Wahlkampagnen Kornberger & Partner spricht von Ideenklau

Donnerstag, 22. August 2013
Seit über zehn Jahren in der politischen Kommunikation aktiv: Agenturchef Frank Kornberger
Seit über zehn Jahren in der politischen Kommunikation aktiv: Agenturchef Frank Kornberger

Im Web hat die Berliner Kommunikationsagentur Kornberger und Partner das Blog Wahlplag.de gestartet. Die Berater sehen im Wahlkampf der Linken, Grünen und SPD Ähnlichkeiten zu nicht umgesetzten Konzeptionen, welche die Agentur bei verschiedenen Pitches zwischen 2011 und 2012 bei IG-Metall, DGB-Jugend und SPD-Bundestagsfraktion präsentiert hat. Auf Anfrage von HORIZONT hat bislang nur die SPD reagiert. Der Parteivorstand habe den Entwurf der Agentur nicht gekannt, teilen die Sozialdemokraten in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Man sei aber bereit, sich die Einwendungen der Agentur anzuhören. Allerdings weist die SPD auch darauf hin, dass "die Marke „Das WIR entscheidet" beim Patent- und Markenamt für den SPD- Parteivorstand eingetragen ist." HORIZONT.NET hat mit Agenturchef Frank Kornberger über seine Motive gesprochen, sich gleich mit drei Parteien anzulegen.



Hallo Herr Kornberger, eigentlich müssten Sie doch stocksauer sein. Stattdessen sind Sie bester Laune. Warum sollte es anders sein?

Sie launchen gerade das Blog Wahlplag, weil Sie glauben, dass die Grünen, die SPD und die Linken für den Wahlkampf ungefragt ihre Ideen übernommen haben. Das ist richtig. Aber ich freue mich wirklich, dass drei Ideen von uns jetzt im Wahlkampf umgesetzt werden, obwohl wir gar nicht zum Zuge gekommen sind. Unsere Konzepte waren so gut, die wollten einfach in die Welt.

Na, wenn Sie sich darüber freuen, wieso dann diese Plattform? Wir wollen die Menschen und unsere Branche an unserem Erstaunen teilhaben lassen. Und wir wollen auch eine Debatte über den Umgang der Parteien mit dem Urheberrecht anstoßen. Das geht ja weit über den aktuellen Wahlkampf hinaus.

Also ärgern Sie sich doch. Nein. Aber wenn Sie eine Kampagne sehen, die auf Ihren Ideen beruht, denken Sie vielleicht noch: Was für ein Zufall? Schön. Bei drei Fällen glauben Sie das allerdings nicht mehr. Wir sehen bei den Grünen, den Linken und der SPD sehr große Ähnlichkeit zu verschiedenen Konzepten von uns, die wir bei Gewerkschaftsorganisationen und der SPD-Bundestagsfraktion präsentiert haben. Deswegen haben wir ja dazu aufgerufen, die Unterschiede zu finden. Und wir sind gespannt, welche Kampagnen von anderen Agenturen noch so auftauchen.


Vielleicht wollen Sie auch einfach nur einen langweiligen Wahlkampf aufmischen. Dass der Wahlkampf nicht spannend ist, liegt nicht an uns. Es ist erschreckend, wie strategisch schwach die Parteien agieren. Wir hätten Konzepte, die das ändern würden. Und die Plagiate zeigen auch, dass unsere Ideen nicht bis ins letzte Detail verstanden worden sind. Aber das ist so, wenn man nur abschreibt.

Oder wollen Sie nur PR in eigener Sache betreiben? Glauben Sie mir, das haben wir nicht nötig. Wir arbeiten seit über zehn Jahren im Umfeld der politischen Kommunikation, vor allem für die Gewerkschaften. Wir gewinnen 60 bis 70 Prozent unserer Pitches. Wir haben mit unseren Kampagnen dazu beigetragen, dass fünf Gewerkschaften heute wieder bei den Mitgliederzahlen wachsen. Davon können die Parteien nur träumen. Uns geht es darum, aufmerksam zu machen, wie Ideen einfach aufgegriffen werden, ohne mit den Urhebern vorher nochmals zu reden. Wir wollen wachrütteln.

Haben Sie mittlerweile mit den Parteien gesprochen? Nein. Ich finde, der Ball liegt bei denen.

Haben Sie eine Vermutung, wie die Ideen dorthin gelangt sind? Wir arbeiten seit über zehn Jahren für die Gewerkschaften. Ich habe da absolutes Vertrauen. Bei der SPD-Bundestagsfraktion waren wir Anfang 2012 in einem Pitch mit fünf anderen Agenturen. Wir kamen nicht zum Zug, haben aber bei den Sozialdemokraten scheinbar mit unserem Organizing-Ansatz doch jemanden begeistert. Das freut mich. Ehrlich.

Beispiel 1

Kornberger & Partner-Entwurf für die IG Metall, Dezember 2011 (nicht umgesetzt)

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Wahlplakat der Grünen, 2013

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Weitere Beispiele gibt es auf den folgenden Seiten

Beispiel 2

Kornberger & Partner, Entwurf für die DGB Jugend, Juli 2012 (nicht umgesetzt)

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Red Men auf dem Bundesparteitag der Linken in Dresden, Juni 2013

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Beispiel 3

Kornberger & Partner, Entwurf für SPD-Bundestagsfraktion, Februar 2012 (nicht umgesetzt)

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Wahlplakat der SPD, Bundestagswahlkampf 2013

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