"Vögelurlaub" auf Borkum Was hinter der frechen Tourismus-Kampagne aus Ostfriesland steckt

Freitag, 17. Juli 2015
Die freche Anzeige verbreitet sich derzeit rasant via Social Media
Die freche Anzeige verbreitet sich derzeit rasant via Social Media
Foto: Wirtschaftsbetriebe Stadt Borkum

"Vögelurlaub macht man auf Borkum": So lautet die Headline einer Anzeige der Insel Borkum, die derzeit im Netz die Runde macht. Die Idee dazu hatte Ina Engelleitner, die bei den Wirtschaftsbetrieben auf Borkum für Marketing und PR zuständig ist. HORIZONT Online hat mit ihr über die Kampagne gesprochen.
Eines ist sicher: Mit der Anzeige ist Engelleitner und der Berliner Agentur Burkana ein echter Eyecatcher gelungen. Denn das Wort "Vögelurlaub" fällt einem sofort ins Auge - auch, weil es extra mit einer Weißfläche unterlegt ist. Dass mit der Kampagne eigentlich "nur" für die Borkumer Zugvogeltage im Oktober geworben werden soll, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Die Anzeige verfehlte ihre Wirkung nicht: Auf Facebook sorgte etwa ein Post von "Schlecky Silberstein" für enorme Reichweiten, auch HORIZONT Online wollte die freche Anzeige der Community nicht vorenthalten. Die Lokalmedien "Wilhemshavener Zeitung" und "Neue Osnabrücker Zeitung" berichteten über die Kampagne - und die teilweise verwirrten Reaktionen darauf. Auf der Facebook-Seite von Borkum.de etwa gibt es neben viel Lob auch Kommentare wie "Peinlich" oder "Das ist doch nicht ernst gemeint?!".

Ernst gemeint ist die Kampagne durchaus, sagt Engelleitner. So ernst, dass das Motiv vor einigen Tagen sogar als Anzeige in der "Bild" in Hamburg geschaltet wurde. Heute ist es auch in der Frankfurt-Ausgabe der Boulevardzeitung zu bewundern. Eines sei die Anzeige laut Engelleitner aber sicher nicht: Provokant oder gar sexistisch. "Es handelt sich dabei einfach um ein Wortspiel mit einem kleinen Augenzwinkern."
Am Freitag erschien die Anzeige in der Frankfurt-Ausgabe der "Bild"
Am Freitag erschien die Anzeige in der Frankfurt-Ausgabe der "Bild" (Bild: HORIZONT)
Gleichwohl gibt die Borkumer Marketingverantwortliche zu, dass man vor der Veröffentlichung durchaus mit sich gerungen habe. Immerhin bedient Borkum traditionell eine eher etwas ältere, konservative Zielgruppe. Und auch das Inselvolk selbst sei ob der Kampagne durchaus zwiegespalten, erzählt Engelleitner. Für sie ist jedoch wichtig, das Image der Insel aufzufrischen ihren ostfriesischen Charme auch jüngeren Menschen nahe zu bringen: "Wir haben die Aufgabe, neue Zielgruppen zu gewinnen und deutlich zu machen, dass wir eine junge, trendige Insel sind", so Engelleitner, die seit gut einem Jahr für das Inselmarketing verantwortlich ist.

Bislang geht der Plan auf: Die virale Verbreitung der Anzeige via Social Media ist enorm. Allein mit ihrem eigenen Facebook-Post haben die Borkumer Stadtmarketer 130.000 Menschen erreicht, über 500 Shares stehen bislang zubuche. Auch in der Branche sei die Werbung gut aufgenommen worden: Der Marketingleiter von Alltours habe die Anzeige gelobt, von Jung von Matt aus Wien sei die Rückmeldung gekommen: "Hätte von uns sein können", wie Engelleitner stolz berichtet. "Wir haben erreicht, was wir wollten: Die Anzeige wird wahrgenommen und die Menschen reden darüber", freut sie sich. Das Momentum will die gelernte Radiojournalistin nun weiter ausnutzen: Geplant sei etwa, den wichtigen Markt in Hamburg mit City Cards zu bedienen.
„Wir haben die Aufgabe, neue Zielgruppen zu gewinnen und deutlich zu machen, dass wir eine junge, trendige Insel sind.“
Ina Engelleitner
Den mit der "Vögelurlaub"-Anzeige eingeschlagenen Weg wollen die Borkumer auch in Zukunft beibehalten. Ob es dabei jedes Mal derart "schlüpfrig" zugeht, wird sich zeigen. Eines ist Engelleitner allerdings bewusst: Planbar ist solch ein Viralerfolg nicht. Insofern dürfte es schwer werden, ihn zu wiederholen. "Free Willy 2 war auch nix", flachst die Marketingverantwortliche. Richtig, aber an den ersten Teil erinnern sich auch heute noch genug Menschen. ire

Die Anzeige in ihrer vollen Pracht:

Die freche Anzeige verbreitet sich derzeit rasant via Social Media
Die freche Anzeige verbreitet sich derzeit rasant via Social Media (Bild: Wirtschaftsbetriebe der Stadt NSHB Borkum)
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