"Werbelüge des Jahres" Foodwatch "kürt" Alete mit dem Goldenen Windbeutel

Dienstag, 28. November 2017
Dieser Keks bringt Alete den Goldenen Windbeutel ein
Dieser Keks bringt Alete den Goldenen Windbeutel ein
© Foodwatch

Es gibt wenige Preise, über die sich keiner freut. Der Goldene Windbeutel gehört definitiv dazu. Mit der Auszeichnung würdigt Foodwatch seit 2009 die dreisteste Werbelüge des Jahres. Diesmal hat es Alete erwischt. Bei der Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation gab eine große Mehrheit der mehr als 73.000 Teilnehmer ihre Stimme für einen zuckrigen Babykeks des Unternehmens ab.

Laut Foodwatch positioniert Alete seinen Babykeks als Produkt für Säuglinge ab dem achten Monat - "zum Knabbernlernen". Damit schlage das Unternehmen Empfehlungen von Medizinern in den Wind. Nach Angaben der Verbraucherorganisation haben die Babykekse einen Zuckeranteil von 25 Prozent. Dies fördere Karies. Foodwatch will den Negativpreis heute um 11 Uhr am Alete-Verwaltungssitz in Bad Homburg überreichen.

"Alete nutzt sein positives Image bei Eltern aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen - das grenzt an Körperverletzung durch Irreführung", sagte Sophie Unger von Foodwatch, "Wahlleiterin" beim Goldenen Windbeutel. Alete, das 2014 von Nestlé an die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft BWK verkauft wurde, hatte laut Foodwatch nach dem Start der Windbeutel-Wahl reagiert und Anfang November angekündigt, seine Kekse nicht länger auf der Packung als "babygerecht" zu bezeichnen. Aus Sicht von Unger ist das allerdings unzureichend, da das Unternehmen die Zuckerkekse weiterhin für Babys empfehle. Dies sei "absurd". "Alete nutzt die rechtlichen Lücken besonders dreist aus. Der Fall macht deutlich: Wir brauchen dringend bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel", sagt Unger. 

Die Forderung nach einer gesetzlichen Neuregelung überrascht nicht. Denn obwohl beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Babynahrung explizit von Zuckerbeimischungen abrät und auch das von der Bundesregierung ins Leben gerufene Netzwerk "Gesund ins Leben" vor Zucker in Babynahrung warnt, verstößt Alete gegen keine Gesetze. So gibt es in der EU-Verordnung über Babylebensmittel zwar Vorgaben für die Belastung mit Pestiziden. Laut Foodwatch dürfen aber selbst Kekse mit einem Zuckergehalt von bis zu 34 Prozent noch als empfehlenswerte Produkte für Säuglinge beworben werden. 

Die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2017

Quelle: Foodwatch / *Quinoq, Apfel, Cranberries & Chia-Samen
In diesem Jahr waren außer dem Alete Babykeks vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2017 nominiert. Bei dem im Vergleich zu den Vorjahren veränderten Wahlverfahren seien mehr als 73.000 gültige Stimmen im Wahlzeitraum seit Ende Oktober eingegangen, teilt Foodwatch nun mit. Die überwältigende Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher hätten für Alete gestimmt. 

Foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel in diesem Jahr zum siebten Mal. Die erste Wahl fand 2009 statt. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Auch Alete war schon einmal dabei, 2014 erhielt die Alete Trinkmahlzeit ab dem 10. Monat die Auszeichnung. Mit dem Negativpreis will Foodwatch nach eigenen Angaben auf die "systematische, ganz legale Irreführung bei Lebensmitteln" hinweisen, um bessere Gesetze zu erwirken. mas

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