Wegen IBM, Accenture und Co Übernahmen in der Marketing-Industrie nehmen zu - und werden teurer

Donnerstag, 11. August 2016
Im ersten Halbjahr floss mehr Geld in Übernahmen als im Vorjahreszeitraum.
Im ersten Halbjahr floss mehr Geld in Übernahmen als im Vorjahreszeitraum.
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Übernahme IBM Deloitte USA Advertising Age SAP Greg Paull


Das Geld sitzt lockerer: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stieg das Übernahme-Volumen in der Marketing-Industrie auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Das geht aus einem Report der Beratungsfirma R3 hervor, der HORIZONT Online vorliegt. Grund für den Anstieg seien vor allem Tech-Riesen und Beratungsunternehmen, die zunehmend in Agenturen investierten. Deutschland nimmt dabei eine wichtige Rolle ein.
Der R3-Auswertung zufolge gab es im ersten Halbjahr 204 Zusammenschlüsse beziehungsweise Übernahmen in der Marketing-Industrie. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 85 Deals mit einem Volumen von 2,1 Milliarden US-Dollar. Laut "AdAge" erklären sich die Experten dieses Wachstum vor allem mit dem Eintritt chinesischer Investoren. Ein ebenfalls nicht unwichtiger Grund seien die verstärkten Investitionen ganz neuer Player wie die Tech-Riesen IBM und SAP oder die Beratungsunternehmen Accenture und Deloitte. Beispiel IBM: Der Tech-Gigant hat unter das Dach seiner Unit Interactive Experience (IX) jüngst einige prominente Namen geholt. Zuletzt im Februar, als das Unternehmen die Düsseldorfer Digitalagentur Ecx.io sowie das Berliner Unternehmen Aperto übernommen hatten. In den USA ist die Digital- und Kreativagentur Resource/Ammirati einverleibt worden. Unter dem Dach von IX bündet IBM seine Aktivitäten im digitalen Marketing, E-Commerce und Plattformgeschäft. Doch der ehemalige Hardware-Riese ist nicht allein: Deloitte Digital hatte kürzlich die Kreativagentur Heat aus San Francisco gekauft. "Diese Einheiten aufzukaufen, ist nicht mehr allein das Kern-Gebiet der Werbeagenturen", resümiert R3-Co-Gründer Greg Paull.

Weit mehr als die Hälfte aller Deals im ersten Halbjahr bezog sich auf digital agierende Unternehmen, etwa aus der Adtech- oder Analytics-Branche, während die Akquisitionskosten für Kreativagenturen von 22 auf 10 Prozent und bei Mediaagenturen von 16 auf 7 Prozent deutlich gesunken sind. Interesse an Kreativ-, PR- und Designagenturen hätten demnach vor allem Agenturen und Agenturholdings gezeigt. Digital- und Mediaagenturen waren eher bei ausländischen Unternehmen und Käufern mit Beteiligungskapital (Private Equity) beliebt.

Herkunft der übernommenen Firmen nach Transaktionsvolumen

Quelle: Angaben in Millionen US-Dollar (R3)
Der größte Teil des weltweiten Transaktionsvolumens fällt auf US-amerikanische Unternehmen (siehe Chart oben). Dort flossen etwa 2,15 Milliarden US-Dollar in Übernahmen bzw. Zusammenschlüsse, gefolgt von Indien, China, UK und Australien. Dahinter platziert sich Deutschland auf Platz 6. Hierzulande wurden 194 Millionen US-Dollar investiert. Das sind 2,9 Prozent des weltweiten Volumens. USA und China machen allein mehr als die Hälfte des Kuchens aus.

Wirft man einen Blick auf die investitionsfreudigsten Agenturholdings, ergibt sich ein eindeutiges Bild: WPP und Dentsu führen den Markt an. Bei WPP wurden insgesamt 20 Deals gezählt, was einem Volumen von 269 Millionen US-Dollar gleichkommt. Dentsu griff 18 Mal zu und gab dabei 254 Millionen aus. IPG, Publicis und Havas teilen sich den Rest des Kuchens (siehe Chart unten). ron

Transaktionsvolumen nach Agenturholding

Quelle: Angaben in Millionen US-Dollar (R3)
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