Volkswagen Ansage an Apple und Co

Dienstag, 01. März 2016
VW-Boss Matthias Müller
VW-Boss Matthias Müller
Foto: VW

Natürlich geht es auf dem Genfer Automobilsalon um neue Modelle und Vision. Doch es geht auch um die Digitalisierung einer ganzen Branche und autonomes Fahren. Gestern abend setzt VW hier ein Ausrufezeichen.
Man hätte es ahnen können. Schon in den vergangenen Tagen hat der VW-Konzern sich zur Digitalisierung mehrfach geäußert. Nur drei Beispiele: Auf der CeBIT richtet Volkswagen gemeinsam mit SAP den Programmierwettbewerb "InnoJam++" aus. Rund 100 Studenten aus Europa, Afrika und Nahem Osten werden Software zu "Mobilität der Zukunft" und "Internet der Dinge" entwickeln. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona hatte Seat angekündigt, zusammen mit Samsung und SAP das Connected Car der Zukunft entwickeln zu wollen. Zudem berichtete die "Automobilwoche", dass die Kernmarke VW ein IT-basiertes Kundenportal aufbauen will, das als digitale Dialogzentrale zwischen Kunde, Marke und Handel dienen soll. Beim gestrigen Konzernabend in Genf machte Konzernchef Matthias Müller klar, dass dies alles Teile eines Gesamtbildes sind. Der Wolfsburger Konzern bricht in ein neues Mobilitätszeitalter auf, das digitaler sein wird und in dem autonomes Fahren eine große Bedeutung hat. Künftig werden beispielsweise Designer und Digitalisierungsexperten gemeinsam das Auto der Zukunft entwickeln. "Wir stellen unser Konzerndesign für das digitale Zeitalter auf." In Potsdam, Kalifornien und China werden deshalb drei "Volkswagen Group Future Center" geschaffen. Dort sollen Konzepte und Lösungen entstehen, die wegweisend für die gesamte Autoindustrie sind und zwar bei Kundenerlebnis, Interface-Design, Bedienlogik, Innenraumkonzepten und Info- sowie Entertainment. Es geht um neue Geschäftsfelder und Umsatzschancen. "Für den Volkswagen Konzern rückt die digitale Transformation ganz nach oben auf der Agenda", sagt Müller. Es ist eine Ansage an Apple, Baidu und Google.

Wie ernst er das meint, wird auch noch an anderer Stelle sichtbar. Mit Johann Jungwirth steht erstmals ein Topmanager auf der Bühne, der keine direkte Marken- und Produktverantwortung hat. Er ist seit November für die Digitalisierung des Konzerns verantwortlich. Ein IT-Manager, ein ehemaliger Apple-Mann, einer der weiß, wie die Silicon-Valley-Jungs so arbeiten und ticken. Und der den Wandel - also die digitale Transformation wie das neuerdings ja überall heißt - im Konzern voranbringen soll. "Wir werden uns zum Teil zu einem Software- und Services-Konzern entwickeln", sagt Jungwirth.

Dass die Wolfsburger im Vergleich zu anderen erst spät auf die Straße einbiegen, stört ihn nicht. Der große Vorteil für Volkswagen liege mit Blick auf die Mobilität der Zukunft darin, dass "wir die Hardware - sprich den Autobau - bereits perfekt beherrschen." Deshalb ist er überzeugt, dass VW in fünf Jahren Autos produziert, die autonom fahren werden. Liefern also, worüber andere seit Monaten reden. Das ist mutig. "Ich bin überzeugt, dass wir 2025 zum führenden Mobilitätsanbieter avancieren werden", sagt Jungwirth. Ab heute läuft die Uhr. mir
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