Unfall im DFB-Trainingslager Wann Sponsoren besser mal draußen bleiben sollten

Mittwoch, 28. Mai 2014
Beziehen Stellung zum Unfall: Jens Grittner (l.) und Oliver Bierhoff (c) DFB
Beziehen Stellung zum Unfall: Jens Grittner (l.) und Oliver Bierhoff (c) DFB

Um eines vorweg zu nehmen: Das, was sich am Dienstag beim WM-Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol ereignete, war in erster Linie ein tragischer Unfall. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob dieser Unfall mit zwei Verletzten, an dem neben Formel-1-Fahrer Nico Rosberg und DTM-Pilot Pascal Wehrlein auch die Nationalspieler Benedikt Höwedes und Julian Draxler beteiligt waren, hätte verhindert werden können. Und ob "Produktpräsentationen" von Sponsoren in einem solchen Umfeld überhaupt sinnvoll sind. Ein Kommentar von HORIZONT.NET-Ressortleiter Marco Saal. Für Mercedes-Benz sind Unfälle mit Nationalspielerbeteiligung kein Neuland. Vor rund einem Jahr erst verletzte sich der Torhüter von Eintracht Frankfurt, Kevin Trapp, bei einem Mercedes-Werbedreh mit der U21-Nationalelf so schwer, dass er mehrere Monate ausfiel. Das war einfach Pech - und wohl kaum zu verhindern. Denn dass Nationalspieler in den Werbespots der DFB-Partner auftauchen, das ist das gute Recht der Sponsoren - und das stellt auch niemand in Frage.

Diesmal liegen die Dinge aber anders. Zwar gehören Produktpräsentationen genauso zum Geschäft wie Werbedrehs. Man darf aber schon mal die Frage stellen, ob solche Präsentationen immer und überall stattffinden müssen - oder ob es in Extremsituationen auch mal Sponsoren-freie Zonen geben muss. Bei einem WM-Trainingslager wäre dies mehr als angemessen. Der DFB hätten ahnen können, dass sich die Fans im Vorfeld eines Mega-Events wie der Fußball-WM von Absperrbändern nicht abhalten lassen - und dass eine Spritztour mit Rennfahrern in einem solchen Umfeld riskant sein könnte.

Jetzt gibt es nicht nur zwei Verletzte, sondern auch viele Verlierer: Ein Generalsponsor, der mehr oder weniger schuldlos in die Schlagzeilen gerät. Zwei Rennfahrer, die ganz sicher von Schuldgefühlen geplagt werden. Und zwei Nationalspieler, die wahrscheinlich den Schock ihres Lebens erlitten haben. Natürlich hat Team-Manager Oliver Bierhoff Recht, wenn er sagt, dass bei Teamaktivitäten außerhalb des Fußballplatzes "immer ein kleines Restrisiko" besteht und selbst Fahrradfahren für die Nationalspieler gefährlich sein kann. Doch diese Teamaktivitäten sind - wie der Name schon sagt - in erster Linie dazu da, den Teamgeist zu fördern und die Spieler für die WM zusammenzuschweißen. Dass eine Spritztour zweier Spieler in einem Mercedes demselben Zweck dient, darf doch stark bezweifelt werden. Der DFB wäre gut beraten, die Aktivitäten der Sponsoren in solchen Ausnahmesituationen künftig einzuschränken. Zum Wohle der Spieler, der Fans - und der Sponsoren. mas
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