Warsteiner Krisen-PR anstatt Jubiläumsstimmung

Donnerstag, 12. September 2013
Auf der Webseite informiert Warsteiner über die Legionellen-Thematik
Auf der Webseite informiert Warsteiner über die Legionellen-Thematik

Das hat sich Warsteiner anders vorgestellt: In diesem Jahr wollte die Bierbrauerei eigentlich ihr 260-Jahre-Jubiläum feiern und damit für Schlagzeilen sorgen. Die Schlagzeilen sind nun da, allerdings ist nicht das Jubiläum das Thema: Im Zuge der in Warstein grassierenden Legionellen-Erkrankung wurden auch Bakterien im Warsteiner-Abwasser gefunden. "Es ist völlig offen, ob die Brauerei Opfer oder Verursacher ist", betonte Umwelt-Staatssekretär Peter Knitsch am Mittwochabend im NRW-Gesundheitsausschuss. Trotzdem stellt allein schon die Assoziation mit der Krankheit für Warsteiner als Lebensmittelmarke ein potenzielles Imageproblem dar. 2013 wollte die Brauerei mit dem Verweis auf ihre jahrhundertealte Tradition eigentlich wieder ihr Image polieren.

Anfang des Jahres hatte die Brauerei erst eine von der damaligen Leadagentur Kolle Rebbe umgesetzte Jubiläumskampagne (Mediaplanung: Vizeum) mit Schaltungen in TV, Radio, Print, Out-of-Home und Internet gestartet. Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Jubiläums-Kronkorken-Aktion, aber auch den etablierten Live-Veranstaltungen vor Ort kommt im Rahmen der Jubiläumsfeier eine besondere Bedeutung zu.

An Feiern ist bei Warsteiner derzeit jedoch nicht zu denken: Stattdessen beherrscht Krisenkommunikation die Agenda. Anlässlich der Erkrankungswelle hat die Brauerei Anfang September bereits eine Info-Hotline eingerichtet und in einer ersten Pressemitteilung versichert, "dass es völlig unbedenklich ist, unsere Produkte zu trinken." Nach dem Legionellen-Fund im eigenen Abwasser hat die Brauerei nun einen Krisenstab berufen und in einer zweiten Mitteilung "konkrete Sicherungsmaßnahmen" dargelegt. Auch in der Gestaltung der eigenen Kommunikationskanäle reagierte das Unternehmen: Auf der Landingpage der Warsteiner-Webseite werden Besucher nun nicht mehr von der Kronkorken-Aktion begrüßt, sondern von Hinweisen zur Legionellen-Thematik.

Die Kommunikationsstrategie zeigt bei den Kunden erste Erfolge: "Ich finde den Umgang von Warsteiner mit der Situation sachlich und vorbildlich", lobt beispielsweise ein Kommentator auf Warsteiners Facebook-Seite, wo der Vorfall noch relativ verhalten - weit weg vom Shitstorm - diskutiert wird. "Da kann man nur hoffen, dass sich der Markt ebenso verhält und kein reißerisches Bild-Niveau aufkommt."

Ob und wann bei Warsteiner wieder Normalität und so etwas wie Feierstimmung einkehrt, ist angesichts der Sachlage noch ungewiss. Sicher ist nur, dass persönliche Gratulationswünsche derzeit nicht willkommen sind: Zum Schutz vor weiteren Erkrankungen hat die Brauerei den Besucherbetrieb bis auf weiteres eingestellt. Aus dem selben Grund wurde Ende August auch das traditionsreiche Heißluftballon-Festival Montgolfiade in Warstein abgesagt. hor

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