"Vong", "I bims" und "1 Life" Mehrheit der Deutschen ist von Jugendsprache in der Werbung genervt

Freitag, 17. November 2017
Ein Social-Media-Motiv der Sparkasse aus dem Herbst 2016
Ein Social-Media-Motiv der Sparkasse aus dem Herbst 2016
© Sparkasse

"Vong", "I bims", "1 Life" - absurde Formulierungen wie diese prägen seit einiger Zeit die Jugend- und vor allem die Internetsprache. Und zwar so sehr, dass auch mancher Werbungtreibender die Begrifflichkeiten bereits aufnahm und in seine (Social-Media-)Kommunikation integrierte. Unternehmen sollten damit aber sehr behutsam umgehen, warnen die Markt- und Meinungsforscher von Yougov: Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Mehrheit der Befragten von dieser Sprache vor allem genervt ist.
Dass es sich um mehr als um einen Nischenhype handelt, belegen die Yougov-Zahlen ebenfalls: 51 Prozent aller Deutschen haben den Trend bereits wahrgenommen, bei unter 25-Jährigen sind es sogar 81 Prozent. Jeder fünfte Deutsche hat diese Art der Kommunikation sogar schon einmal selbst verwendet (48 Prozent der unter 25-Jährigen). Gleichzeitig geben aber 59 Prozent der Kenner dieser Sprache an, dass sie davon genervt sind und ihre Verwendung in der Werbung für unangebracht halten. Und 40 Prozent verstehen den Sinn und Zweck des Jargons nicht.
Vodafone Vong
© Cihan Sügür via Twitter

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Dennoch ist die "Vong"-Sprache bereits bei einigen Werbungtreibenden angekommen, etwa bei der SparkasseVodafone oder Burger King. Teilweise mit Erfolg: Laut Yougov haben sich 10 Prozent der Befragten schon einmal über ein Unternehmen oder ein Produkt informiert, weil ihnen ein Text mit verwendeter Jugendsprache gefallen hat. "Doch beim Verwenden der Internetsprache ist Vorsicht geboten. Sie sollte stets mit Bedacht der eigentlichen Zielgruppe gewählt werden", sagt Markus Braun, Head of Business Unit Reports bei Yougov. Der krampfhafte Versuch, so besonders jugendlich zu wirken, komme insbesondere bei Jüngeren nicht gut an: Von den 18- bis 24-Jährigen sind 25 Prozent der Ansicht, dass ein Unternehmen damit die Sprache der Jugend spricht. 

Die Studie

Für die Studie griff Yougov auf seine 100.000 Datenpunkte umfassende Datenbank zu, für die im Jahresverlauf 70.000 Deutsche kontinuierlich repräsentativ befragt werden. Kombiniert wurde die Analyse mit einer zusätzlichen bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 2.000 Personen (18+), die vom 20.10. bis 25.10.2017 durchgeführt wurde.
Ob die Verbraucher den Einsatz dieses Sprachjargons gutheißen, kommt der Yougov-Studie zufolge vor allem auf die Branche an. Nur ein sehr kleiner Teil der deutschen Gesamtbevölkerung findet Internetsprache in der Kommunikation von vorwiegend seriösen Branchen wie Banken (5 Prozent), Versicherungen (6 Prozent) oder öffentlichen Einrichtungen (7 Prozent) gut. Aus Sicht der Verbraucher eignet sich die Internetsprache am ehesten für die Werbung von Computerspiel- und Softwareherstellern (29 Prozent) sowie Film- und Medienunternehmen (26 Prozent). "Zentrales Kriterium ist folglich die genaue Kenntnis der eigenen Zielgruppe, zum Beispiel durch Marktsegmentierung", so Braun. Überdurchschnittlich offen für diese Art der Kommunikation sind laut Yougov etwa Kunden der Marken Audi (35 Prozent), Nike (28 Prozent), McCafé (27 Prozent), Karstadt Sports (26 Prozent) und Nivea Men (25 Prozent). fam
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