Umfrage von Ketchum Pleon Das halten die Deutschen vom Hoeneß-Urteil

Mittwoch, 19. März 2014
Die meisten der Befragten halten das Strafmaß für angemessen (Grafik: Ketchum Pleon)
Die meisten der Befragten halten das Strafmaß für angemessen (Grafik: Ketchum Pleon)


3 Jahre und 6 Monate Haft für Uli Hoeneß: Ist dieses Urteil gerecht, oder hätte der mittlerweile zurückgetretene Ex-Präsident von Bayern München eine härtere Strafe verdient gehabt? Und was bedeutet Hoeneß' Verurteilung für das Image des Vereins und von dessen Sponsoren? Diesen Fragen haben sich die Kommunikationsberatung Ketchum Pleon und das Marktforschungsinstitut Yougov in einer repräsentativen Umfrage unter 1.043 Bundesbürgern gewidmet.
Sponsoren schadet die Causa Hoeneß nach Meinung der Befragten mehr als dem Verein Bayern München
Sponsoren schadet die Causa Hoeneß nach Meinung der Befragten mehr als dem Verein Bayern München
Hinsichtlich der Freiheitsstrafe für Hoeneß haben die Befragten eine recht eindeutige Meinung: 82 Prozent halten die Verurteilung für richtig, 42 Prozent finden das Strafmaß angemessen. Nur 14 Prozent hätten für eine mildere Strafe plädiert, wohingegen immerhin vier von zehn Bundesbürgern sich eine härtere Bestrafung für Hoeneß gewünscht hätten. Bezüglich des FC Bayern München und seiner Sponsoren zeigen sich die Deutschen wenig nachtragend: Mehr als sieben von zehn Befragten machen keinen oder nur einen kurzfristigen Image-Schaden für den Verein und die ihn sponsernden Unternehmen aus.

Allerdings haftet an den Sponsoren durch den Fall Hoeneß ein größerer Schaden als am deutschen Rekordmeister: 13 Prozent sehen für letzteren einen sehr großen Imageschaden, 16 Prozent geben dies in Hinblick auf die Sponsoren an. "Während die Causa an der starken Marke Bayern München abperlt und mit jedem sportlichen Erfolg weiter verdrängt wird, droht bei den Sponsoren zumindest ein Makel in Compliance-Fragen haften zu bleiben", sagt Dirk Popp, CEO und Krisenexperte von Ketchum Pleon. "Insgesamt hat Uli Hoeneß jedoch durch die schnelle Annahme der Verurteilung und den Rücktritt als Präsident den Image Schaden für den Verein und die Sponsoren wirksam begrenzt."

Ketchum Pleon-Chef Dirk Popp (Bild: Agentur)
Ketchum Pleon-Chef Dirk Popp (Bild: Agentur)
Ein großes Thema war zuletzt auch die Art und Weise, wie die Medien über die Verurteilung von Uli Hoeneß berichtet hatten. Spiegel Online und Sueddeutsche Online hatten in längeren Stücken die Häme und Missgunst beklagt, mit der der Verurteilte von einigen Medien anschließend bedacht worden war. Für die Dauer des gut einwöchigen Prozesses galt dies offenbar nicht: "Fast acht von zehn Deutschen haben den Prozess kontinuierlich und intensiv beobachtet. Dabei stellen sie den Medien überwiegend gute Noten aus: Lediglich rund acht Prozent bemängeln, dass die Medien vorverurteilend berichtet hätten", so Popp. Die Bewohner von Bayern sehen dies etwas anders: 11 Prozent sehen ein Vorverurteilung von Hoeneß durch die Medien, 40 Prozent kritisieren die zu ausführliche Berichterstattung (Bundesschnitt: 32 Prozent).

In der Studie wurde ebenfalls die Haltung der Bundesbürger zur Vorbildfunktion bekannter Persönlichkeiten abgefragt. Das Ergebnis: Mehr als vier von zehn Befragten sehen in Prominenten keine Vorbilder. Schlechte Werte gab es vor allem für Politiker (8 Prozent), Stars aus Film, Fernsehen und anderen Bereichen (11 Prozent) sowie Sportler (13 Prozent). "Offensichtlich haben die Deutschen das Vertrauen in Prominente verloren", so Popps Einschätzung. Grund dafür gab es mit den Prozessen gegen Hoeneß und Ex-Bundespräsident Christian Wulff sowie dem Steuer-Skandal von Alice Scharzer zuletzt zuhauf. ire
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