Von Expedit zu Kallax Warum Ikeas Produktwechsel so sehr berührt

Donnerstag, 20. Februar 2014
Katie Taylor ist Executive Creative Director bei Landor Associates (Bild: Agentur)
Katie Taylor ist Executive Creative Director bei Landor Associates (Bild: Agentur)


Menschen bauen zu Dingen oft genauso enge Beziehungen auf wie zu anderen Personen. Das dürfte mit ein Grund sein, warum das Ende der Regal-Linie Expedit bei Ikea für so viel Aufregung unter den Verbrauchern sorgt. Aus Markensicht ist der Kunden-Aufstand jedoch durchaus positiv zu bewerten, wie Katie Taylor, Executive Creative Director bei Landor Associates, in ihrem Gastkommentar für HORIZONT.NET ausführt:
Ikea will Expedit ersetzen (Bild: Inter IKEA Systems B.V.)
Ikea will Expedit ersetzen (Bild: Inter IKEA Systems B.V.)
"Design ist mehr als pure Optik viel mehr. Das zeigt der Fall des Ikea-Regals Expedit: Hier geht es nicht nur um formal-ästhetische oder funktionale Ansprüche, sondern vor allem um die tiefe Verankerung des Regals im Leben und Herzen des Verbrauchers. Expedit ist für viele der Träger der geliebten Plattensammlung, des Soundtracks ihres Lebens.

Aus Markensicht ist die Tatsache, dass der für Ikea ganz normale Sortimentswechsel eine derart starke Reaktion unter den Verbrauchern hervorruft, sehr positiv zu bewerten. Dieser Aufruhr der Kunden ist ein Zeichen für eine gute, vitale und aktive Beziehung. Er zeigt, dass Ikea in ihrem Leben eine große Rolle spielt: Sie lieben ihr Kultregal und kämpfen dafür. Was kann einer Marke besseres passieren?

Ikea hat nur versäumt zu erkennen, dass dieser Produktwechsel tatsächlich ein tiefer, emotionaler Einschnitt für die Kunden bedeuten kann: Wer mit Expedit verheiratet ist, soll sich nun plötzlich in Kallax verlieben? Ein Beziehungsverlust soll durch die reinen, gleichen Maßen denn ja, die Innenmaße von Kallax sind identisch mit denen von Expedit wettgemacht werden? Kaum jemand wird aufgrund von gleicher Haarfarbe, Körper- und Schuhgröße völlig problem- und emotionslos von einem Partner zum nächsten wechseln.

Ich bin gespannt, wie Ikea diesen unausweichlichen Beziehungswechsel von Expedit zu Kallax nun begleiten wird. Höchstwahrscheinlich wird es eine starke Marke wie Ikea mit Leichtigkeit und auf schwedisch charmante Art schaffen, die Beziehung wieder zu kitten. So wie in jeder guten, lebendigen Beziehung, in der man gemeinsam durch gute und schlechte Zeiten geht, wird der Verbraucher auch Kallax die Chance geben, ihn durch sein Leben zu begleiten.

Vielleicht macht diese Beziehungskrise Ikea auch um eine wertvolle Erfahrung reicher und ist eine Chance, beispielsweise eine neue Retro-Linie auf den Markt zu bringen. Eine Serie, die Wohnen, Leben und Designklassiker vereint und den wachsenden Ansprüchen der Kunden entspricht. Eine Retro-Serie in angemessener Qualität, die nicht nur den Umzug aus der Studenten-WG in die erste Wohnung mitmacht, sondern tatsächlich durchs ganze Leben begleiten kann."
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