Werbeverbote Ab heute grüßt das Raucherbein

Freitag, 20. Mai 2016
Vorbild für Deutschland: Australische Zigarettenpackungen mit Horrorbildern
Vorbild für Deutschland: Australische Zigarettenpackungen mit Horrorbildern

Ab heute ist es soweit. Von den Zigarettenschachteln grüßen Raucherbein und Teerlunge. Mit den Schockbildern tritt das Gesetz zur Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie in Kraft.
Der Kunde wird schleichend mit den neuen Verpackungen konfrontiert. Noch ein Jahr lang dürfen die Hersteller die alten Verpackungen verkaufen. Dann ist endgültig Schluss. Dass es so gekommen ist, empfindet mancher Branchenvertreter als Niederlage. Mit den Schockbildern sollen Jugendliche vom Rauchen abgehalten werden, so die Argumentation der Politik. Viele - nicht nur in der Tabakindustrie - halten das für Blödsinn. Auf dem traditionellen Plenum der Werbung des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) am gestrigen Donnerstag stand denn auch eine Forderung ganz klar im Raum: Bloß keine weiteren Werberestriktionen.

Ob das so kommen wird, darf bezweifelt werden. Ein aktueller Gesetzesentwurf sieht vor, die Zigarettenwerbung, die noch auf Plakaten und im Kino möglich ist, zu verbieten. "Erstmals soll die Kommunikation für ein legales Produkt vollständig untersagt werden", sagte ZAW-Präsident Andreas Schubert. "Die Werbung für ein Produkt wäre demnach schädlicher als dieses Produkt selbst."

Doch die Tabakwerbung ist nur ein Feld, das die Politik beständig beackert. Längst haben die Mandatsträger die Alkohol- und Lebensmittelbranche ins Visier genommen.  "Die Wurst die die Zigarette von morgen", sagte neulich ein hochrangiger Manager auf einem Branchentreffen. Bundesjustizminister Heiko Maas bastelt an einem Gesetz zum Verbot von sexistischer Werbung. Dabei funktioniert hier die Selbstkontrolle der Kommunikationsbranche besonders gut, wie gerade in diesen Tagen wieder sechs öffentliche Rügen des Deutschen Werberates gezeigt haben. "Es ist absurd, die massiven Übergriffe in Köln mit Werbung in Verbindung zu bringen", sagt denn auch ZAW-Präsident Schubert.
Marlboro Plakat
Bild: dfv

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Entschieden spricht er sich auch hier gegen weitere Regulierungen aus. "Werbung braucht Bewegungsspielräume", sagt er und die Branchenvertreter beim ZAW-Plenum  klatschen begeistert. Schützenhilfe in der Argumentation leistet da auch eine Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach, die gestern Geschäftsführerin Renate Köcher bei der ZAW-Veranstaltung vorstellte. Danach sehen die deutschen Konsumenten zu 56 Prozent ihre Interessen gut geschützt, wenngleich der Wert gegenüber 2015 um drei Prozentpunkte niedriger liegt. Aber von Werbung alleine hängt eine Kaufentscheidung sowieso nicht ab. Die meisten - knapp 80 Prozent - hören auf die Empfehlungen von Freunden.  mir
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