Werbeverbot Landratsamt München untersagt Maybe-Kampagne

Donnerstag, 10. Oktober 2013
Verstößt gegen geltendes Recht: Die umstrittene "Maybe"-Kampagne von Marlboro
Verstößt gegen geltendes Recht: Die umstrittene "Maybe"-Kampagne von Marlboro

Keine guten Zeiten für die Tabakindustrie. Erst verschärft das EU-Parlament die Warnhinweise auf den Verpackungen, dann verbietet das Landratsamt München gestern Abend bundesweit die "Maybe" -Werbekampagne für Marlboro. Die Behörde sieht in der Werbung einen Verstoß gegen geltendes Recht. Philip Morris prüft nun rechtliche Schritte gegen den Bescheid. Nach Meinung der Behörde spricht der Zigarettenriese mit der Kampagne, die bereits seit 2011 läuft, gezielt Jugendliche an. Das sei aber nach - und jetzt wird es juristisch - Paragraf 22, Absatz 2, Nummer 1, Buchstabe b des Vorläufigen Tabakgesetzes verboten beziehungsweise unzulässig. Der Auftritt suggeriere mit seinen Motiven, dass der Konsum von Marlboro einen "Zauderer" (Maybe) in einen "Macher" (Be) verwandle. Gerade die bei dieser Werbung im Vordergrund stehende Frage nach der Selbstwahrnehmung und des "Images" spiele für Jugendliche und Heranwachsende eine zentrale Rolle" , begründet die Behörde. Der Bescheid hat bundesweite Bedeutung, da Philip Morris seinen Hauptsitz in Gräfeling bei München hat. Dem Konzern ist damit jegliche Form der Maybe-Werbung auf Plakaten, Flyern, Kinowerbung und Sonderwerbeformen untersagt.

Bei Philip Morris ist man über die Entscheidung der Verwaltung ziemlich irritiert und prüft derzeit rechtliche Schritte gegen den Erlass. "Das Landratsamt München hat einen Bescheid erlassen, der rechtlich und tatsächlich jeder Grundlage entbehrt", erklärt Pressesprecherin Claudia Oeking. Die Kampagne richte sich, anders als behauptet, an Erwachsene. Mit dem Auftritt wolle das Unternehmen Marlboro-Fans in ihrer Wahl bestärken und Raucher anderer Marken für das Produkt gewinnen. Oeking weist darauf hin, dass man im vergangenen Jahr nach einer Verbraucherbeschwerde bereits die Außenwerbung freiwillig ausgesetzt habe, um in einen Dialog mit der Behörde zu kommen. Man habe anschließend die Kampagne überarbeitet und dabei die Bedenken des Landratsamts berücksichtigt. Zudem habe man vereinbart, dass die Außenwerbe- und Point of Sale-Motive vor ihrem Launch der unabhängigen Institution Wettbewerbszentrale zur Prüfung der Gesetzmäßigkeit vorgelegt werden. Dem sei der Konzern nachgekommen.

Allerdings ist der Zoff mit dem Landratsamt nicht der erste Ärger, den sich Philip Morris mit der Kampagne einhandelt. Bereits 2012 hatten Wissenschaftler der Universität Hamburg und das Deutsche Krebsforschungszentrum von der damaligen Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gefordert, gegen die Maybe-Kampagne vorzugehen. Die Kreation der Kampagne stammt von Leo Burnett in Frankfurt. mir

Beispielmotiv der Kampagne
Beispielmotiv der Kampagne


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