Wahlkampf Kleine Parteien hängen CDU und SPD im Internet ab

Donnerstag, 10. August 2017
Für Angela Merkels CDU ist das Internet offenbar immer noch Neuland
Für Angela Merkels CDU ist das Internet offenbar immer noch Neuland
Foto: CDU/Laurence Chaperon
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Dass die AfD auf Facebook und Google besser performt als die etablierten Parteien, das hat schon im Juli eine Exklusiv-Auswertung der Hamburger Mediaagentur JOM für HORIZONT gezeigt. Eine Studie von NetzwerkReklame kommt nun zu einem ähnlichen Ergebnis - und führt vor Augen, wie die Partei von ihrem Vorsprung im Social Web und bei der Google-Suche konkret profitiert.

NetzwerkReklame vergleicht die Ergebnisse der Sonntagsfrage mit der Online-Performance der Parteien
NetzwerkReklame vergleicht die Ergebnisse der Sonntagsfrage mit der Online-Performance der Parteien (Bild: NetzwerkReklame)
Für die Studie hat NetzwerkReklame nicht nur die Facebook-Likes und die SEO-Visibility der politischen Parteien untersucht. Der Hamburger Online-Media-Spezialist hat sich auch die Mühe gemacht, mithilfe von Similarweb die Anzahl der Visits und die durchschnittliche Dauer der Website-Besuche zu messen und das alles mit den Ergebnissen der aktuellen Sonntagsfrage von Infratest Dimap zu vergleichen (siehe Grafik oben). Ergebnis: Die AfD, die auf Facebook mit 330.000 Fans deutlich vorn liegt, kann von diesem Vorsprung massiv profitieren.

Visits der Parteien-Websites im Juli 2017

Quelle: NetzwerkReklame
Das zeigt sich vor allem daran, dass die Partei-Website und damit eines der zentralen Wahlkampf-Tools von politischen Parteien deutlich häufiger frequentiert wird als bei den politischen Kontrahenten. Laut der Studie erreichte die AfD im Juli 235.900 Visits - und damit deutlich mehr als die großen Volksparteien CDU (136.100 Visits), SPD (187.600 Visits) oder die Grünen (112.900 Visits). 

Verweildauer der Parteien-Websites im Juli 2017

ParteiVerweildauer in Minuten
CDU1:52
CSU1:49
SPD3:10
Grüne2:36
Linke2:56
FDP2:16
AfD2:52
Piraten3:50
Quelle: NetzwerkReklame

Auch die durchschnittliche Verweildauer von 2:52 Minuten spricht für eine intensive Nutzung der AfD-Website. Die Autoren der Studie begründen diese in Relation zur voraussichtlichen Wählerschaft sehr hohen Werte bei der AfD unter anderem mit der geringeren Präsenz der Partei in den Medien sowie der schwächeren Organisationsstruktur: Um überhaupt noch mit der eigenen Basis kommunizieren zu können, setzen kleine Parteien wie die AfD stärker auf das Internet als zum Beispiel die CDU, heißt es in der Studie. 

Facebook-Fans der politischen Parteien im Juli 2017

Quelle: NetzwerkReklame
Dass die großen Volksparteien nicht unbedingt auf den Dialog über das Internet angewiesen sind, lässt sich an den Nutzungszahlen ganz konkret ablesen. Die CDU verzeichnet nicht nur erstaunlich wenige Visits auf ihrer Website. Auch die Aufenthaltsdauer von im Schnitt 1:52 Minuten ist eher schwach.

Nicht viel besser sieht es bei der SPD aus. Die Sozialdemokraten, die im Juli 147.061 Facebook-Fans hatten, liegen mit 187.600 Visits nur knapp vor den beiden Unionsparteien. Bemerkenswert ist allerdings die deutlich längere Aufenthaltsdauer von 3:10 Minuten. Dies lasse auf attraktivere Inhalte schließen, urteilen die NetzwerkReklame-Experten. 

Die Grünen verfügen trotz ihrer inzwischen deutlich gealterten Stammklientel offenbar nach wie vor über einen guten Draht zu jüngeren und damit Internet-affineren Wählern. Dafür sprechen neben der in Relation zur Größe der Partei recht ordentlichen Facebook-Bilanz mit 144.900 Likes auch über 112.000 Website-Visits sowie die ebenfalls lange Verweildauer von 2:36 Minuten.

Die Linke kommt mit über 200.000 Likes auf Facebook auf Rang drei hinter Union und AfD. Bei der Website-Nutzung liegt sie mit 119.300 Visits in etwa auf Augenhöhe mit den Grünen.

Die FDP liegt mit 121.000 Visits noch vor den Grünen, wenn auch bei den Likes mit knapp über 100.000 am Ende des Feldes. Hier gibt NetzwerkReklame  allerdings die starke Personalisierung auf den Spitzenkandidaten Christian Lindner zu bedenken, der mit 159.000 Likes deutlich stärker abschneide als seine Partei.

Eine interessantes Bild zeigt sich auch bei den mobilen Ladezeiten. Hier fallen vor allem die Grünen deutlich ab. Das Google Prüfsystem TestMySite ermittelt hier eine mobile Ladezeit von inakzeptablen 15 Sekunden. Zum Vergleich: Die FDP erreicht hier einen Spitzenwert von 3 Sekunden, gefolgt von der CSU (4 Sekunden), SPD und Piraten (jeweils 5 Sekunden), Die Linke (6 Sekunden) und der CDU (9 Sekunden). Nur bei der AfD ist die Performance mit 14 Sekunden ähnlich schlecht. 

Aus Sicht von NetzwerkReklame zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die kleineren Parteien die Möglichkeiten der direkten Kommunikation mit dem Wähler mit viel größerem Erfolg nutzen als die etablierten Parteien. CDU und SPD hätten "selbst nach dem überraschenden Wahlerfolg von Donald Trump in den USA das Potential der Onlinekommunikation immer noch nicht erkannt". mas

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