Werbeverbote Die Folgen der Brüsseler Rauchzeichen

Montag, 29. September 2014
"Vorsicht, Politik" heißt die neue Serie in HORIZONT
"Vorsicht, Politik" heißt die neue Serie in HORIZONT
Foto: Foto: dfv

Für die Zigarettenbranche ist der Kampf noch nicht vorbei. Bis Mai 2016 müssen die europäischen Vorgaben bei der Tabakproduktrichtlinie in nationales Recht gegossen sein. Passiert ist bisher nicht viel. Jetzt fordert die Industrie Rechtssicherheit, während sich andere Branchen verstärkt fragen, was das eigentlich alles für sie bedeutet.
 Es sind vor allem zwei Learnings, die in Gesprächen mit Experten immer wieder zu hören sind. Mögen die Diskussionen noch erregt sein, gilt es für die Wirtschaft und ihre Vertreter immer auf die Kraft der Argumente zu setzen. Das ist nicht immer einfach. Während der Debatte um Schockbilder und Plain Packaging auf Zigarettenschachteln etwa waren einzelne Politiker gar nicht mehr bereit, den Unternehmen zuzuhören, berichten Teilnehmer. Dennoch: "Sachlichkeit ist das Einzige, was zählt. Nur so gelingt der Austausch der Interessen", sagt Anja Siegemund, Vertreterin der Markenverbands in Brüssel. Die zweite Lehre ist: "Aussitzen ist keine Alternative", erklärt Verhandlungsexperte Matthias Schranner. Der Spezialist für schwierige Fälle glaubt, dass manche in der Wirtschaft die Entwicklung im Verbraucherschutz falsch eingeschätzt haben. Er rät dazu, sich offensiv mit den Werbeverboten auseinanderzusetzen und vor allem keine Verteidigungsrolle einzunehmen. Mit Argumenten und positiven Ziele gelte es, die Öffentlichkeit zu gewinnen. Warum das wichtig ist? "Wer die Öffentlichkeit vereinnahmen kann, wird auch bei der Politik viel leichter Gehör finden. Von den Mandatsträgern bekommt man nur etwas, wenn sich diese davon etwas versprechen, etwa eine Wahl zu gewinnen." Und es gibt noch eine Erkenntnis aus der Tabakproduktrichtlinie, die für alle werbungtreibenden Unternehmen von Bedeutung ist, wie Bas Tonnaer sagt. "Der Staat sorgt mit Vorschriften und Verboten dafür, dass sich der Konsument 'richtig' verhält. Die Wünsche des Konsumenten werden nicht mehr berücksichtigt, seine Fähigkeit, selbst zu entscheiden, wird ihm abgesprochen", sagt der Leiter Industriepolitik und Öffentlichkeitsarbeit von British American Tobacco in Deutschland in einem Gastkommentar für HORIZONT. mir

Mehr zu den Nachwirkungen der Tabakproduktrichtlinie, ein Interview zur richtigen Verhandlungsstrategie und den Gastkommentar von BAT finden Sie in der aktuellen  HORIZONT-Ausgabe 39/2014.
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