Werberat Vier öffentliche Rügen wegen sexistischer Werbung

Donnerstag, 26. März 2015
Die Kombi aus Spruch und Bild fanden Konsumenten nicht gut, der Werberat auch nicht
Die Kombi aus Spruch und Bild fanden Konsumenten nicht gut, der Werberat auch nicht
Foto: Deutscher Werberat
Themenseiten zu diesem Artikel:

Werberat Werbung Julia Busse


Werbung darf provozieren, sie soll provozieren. Aber manchmal schießen Unternehmen über das Ziel hinaus. Deshalb rügt der Deutsche Werberat heute vier Unternehmen öffentlich - wegen sexistischer und erniedrigender Darstellung von Frauen.

Betroffen vom schärfsten Schwert des Selbstregulierungsorgans der Branche sind die Tierhaus-Landhof Tiernahrung und Landhandel aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern), Lift Reith aus dem hessischen Ehrenberg/Rhön, URR GmbH Universal Rohrreinigung & Kanalsanierung aus Nürnberg sowie das Funkhaus Coburg (Bayern). Über alle vier Motive hatten sich Konsumenten beschwert. Zu Recht wie der Werberat fand. Trotzdem weigerten sich die Firmen, die Werbung zu stoppen oder zu verändern. Deshalb rügt der Werbe-TÜV nun öffentlich. Nach Auffassung des Gremiums nutzt das Quartett die Motive von Frauen und ihrer Körper nur als Hingucker, ohne einen Bezug zum Produkt.

Diese Werbung geht gar nicht, finden Konsumenten und beschweren sich. Zu Recht, sagt der Werberat
Diese Werbung geht gar nicht, finden Konsumenten und beschweren sich. Zu Recht, sagt der Werberat (Bild: Deutscher Werberat)
Die Fahrzeugwerbung des mecklenburgischen Tierhaus-Landhof etwa zeigt eine Frau in Dessous neben Hund und Katze, dazu der Slogan „Frischfleisch gibt’s bei uns…“. Diese Kombination aus Slogan und Bild stufte das Gremium als schweren Verstoß gegen seine Verhaltensregeln gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen ein. Unter anderem werde das weibliche Model durch das Wort „Frischfleisch“ zum Objekt degradiert.

Autowerbung daneben
Autowerbung daneben (Bild: Deutscher Werberat)
Bei der Autowerbung der Universal Rohreinigung und Kanalsanierung GmbH (URR GmbH) aus Nürnberg liegt der Fall ähnlich. Der Slogan "Service rund ums Rohr" in Verbindung mit einem Frauengesäß im String Tanga ist für das Gremium sexistisch und herabwürdigend. Warum? Das weibliche Körperteil werde ohne jeglichen Bezug zur Dienstleistung als reiner Blickfang missbraucht.


Provozieren ist erlaubt, diskriminieren nicht.
Provozieren ist erlaubt, diskriminieren nicht. (Bild: Deutscher Werberat)
In die gleiche Kategorie fällt die Werbung von Lift Reith, die ebenfalls Frauen herabwürdigt und eigentlich Lifte bewirbt.

Die Kombi aus Spruch und Bild fanden Konsumenten nicht gut, der Werberat auch nicht
Die Kombi aus Spruch und Bild fanden Konsumenten nicht gut, der Werberat auch nicht (Bild: Deutscher Werberat)
Erwischt hat es auch den Lokalsender Radio Eins des Funkhauses Coburg.  Auch hier dienen Bild und Spruch nur als Hingucker ohne Bezug zum Produkt. Entscheidend sei dabei nicht, so der Werberat in seiner Begründung, wie das Unternehmen seine Werbung verstanden wissen will, sondern wie sie von den Betrachtern wahrgenommen wird.

Dass sich Unternehmen solchen Argumente verschließen, ist allerdings selten, heißt es beim Werberat. "Angesichts einer Durchsetzungsquote von 93 Prozent im 1. Quartal 2015, in denen der Werberat Unternehmen zur Änderung oder Absetzung ihrer Werbung anhalten konnte, sind diese vier ein Randphänomen", sagt Julia Busse, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats. Gleichwohl wird es in diesem Jahr noch die ein oder andere Rüge geben. mir

Meist gelesen
stats