisch eingestufte Werbeaktion fand auf der Website des Unterehmens statt, wo die Essener Werkstattkette mit leicht bekleideten weiblichen Models für ihr Felgenangebot warb. Die Einschätzung des Werberats, der die Motive auch wegen der Gleichsetzung von Frauen mit Produkten als frauenherabwürdigend einstufte, wollte Pitstop nicht folgen. Zwar wurden die Werbetexte versachlicht und damit etwas entschärft. Am Urteil des Werberats hat dies allerdings nichts geändert. 
Das gerügte Motiv von Wüster & Wüster
Das gerügte Motiv von Wüster & Wüster (Bild: Deutscher Werberat)
In die Kategorie "unterste Schublade" gehört das gerügte Werbemotiv von Wüster & Wüster aus Düsseldorf. Die Argumentation, mit dem die Düsseldorfer Friseurkette das Anliegen des Werberats ablehnte, ist nicht minder abenteuerlich. So könne es sich bei dem von hinten fotografierten Model in Reizwäsche, dem der Betrachter durch die Beine auf einen am Laptop arbeiteten Mann schaut, "auch um einen femininen Mann handeln", ließ Wüster & Wüster den Werberat wissen.

Das gerügte Motiv von Baumgartner Optik
Das gerügte Motiv von Baumgartner Optik (Bild: Deutscher Werberat)
Ebenfalls eine Rüge hat sich Baumgartner Optik in Regensburg eingehandelt. Das Unternehmen hatte auf  seiner Homepage und auf seinem Transporter mit einer nahezu nackten Frau geworben, die in anzüglicher Pose auf allen Vieren posierte. Aus Sicht des Werberats wurde der Blick der Betrachter vor allem auf den sexistisch zur Schau gestellten Körper der Frau gelenkt.

(Bild: Deutscher Werberat)
Aus ähnlichen Gründen wurde die Firma Corthum Nordschwarzwald gerügt. Das Erdenwerk aus Marxzell-Pfaffenrot in Baden-Württemberg zeigte auf seinen Fahrzeugen den Oberkörper einer mit Schlamm beschmierten Frau, die sich aufreizend an ihre Brust fasst. Das Argument des Werberats, der das Motiv als frauenherabwürdigend kritisierte, wollte das Unternehmen nicht gelten lassen. 

(Bild: Deutscher Werberat)
Beinahe sprachlos macht das Werbemotiv von Riffels Bar und Grill in Hannover. Auf dem Plakatmotiv  ist eine nackte Frau im Pin-up-Stil zu sehen, die lasziv auf einer überdimensionierten Wurst "reitet".

(Bild: Deutscher Werberat)
Nicht weniger schlimm ist das Motiv, mit dem die Druckbude Zeuthen auf ihren Transportern wirbt. Das Motiv zeigt einen Werbestempel mit Telefonnummer, Website und Firmenlogo auf dem überdimensionierten und nur mit Stringtanga abgelichteten Gesäß einer Frau. 

„Auch wenn der Werberat die genannten Unternehmen rügen musste, sind wir insgesamt zufrieden mit der Bilanz des 3. Quartals“, fasst Julia Busse, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, zusammen. „Es hat sich erneut bestätigt, dass nur in Einzelfällen Grenzüberschreitungen vorkommen. Wir bleiben deshalb dabei: Überzeugen ist besser als verbieten!“ mas
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