Umfrage So stellen sich junge Marketingmanager die Mobilität der Zukunft vor

Montag, 21. September 2015
Im Sommer rollen diese selbstfahrenden Google-Fahrzeuge erstmals durch öffentliche Straßen im Silicon Valley.
Im Sommer rollen diese selbstfahrenden Google-Fahrzeuge erstmals durch öffentliche Straßen im Silicon Valley.
Foto: Google
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Carsharing Mobilität ICE


Auto, Bahn, Bus, E-Bike, Carsharing oder zu Fuß – es gibt viele Möglichkeiten an den Arbeitsplatz zu gelangen. Doch wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Fahren wir alle in geräuschlosen, klimafreundlichen Wasserstoffautos durch die Gegend oder müssen wir nicht einmal einen Finger krümmen, um von A nach B zu kommen, Stichwort autonomes Fahren? HORIZONT Online hat junge Marketingmanager gefragt, wie sie Tag für Tag zur Arbeit kommen und wie sie sich die Mobilität der Zukunft im Jahr 2025 ausmalen.

Hendric J.R. Mostert, Produktmanagement & Marketing Mercedes-Benz

Hendric J.R. Mostert, Produktmanagement & Marketing Mercedes-Benz
Hendric J.R. Mostert, Produktmanagement & Marketing Mercedes-Benz (Bild: Mostert)
Ich arbeite bei einem Automobilhersteller mit Stern und trotzdem besitze ich kein Auto. Zur Arbeit geht es mit den Öffentlichen. Das spart Geld und in der Staumetropole Stuttgart auch Zeit. Die Zeit in der Bahn kann ich nutzen, um Nachrichten zu lesen oder auch mal abzuschalten. Nervig wird es aber dann, wenn man länger als zehn Minuten auf den nächsten Bus oder die nächste Bahn warten muss. Da habe ich schon oft die Öffentlichen verflucht und mir ein Auto herbeigewünscht. Wenn ich Einkäufe transportieren oder unabhängig von Fahrplänen sein möchte, nutze ich das Carsharing- Angebot von Car2go. Der Weg zur Arbeit im Jahr 2025 soll schnell und entspannt erfolgen. Da ist es mir egal, ob ich in einer Bahn sitze, selbst das Steuer lenke oder gar meinen eigenen Chauffeur habe. Ideal wäre es, wenn ich aus einem Portfolio auswählen könnte – je nach Lust, Laune und Anforderung.

Eva Kleinschmitt, Marketing Manager bei Walter Fries

Eva Kleinschmitt, Marketing Manager bei Walter Fries
Eva Kleinschmitt, Marketing Manager bei Walter Fries (Bild: Kleinschmitt)
Ich bin eine Person, die gerne unabhängig reist. Am liebsten mit dem Auto, jedoch auch gerne bei guten Zugverbindungen mit dem ICE, vorausgesetzt, er ist pünktlich. Ich arbeite in Aschaffenburg und lege meinen täglichen Arbeitsweg von 11 Kilometern einfach mit meinem Kleinwagen zurück. Sehr selten staut sich der Verkehr auf der Landstraße und ich bin meistens nach etwa 15 Minuten bei meinen Kollegen im Büro. Auch die Parkplatzsuche in der Innenstadt bereitet mir keine schlechte Laune. Direkt neben dem Bürogebäude in einem Parkhaus werden Parkplätze von unserer Geschäftsführung gestellt. Das ist wunderbar, nicht nur der kurze Fußweg zum Büro, auch im Winter das Auto nicht aus Schneemassen befreien oder die Scheiben kratzen zu
müssen.

Meine Vision von der Mobilität im Jahr 2025 lautet „nachhaltiges und stressfreies Reisen“. Dafür benötigen wir ein freies WLAN-Netz weltweit. Dadurch können wir via Handy jederzeit flugtaugliche Einzelkabinen anfordern. Wir geben nur den Wunschort an, den Rest übernimmt die von der Verkehrszentrale programmierte Einzelkabine selbst. Wir reisen dann nur noch mit den geräuschlosen elektrobetriebenen Einzelkabinen. Bei einem Mehrpersonentransport können die Kabinen sogar aneinanderandocken. Autos Bahn und Bus gehören dann der Vergangenheit an, ebenso Verkehrslärm, Abgase und Stress.

Anna Kreilinger, Senior Art Director bei Synektar

Anna Kreilinger, Senior Art Director bei Synektar
Anna Kreilinger, Senior Art Director bei Synektar (Bild: Kreilinger)
Meine Agentur liegt mitten in München am Goetheplatz, weshalb ich die öffentlichen Verkehrsmittel bevorzuge.Gerne fahre ich mit der U-Bahn zur Arbeit und habe dabei Zeit, ein Buch zu lesen und abzuschalten. Jedoch ist es nicht leicht, wenn man bereits in der Früh in viele mürrische Gesichter sieht oder rücksichtslos angerempelt wird – dann wünschte ich mir, lieber in einem Auto ganz allein zu sitzen. Mein Arbeitsweg im Jahr 2025 ist vielleicht gar nicht mehr weit. Sind wir nicht alle dann so vernetzt, dass Homeoffice zum Alltag wird? Um kreativ arbeiten zu können, wünsche ich mir einen flexiblen Arbeitsplatz, der auch einmal in freier Natur oder in einem Café ums Eck sein kann. Dann würde ich meinen Laptop einpacken und mit dem Fahrrad durch München fahren. Und wenn ich weiterspinne, stelle ich mir einen beweglichen, offenen Arbeitsplatz vor, der in einer festen Route durch München kreist, direkt bei mir vorbeifährt und von dem aus ich viele neue Eindrücke sammeln kann. 

Tobias Innig, Leiter Marketing/ Vertrieb Europäisches Bildungszentrum

 
Tobias Innig, Leiter Marketing/ Vertrieb Europäisches Bildungszentrum
Tobias Innig, Leiter Marketing/ Vertrieb Europäisches Bildungszentrum (Bild: Innig)
In Großstädten müssen nach und nach die Autos verbannt werden. Auch wenn die Automobilindustrie aktuell wenig Anreize findet, alternative und ökologisch sowie ökonomisch sinnvolle Alternativen für die breite Bevölkerung anzubieten, gibt es ein weiteres Problem: Autokolonnen! Wohin mit all den Fahrzeugen in den Schwarmstädten der Zukunft, egal ob der Antrieb ökologisch sinnvoll ist oder nicht? Ich denke, dass hier neue Beförderungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Vielleicht ist dies auch erst in 100 Jahren der Fall, aber ich stelle mir U- und S-Bahnen vor, die auf verschiedenen Ebenen – vom Untergrund bis in die 20. Etage – parallel unterwegs sind und so eine ganzflächige und ganzheitliche Mobilitätsversorgung anbieten. Diese Bahnen fahren in einer Geschwindigkeit, die es erlaubt, an den Haltestellen „aufzuspringen“. Dadurch, dass man überall hinkommt und überall auf- und abspringen kann – wie auf einem Laufband – sind die Zeitersparnisse trotz der geringen Geschwindigkeit dennoch vorhanden.

Die Dreiklassengesellschaft wird es allerdings den „reichen“ Mitbürgerinnen und bürgern ermöglichen, mit „Flugautos“ noch schneller und individueller ans Ziel zu kommen. An diesen „Flugautos“ wird ja nun auch schon seit Jahren geforscht mit aktuell noch mäßigem Erfolg. Anhand der Höhe der eigenen Wohnung innerhalb einer Stadt erkennt man dann zugleich die gesellschaftliche Stellung. Die Unterschicht fährt weiterhin auf den alten Straßen mit ihren Autos und wohnt auch in dieser Ebene bis hinunter in den Untergrund. Die Mittelschicht fährt über die Laufbänder und wohnt in der mittleren Ebene. Der Himmel über den Städten muss freigehalten werden für die Wohnungen und Flugautos der Reichen. Sicherlich habe ich vielleicht den einen oder anderen Science- Fiction-Film zu viel gesehen und diese Vision ist nicht in zehn Jahren erreichbar, aber ich bin davon überzeugt, dass dies in den nächsten 50 bis 100 Jahren kommen wird.

Daniela Müller, Bereich Marketing bei Anwaltskanzlei Noerr

Daniela Müller, Bereich Marketing bei Anwaltskanzlei Noerr
Daniela Müller, Bereich Marketing bei Anwaltskanzlei Noerr (Bild: Müller)
Seit 2010 habe ich eine Kombination aus Bus, Fahrrad oder Auto sowie U-Bahn und Tram für mich als den besten Weg zu meinem Arbeitsplatz entdeckt. Dieser Weg kostet mich täglich etwa zwei Stunden und unterscheidet sich in der Sommer- und Winterzeit. Im Sommer fahre ich gerne mit dem Fahrrad zur nächstgelegenen U-Bahn-Haltestelle. Seit einem Jahr nehme ich die Trambahn für zwei Haltestellen, da ich hier noch einmal fünf Minuten sparen kann, wenn ich diese im Anschluss erwische. Im Winter nehme ich meist den Bus zur U-Bahn.

Bei dieser Kette an unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln stehe ich immer unter Zeitdruck und hoffe, das nächste öffentliche Verkehrsmittel zu erwischen. Im Sommer finde ich es besonders störend, wenn man auf stickige Luft und viele Menschen auf engem Raum in der U-Bahn trifft. Im Winter ist es für mich zeitlich noch schwieriger, pünktlich zur Arbeit zu gelangen. Verpasse ich den Bus, dauert es 20 Minuten, bis ich den nächsten erwische und daher wähle ich oft die schnellere Variante mit dem Auto. Hier ist allerdings eine ganz andere Zeitbremse zu beachten. Erst mal Parkplatz suchen ist angesagt. In der UBahn angekommen, kann man meist vielen schniefenden und keuchenden Menschen nicht ausweichen. Einerseits sind die Flexibilität und die staufreie Zone der öffentlichen Verkehrsmittel toll.

Andererseits bin ich jedes Jahr erstaunt, dass eine Preiserhöhung bei so vielen Verspätungen, Betriebsstörungen und Zugausfällen möglich ist! Idealerweise würde ich mich gerne im Jahr 2025 zu meinem Arbeitsplatz beamen und so dem Zeitdruck ein Ende machen. Einmal in  die Finger geschnipst oder in den Teleporter zu Hause gestiegen, und schon finde ich mich an meinem Schreibtisch wieder.

Katrin Lüthje, Produktmarketing Berendsohn

Mein Arbeitsweg ist 18 Kilometer lang und ich lege den Weg tagtäglich mit der S-Bahn zurück. Ich schätze besonders, dass ich nicht in Staus warten oder lange einen Parkplatz suchen muss. Auch mag ich es, während der Fahrt zu lesen oder nur aus dem Fenster zu schauen und mir dabei keine Gedanken über den Verkehr zu machen. Meistens muss ich auch nicht lange warten, bis eine S-Bahn kommt, denn das Verkehrsnetz in Hamburg ist gut ausgebaut. Ich ärgere mich allerdings auch, dass ich nicht immer einen Sitzplatz finde, da die Bahn überfüllt ist.

Außerdem denke ich, dass ich mich in der vollen Bahn schneller mit Erkältungen anstecke. Besonders verfluche ich, dass die S-Bahn in Hamburg von den Streiks der Deutschen Bahn betroffen ist und es so zu längeren Wartezeiten kommt. Auch sind die Kosten für die Monatskarte relativ hoch. Für das Jahr 2025 kann ich mir vorstellen, mit einem überdachten E-Bike zur Arbeit zu fahren. Ich wäre damit vor Kälte und Regen geschützt, kann trotzdem Staus umfahren und benötige nur einen kleinen Parkplatz. Außerdem hätte ich immer einen Sitzplatz und bräuchte keine Angst zu haben, mich mit Erkältungen anzustecken. Auch wäre ich nicht von Streiks betroffen.
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