Wehrmachtsartikel im Online-Shop Real entschuldigt sich - und kündigt Konsequenzen an

Dienstag, 05. Dezember 2017
Diesen Wehrmachtshelm gab es im Real-Shop zu kaufen
Diesen Wehrmachtshelm gab es im Real-Shop zu kaufen
© twitter.com/d_pesch

Peinliche Panne bei Real: Im Online-Shop der Handelskette waren zahlreiche Produkte verfügbar, die den Nationalsozialismus verherrlichen. Auf Twitter beschwerten sich zahlreiche Nutzer, darunter Jan Böhmernann - und kündigten sogar Strafanzeige gegen Real an. Nun hat das Unternehmen reagiert. 
Real weist in einer Stellungnahme auf die Regeln des eigenen Online-Shops hin, wonach "Propagandamaterial und Material mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen" sowie "Gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes, diskriminierendes Material" in dem Shop verboten seien. Dass es dennoch entsprechende Artikel in das Angebot geschafft haben, erklärt Real folgendermaßen: "Trotz bereits umfangreicher vorhandener Sicherheitsmaßnahmen, mussten wir jedoch zu unserem großen Bedauern feststellen, dass sich im Angebot Dritter auch Artikel befinden, die die Vorgänge in der Zeit des Nationalsozialismus verherrlichen und als Fan-Artikel angeboten werden."
In der Tat hatten es die Produkte in sich: Bei einem Aufnäher, der einen Totenkopf mit Stahlhelm in den Deutschland-Farben zeigt, hieß es in der Beschreibung etwa: "Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen." Auch einen Tropenhelm des Afrikakorps der Wehrmacht mit den Farben der Reichsflagge darauf gab es im Real-Shop zu kaufen, außerdem ein Buch des als rechtsextrem geltenden Autors Claus Nordbruch.
Die verdächtigen Artikel seien nach den Hinweisen der Nutzer sofort aus dem Angebot des Online-Shops entfernt worden, teilt Real mit. Derzeit arbeite man "mit Hochdruck" daran, "weitere potenzielle Artikel dieser Art von Drittanbietern zu identifizieren, um diese ebenfalls aus dem Angebot zu entfernen." Gleichzeitig kündigt Real Konsequenzen an: "Wir bitten unsere Kunden und die Öffentlichkeit um Entschuldigung und werden alle Anstrengungen unternehmen, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen", erklärt das Unternehmen.

Der Online-Shop von Real ist Anfang des Jahres aus dem Mitte 2016 übernommenen Hitmeister.de hervorgegangen. Damals befanden sich 5,5 Millionen Artikel im Sortiment. Inzwischen sind es rund 12 Millionen, wie Real selbst erklärt. Die alle zu überprüfen, ist allein von Menschenhand kaum leistbar. Deswegen setzte Real auf Algorithmen, wie Unternehmenssprecher Markus Jablonksi gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärt. So gebe es eine Blacklist von Produkten, die von vornherein nicht verkauft werden dürfen. Außerdem würden neue Produktangebote nach Schlüsselwörtern durchsucht und Mitarbeiter auf mögliche Verstöße aufmerksam gemacht. ire
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