Werbeverbot auf "Christkindlesmarkt" Wieso Nürnberg keine Extra-Wurst aus Sachsen will

Freitag, 28. November 2014
Kostenlose Bratwurst aus Sachsen ist derzeit der Stein des Anstoßes in Franken
Kostenlose Bratwurst aus Sachsen ist derzeit der Stein des Anstoßes in Franken
Foto: Wikimedia

Pünktlich zur Eröffnung des "Christkindlesmarkt" hat Nürnberg sein "Bratwurst-Gate": Das zuständige Marktamt der fränkischen Stadt will dem Freistaat Sachsen untersagen, auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt kostenlose Würstchen zu verteilen - schließlich versteht sich Nürnberg höchstselbst als Rostbratwurst-Hauptstadt. Und für die heimische Köstlichkeit sollen die Besucher bitteschön auch bezahlen.
Hinter der geplanten Extra-Wurst-Aktion steckt eine werbliche Absicht: Im Rahmen der breit angelegten Werbekampagne "So geht Sächsisch" wollen die Sachsen am 6. Dezember mit einem Lieferwagen auf Tour durch Nürnberg gehen und die Bratwürste unter die Leute bringen. Dabei geht es aber weniger um die Wurst, als vielmehr um den Senf des Werbepartners Bautz'ner, der mit der Marketingmaßnahme beworben werden soll. Gerade auch deshalb stößt die ungewöhnliche Wurstspende auf wenig Gegenliebe in Franken. Marktamtleiter Helmut Nordhardt gab dem "Fränkischen Tag" zu Protokoll, dass "der Christkindlesmarkt nicht als Werbevehikel missbraucht werden darf" - schließlich sei in der Marktsatzung festgelegt, dass die unentgeltliche Abgabe von Waren nicht erlaubt ist.
„Der Christkindlesmarkt darf nicht als Werbevehikel missbraucht werden.“
Nürnbergs Marktamtleiter Helmut Nordhardt
In Sachsen nimmt man die Angelegenheit mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. "Wir waren schon ein Stück weit überrascht, als wir das aus Nürnberg gehört haben. Einen solchen Aufruhr wollten wir wirklich nicht auslösen", beteuert Sandra Jäschke, Regierungssprecherin der Sächsischen Staatskanzlei, gegenüber HORIZONT Online. Gleichwohl nimmt sie die Angelegenheit ernst: "Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit den Verantwortlichen und versuchen gemeinsam einen Weg zu finden, mit dem die Händler vor Ort gut leben können", so Jäschke. Die Aktion am Nikolaustag soll demnach auf jeden Fall stattfinden. Allerdings schließt sie dabei nicht mehr aus, dass am Ende gar keine Würstchen verteilt werden. Mit einer endgültigen Entscheidung darüber, wie die Kampagne letztlich ablaufen wird, rechnet die Regierungssprecherin in der nächsten Woche.
So geht Sächsisch
Bild: Screenshot/So geht Sächsisch

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Eines jedenfalls ist schon jetzt sicher: Die ganze Aufregung um die geschenkte Wurst aus Sachsen schafft nicht nur Aufmerksamkeit für die Werbeoffensive des Freistaats, sondern vor allem auch für den Nürnberger Christkindlesmarkt. Und egal wie die pikante Geschichte ausgeht: Wahrscheinlich haben am Ende doch beide Parteien etwas von "Bratwurst-Gate". tt
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