Selbstkontrolle Werberat verteilt 14 Rügen in 2014

Donnerstag, 05. März 2015
Eines von insgesamt 14 gerügten Motiven
Eines von insgesamt 14 gerügten Motiven
Foto: Werberat
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Werberat Julia Busse Hans-Henning Wiegmann


Der Deutsche Werberat hatte 2014 mehr Arbeit. Insgesamt prüfte das Gremium 566 Motive und Spots. Ein Plus von 8 Prozent. 14 Mal rügte die Instanz öffentlich.
Für Geschäftsführerin Julia Busse ist die erneut gestiegene Zahl in der Jahresbilanz ein Zeichen dafür, dass die Sensibilisierung in der Bevölkerung weiter zunimmt. "Wir beobachten eine wachsende Bereitschaft gegen als unzumutbar empfundene Werbung vorzugehen", erklärt Busse. Doch nicht jede Beschwerde von Konsumenten ist berechtigt. 179 Kampagnen fielen nicht in die Zuständigkeit des Werberats, weil es sich beispielsweise um nicht-kommerzielle Werbung von Nichtregierungsorganisationen oder Parteien gehandelt hat. Bei 276 Eingaben konnte die Instanz die Beschwerden nicht nachvollziehen. In 111 Fällen schloss sich das Selbstregulierungsorgan der Branche allerdings der Kritik aus der Bevölkerung an. In 88 Fällen stellten die Unternehmen die Werbung deshalb ein, neun änderten die Motive ab oder schnitten die Spots um. 14 Werbungtreibenden wollten sich dagegen nicht der Spruchpraxis beugen. Hier griff der Rat zu seinem schärfsten Schwert: der öffentliche Rüge. In der Regel hilft der Werbepranger, dass die Betroffenen ihre Kommunikation verändern. Doch was noch wichtiger ist: der Erziehungseffekt funktioniert. Die Unternehmen werden laut Werberat in der Regel kein zweites Mal auffällig.

Was sich allerdings bislang nicht ändert, ist der häufigste Beschwerdegrund: Sexistische und Diskriminierende Werbung. 203 Fälle gehen auf dieses Konto. Und vor allem Motive mit Frauen sind davon betroffen, mit flachen Sprüchen und billigen Posen. Auf Platz 2 liegen "Verstöße gegen ethische Mindestanforderungen"  (55 Fälle), gefolgt von der Diskriminierung von Personengruppen (30 Fälle). "Wir prüfen jede Kritik anhand der im Jahr 2014 aktualisierten Verhaltensregeln gegen Herabwürdigung und Diskriminierung und wägen jedes Mal ab: Ist das Gezeigte noch tolerabel, ja oder nein", beschreibt Busse die Vorgehensweise des 15-köpfigen Entscheidungsgremiums bei einer Beschwerde.

Der Werberat versteht sich dabei nicht als Zensurbehörde, sondern als Schiedsstelle. Übertreibungen und Provokationen, das Spielen mit Klischees gehören für die Brancheninstanz zu den zulässigen Stilmitteln in der Kommunikation. "Wenn aber schutzwürdige Belange von Bürgern verletzt sind, wird der Deutsche Werberat auch in Zukunft den Beschwerdeführern zur Seite stehen", erklärt der Vorsitzende des Gremiums, Hans-Henning Wiegmann. 2015 könnte das wieder mehr Arbeit bedeuten. mir
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