"Vernunft. Verantwortung. Döner" Lieferheld kapert den Hamburger Bürgerschafts-Wahlkampf

Mittwoch, 04. Februar 2015
Dieser Wahlbotschaft können sicher viele Hamburger nur zustimmen
Dieser Wahlbotschaft können sicher viele Hamburger nur zustimmen
Foto: Lieferheld

Am 15. Februar sind die Bewohner Hamburgs dazu aufgerufen, eine neue Bürgerschaft zu wählen. Jüngsten Umfragen zufolge wird die SPD unter dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz ihre absolute Mehrheit wohl abgeben müssen - dennoch werden für die Sozialdemokraten mehr als 40 Prozent der Stimmen prognostiziert. Ein spannender Wahlkampf sieht anders aus. Der Essens-Lieferdienst Lieferheld will nun mit einer provokanten Plakatkampagne ein wenig Pepp in die Sache bringen.
Die insgesamt vier Motive, die ab dieser Woche in Hamburg zu sehen sind, dürften für einiges Stirnrunzeln bei den Bewohnern der Hansestadt sorgen. So fordert ein Politiker der "Christlichen Döner Union" auf einem der Motive "Vernunft. Verantwortung. Döner". Auf einem weiteren Motiv der tritt genau der gleiche Mann im Namen der "Sozialdemokratischen Pizzerien Deutschlands" für "mehr orale Gerechtigkeit" ein. Komplettiert wird die Serie durch Werbeplakate der "Pizzaten-Partei" und der "Alternative für Dosensuppen". Auf den ersten Blick wirken die Motive wie tätsächliche Wahlplakate - zumal das Döner-Motiv sogar die Botschaft "CDU wählen" beinhaltet, auch wenn damit die fiktive Döner-Union gemeint ist.
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    (Bild: Lieferheld)
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    (Bild: Lieferheld)
Des Rätsels Lösung: Mit den Motiven mischt Lieferheld nicht nur den Hamburger Wahlkampf auf, sondern macht in erster Linie Werbung in eigener Sache: Sämtliche auf den Plakaten abgebildeten Webadressen leiten auf die Microsite wahl-held.de aus, wo die Besucher nicht nur die Kampagne noch einmal bewundern, sondern auch gleich ihr Essen bestellen können.

FDP Hamburg
Bild: FDP Hamburg

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Die Idee zu der Kampagne sei spontan entstanden, so ein Lieferheld-Sprecher auf Nachfrage von HORIZONT Online. Man habe den - trotz des kryptischen Wahlplakats der FDP - etwas langweiligen Hamburger Bürgerschaftswahlkampf ein wenig auffrischen wollen. Die Motive werden gleichmäßig im Hamburger Stadtgebiet verteilt, den Platz dafür bieten die Werbeplätze von Ströer. Zudem läuft derzeit die Verbreitung über Social-Media-Kanäle an, wo die Kampagne virale Verbreitung finden soll. Entstanden ist die Kampagne komplett inhouse - das schließt das Testimonial mit ein: Bei dem Einheits-Werbegesicht handelt es sich um Lieferheld-CFO Emmanuel Thomassin.

Bleibt die Frage, wie die Parteien reagieren, die auf den Plakaten unverkennbar auf die Schippe genommen werden. Ganz unheikel sind die Motive nicht, immerhin hat sich Lieferheld ziemlich ungeniert am Corporate Design von CDU, SPD und Co. bedient. In der Tat bewege man sich hier in einer Grauzone, so der Lieferheld-Sprecher. "Aber wir setzen auf den Humor der Parteien." Im Falle der Piraten scheint das schonmal funktioniert zu haben: "Clever gemacht", heißt es auf dem offiziellen Twitter-Account der Partei:

ire
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