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Das Partei-Plakat sorgt für Kontroversen
die-partei.net/dresden

Werbung mit totem Flüchtlingsjungen Die Partei testet im Satire-Wahlkampf die Grenzen aus

Das Partei-Plakat sorgt für Kontroversen
Bislang hat Die Partei den Bundestagswahlkampf eher auf humorvoll-ironische Weise getrollt. Nun holen die Satiriker um Martin Sonneborn allerdings den ganz großen Hammer raus: Auf einem Plakat mit dem abgewandelten CDU-Claim zeigt die Partei den toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi.
von Ingo Rentz, Dienstag, 12. September 2017
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    Das Bild des ertrunkenen Dreijährigen aus Syrien, der im Jahr 2015 vor der Küste der Türkei ums Leben gekommen war, löste erhebliche Reaktionen in Politik und Medien aus und gilt als ein Mahnmal für die Verfehlungen der europäischen Flüchtlingspolitik. Die Partei nutzt die Bekanntheit des Bildes nun aus, um gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zu protestieren. Auf dem Plakat, das Parteichef Sonneborn auf seinen Social-Media-Accounts veröffentlicht hat, ist über dem Bild des toten Jungen zu lesen: "Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen" - eine Abwandlung des CDU-Claims "Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben". Das Motiv zeigt überdies das schwarz-rot-goldene Farbschema der CDU-Bundestagswahlkampagne, im unteren Teil kommt der Schriftzug der Partei zum Vorschein.
    Auf der Website des Dresdener Kreisverbands der Partei gibt es eine Presseerklärung zu dem Motiv. Darin heißt es:
    Beim Erstellen des Plakats haben wir uns an der Feelgood-Kampagne der CDU orientiert und das Strandbild mit den meisten Klicks gesucht. Das Ergebnis hat uns auch überrascht, aber wie Grüne, AfD und Co. zeigen: Kinder machen sich immer gut.

    Das Konzept der Bundesregierung, eine Mauer durch die Sahara zu bauen, um die unansehnlichen Leichen am Urlausbsstrand zu vermeiden, müssen wir ja begrüßen, da Mauerbau schon lange eines unserer wichtigsten Wahlversprechen ist. Wir hätten zwar eine weniger menschenverachtende Variante gewählt, aber es sind ja nur Neger. Einige beklagen die Auswahl des Bildes: Stimmt, wir wollten irgend eine andere der tausenden Kinderleichen nehmen, denn der Junge hat wirklich genug gelitten, aber die anderen wurden einfach nicht so hübsch fotografiert. Wir haben kurzfristig noch aus Versehen ein bundesweit relevantes Plakat gemacht.

    Anwendungshinweis für Eltern: Sie können es wie die meisten Eltern machen, ihr Kind belügen und sagen, dass der Junge schläft oder sie konfrontieren es mit der Realität, dass es in einer Welt aufwächst, in der soetwas normal ist.


    Die Erklärung dürfte bei vielen Menschen einen Nerv treffen. Die Frage ist, ob das Bild des toten Aylan Kurdi in dieser Weise verwendet werden sollte und dem Jungen dadurch nicht ein Stück weit erneut die Würde genommen wird, nachdem er bereits einen viel zu frühen, unnötigen Tod gestorben ist. Entsprechend kontrovers wird das Partei-Motiv in den sozialen Netzwerken diskutiert. "Bitterböse. Und leider wahr", kommentiert etwa ein Nutzer unter Sonneborns Tweet, "Ihr seid so widerlich" ein anderer.

    Wie Parteichef Sonneborn gegenüber Meedia ankündigt, soll das Plakat bundesweit verbreitet werden, nachdem Facebook das Motiv von der Seite des Kreisverbandes Sachsen gelöscht hatte. Ansonsten spielt er den Ball in Richtung Bundesregierung: "Wir warten interessiert auf eine Reaktion aus dem Kanzleramt", schreibt Sonneborn auf Facebook.

    HORIZONT Online hat die Pressestelle der CDU um ein Statement zu dem Motiv gebeten, eine Antwort steht derzeit noch aus. ire

    Update: Die CDU-Zentrale kommentiert das Thema auf Anfrage wie folgt: "Zu so einer widerwärtigen Geschmacklosigkeit äußern wir uns nicht.“
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