VW-Konzern Volkswagen will wieder mehr sein als Dieselgate

Donnerstag, 28. April 2016
Volkswagen will das unrühmliche "Dieselgate" endlich hinter sich lassen
Volkswagen will das unrühmliche "Dieselgate" endlich hinter sich lassen
Foto: Volkswagen
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Nach vorne schauen. Diese Formulierung fällt in diesen Tagen häufig im Volkswagenkonzern. Heute präsentierte CEO Matthias Müller die Bilanz für 2015 und gab einen Ausblick in die Zukunft. VW wiill die Mobilität von morgen mitgestalten.
Die ersten 4 Monate des Jahres sind rum. Volkswagen steht an der Spitze der Autobauer beim Absatz. Im Sommer vergangenen Jahres hätten dafür noch die Sektkorken geknallt. Heute nimmt man das bei Volkswagen eher beiläufig zur Kenntnis. Heute geht es noch um die Bewältigung des Dieselskandals und um die Ausrichtung für die Zukunft.  Wichtige Zahlen sind ohnehin schon seit vergangenen Freitag bekannt. 2015 hat der Konzern rund 10 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert, ein Minus von 2 Prozent. Aufgrund des Dieselskandals verkündet der Konzern gleichzeitig den höchsten Verlust in seiner Unternehmensgeschichte, rund 1,6 Milliarden Euro - das ist der bislang höchste Fehlbetrag der gesamten Unternehmensgeschichte. Die Ursache dafür sind die hohen Rückstellungen, die der Konzern für juristische Auseinandersetzungen und Instandsetzung der betroffenen Fahrzeuge gebildet hat - 16,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2014 lag der Gewinn noch bei fast 11 Milliarden Euro.

„Wir wollen das Elektroauto zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen machen.“
Matthias Müller
Zwar will der Konzern in diesem Jahr beim Absatz wieder 10 Millionen Einheiten verkaufen und wieder einen Gewinn wirtschaften. Trotzdem geht es in vielen Aussagen um die Zeit danach. Die Weichen dafür werden jetzt schon gestellt. "2016 wird für Volkswagen ein Jahr des Übergangs sein", sagt Matthias Müller, Vorstandsvorsitzende des Wolfsburger Autokonzerns. In ein paar Wochen will er die Strategie für die kommende Dekade vorstellen. Vor allem die Digiatlisierung, neue Mobilitätsleistungen und die E-Mobilität werden darin eine entscheidende Rolle spielen, aber auch mehr Freiheit für die einzelnen Marken, mehr Unternehmertum. Das überrascht nicht unbedingt, zeigt aber, dass der Konzern derzeit an vielen Baustellen arbeitet. VW will mehr sein als Krise und Dieselgate. Bis 2020 will der Konzern über 20 zusätzliche E-Modelle auf den Markt bringen. "Wir wollen das Elektroauto zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen machen", kündigt Müller an.

Gleichzeitig will er in neue Partnerschaften investieren und die Digitalisierung vorantreiben. Im Konzern enstehen in Potsdam, Peking und Belomt  drei "Volkswagen Group Future Center." In Deutschland hat die Arbeit schon begonnen. Hier arbeiten Designer und Digitalexperten gemeinesam am Auto der Zukunft. Noch offener geht es im Digital:Lab in Berlin zu, wo VW mit dem US-Softwareunternehmen Pivotal zusammenrbeitet. Gemeinsam entwickeln IT-Experten von VW und dem US-Unternehmen Software- und Mobilitätslösungen für vernetzte Kunden. Zudem hat die Marke Volkswagen mit der Singularity University eine Partnerschaft geschlossen. VW will sich hier mit Forschern, Gründern und Erfindern enger vernetzen.

Die alte Denke "Wir können alles" will Müller weit hinter sich lassen. "Für stolze technologiegetriebene Unternehmen wie unseres ist die Erkenntnis noch recht ungewohnt, dass man nicht alles selbst entwickeln kann." Trotzdem gibt es für Müller wohl auch Grenzen bei der Wahl der Partner. "Mit Apple und Google reden wir derzeit nicht", sagte er. Gleichwohl weiß er auch, dass das alles nichts hilft, wenn Volkswagen den Dieselskandal nicht weit hinter sich lässt. Müller entschuldigte sich erneut. "Mit den Software-Manipulationen bei Dieselmotoren wurden bei Volkswagen Regeln gebrochen und ethische Grenzen überschritten. Das schmerzt uns - und das tut uns aufrichtig leid." Gleichwohl werde sich VW seiner Verantwortung stellen. Beim Rückruf, der ins Stocken geraten ist, sollen ab kommender Woche betroffene Modelle des VW Golf in die Werkstätten rollen. Beim Passat arbeite man mit Hochdruck an einer endgültigen Lösung.

Müller weiß, dass alles andere nicht viel nützen würde: "Unsere wichtigste Währung ist Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in unsere Produkte und in Volkswagen als Ganzes", sagt er. Und weiter: "Dieses Vertrauen zurückzugewinnen ist die zentrale Aufgabe der kommenden Monate. Alles andere ist vorerst zweitrangig." Das gilt auch für den Platz 1 im Ranking der größten Automobilhersteller. mir
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