Volkswagen VW-Konzern steht weiter vor Toyota und erzielt Vergleich im Abgasskandal

Mittwoch, 27. Juli 2016
Volkswagen leidet unter Absatzminus in den USA
Volkswagen leidet unter Absatzminus in den USA
Foto: VW

Dem Dieselskandal zum Trotz: Volkswagen verkauft im 1. Halbjahr 5,12 Millionen Fahrzeuge. Das ist ein Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit steht der 12-Marken-Konzern vor Toyota mit knapp 5 Millionen Fahrzeugen.
Es ist schon etwas Ironie dabei. Jahrelang ist Volkswagen mit dem Ziel angetreten, mehr Autos als Toyota zu verkaufen. 2018 hätte es dauerhaft soweit sein sollen. Im 1. Halbjahr 2016 hat man die Marke schon geschafft. Das wird man in den Führungsetagen zur Kenntnis nehmen, aber nicht weiter feiern. Schon vor Wochen hatte bei der Vorstellung der neuen Konzernstrategie CEO Matthias Müller das Ziel kassiert, größter Automobilhersteller der Welt zu werden. Heute geht es den Volkswagen-Vorständen darum, die Mobilität der Zukunft maßgeblich mitzugestalten. An vielen Stellen verändert sich der Konzern daher langsam. Die Halbjahreszahlen enthalten dennoch eine eine Botschaft:  "Das erfreuliche Ergebnis spiegelt das Vertrauen unserer Kunden in unsere Produkte auch in diesen herausfordernden Zeiten wider", erklärt Fred Kappler, Leiter Konzern Vertrieb. Zwar waren kurz nach dem Skandal Vertrauens- und Imagewerte eingebrochen, doch so langsam berappelt sich der weltgrößte Autobauer wieder. Das gilt vor allem für Europa. In der Region hat der Konzern 3,8 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft. In den USA hingegen verliert der Konzern wenig überraschend über sieben Prozent. Vor allem die Marke VW bricht hier ein. Das Minus liegt knapp über 14 Prozent. Hierzulande, wo VW im ersten Halbjahr mit viel Werbepower unterwegs war, hatte die Marke rund 295.000 Fahrzeuge ausgeliefert, 3,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Laut den Zahlen von Nielsen hatte VW bis Ende Juni rund 141 Millionen brutto in die Werbung investiert, eine Steigerung von rund 79 Prozent.

Trotz der Schwäche auf dem heimischen Markt: Insgesamt aber kann VW die Verkaufszahlen mit 2,3 Millionen Fahrzeugen stabil halten. Und für die Führungsmannschaften in Konzern und bei den Marken gibt es noch eine positive Nachricht. US-Bundesrichter Charles Breyer gab seine vorläufige Zustimmung zu dem Kompromiss, den der Konzern mit der US-Regierung und den Anwälten der Kunden ausgehandelt hatte. Bei dem Richter wurden Hunderte US-Zivilklagen gegen VW gebündelt. Mit knapp 15 Milliarden US-Dollar ist die Übereinkunft der teuerste Vergleich in der Automobilindustrie. Jeder US-Kunde, der einen manipulierten VW oder Audi gekauft  hat, soll eine Entschädigung erhalten, umgerechnet zwischen 4600 und 9100 Euro. Außerdem bietet der Konzern den Kunden an, die Fahrzeuge zurückzukaufen oder so zu reparieren, dass sie die vorgeschriebenen Schadstoff-Obergrenzen einhalten. Zudem wird VW 4,7 Milliarden Dollar in zwei US-Umweltfonds einzahlen. 

Die Einigung betrifft rund eine halbe Million Fahrzeuge mit Zwei-Liter-Motoren. In den kommenden 45 Tage können sich nun die Kläger entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder alleine weiterklagen. Neben dieser Unsicherheit muss Volkswagen noch das Problem mit 85.000 Dieselfahrzeugen beseitigen, die über einen Drei-Liter-Motoren verfügen. Hinzu kommen laufende Klagen von US-Behörden. Und auch daheim ist der Ärger noch nicht ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ihre Ermittlungen im Dieselskandal ausgeweitet - auf nunmehr 21 Personen. mir
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