Werberat Außenwerbung darf nicht zur Kindersache werden

Mittwoch, 04. September 2013
Julia Busse (Bild: Deutscher Werberat)
Julia Busse (Bild: Deutscher Werberat)

Kinder gilt es zu schützen. Darüber sind sich der Deutsche Werberat und die Bürgerinitiative Pinkstinks einig. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wie das bei sexuell aufgeladener Werbung funktionieren soll. Pinkstinks hat dem Kontrollgremium am Montag eine Petition vorgelegt, wonach in solchen Fällen bei Außenwerbung die Kindersicht zum Beurteilungskriterium gemacht werden soll. Der Werberat verweist dagegen auf sein Balance-Gebot. "Wir werden die Petition erstmal in die Werbebranche hineintragen und in den nächsten Wochen mit dem Werberat diskutieren", verrät Julia Busse, Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, HORIZONT.NET auf Anfrage. Für den Werberat ist die Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Herabsetzung von Frauen nichts Neues. Regelmäßig stehe das freiwillige Kontrollgremium mit verschiedenen Interessensvertretungen wie Frauenrechtsorganisationen im Austausch. "Wir wollen das Thema deshalb auch nicht allein auf Pinkstinks reduzieren", so Busse. "Sondern die Forderungen der Petition auch mit allen Gruppen diskutieren."

Fest steht schon jetzt, dass der Werberat der Hauptforderung der Organisation Pinkstinks nicht nachkommen will. Außenwerbung, bei der Kinder den Werbebotschaften und motiven ausgesetzt seien, könne nicht allein aus Kindersicht beurteilt werden: "Dann würde Werbung nicht mehr funktionieren", sagt die Werberat-Chefin. Stattdessen betont sie: "Wir unterliegen einem Balance-Gebot. Das heißt, dass der Werberat bei seinen Entscheidungen die Belange aller berücksichtigen muss."

Unterstützung in seiner Auffassung erhält der Werberat derzeit von den im Bundestag vertretenen Parteien. Wie aus den Antworten zu den Wahlprüfsteinen von Pinkstinks hervorgeht, sehen die Politiker keinen Anlass für Werbeverbote von geschlechterdiskriminierender Werbung. Stattdessen vertrauen sie weiterhin dem System aus gesetzlicher Werberegulierung und freiwilliger Selbstkontrolle der Werbebranche. hor
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