Uber-Deutschlandchef Christian Freese "Wir wollen kein Taxischreck sein"

Mittwoch, 20. Januar 2016
Christian Freese, Deutschlandchef von Uber, auf dem Deutschen Medienkongress
Christian Freese, Deutschlandchef von Uber, auf dem Deutschen Medienkongress
Foto: Alex Grimm / Getty Images

Nicht mehr als fünf Minuten haben die Vertreter von Traditionsunternehmen und Start-ups, um die Zuhörer im Panel "Wandel oder weichen?" beim Deutschen Medienkongress 2016 von ihren Businessmodellen zu überzeugen. Einer ist dabei vor allem um Deeskalation bemüht: "Wir sind kein Taxi-Schreck", sagt Christian Freese, Deutschlandchef von Uber. Stattdessen will er für die gesamte Branche eine neue Geschäftsgrundlage schaffen.
Es gehe Uber vor allem darum, das individuelle Fahrzeug überflüssig zu machen. "Wir sehen uns als Teil des Mobilitätsmixes. Nur wenn die Menschen ihr eigenes Auto aufgeben, wird der Kuchen für alle größer. Das ist unsere fundementale Vision", so Freese, in den Medien häufig als Schreckgespenst der Taxiunternehmer verschrien. Dabei greife Uber die Branche nicht aus einem Verdrängungsgedanken heraus an. Etablierte Unternehmen sollten sich vielmehr damit beschäftigen, ihr eigenes Business zu modernisieren und dem Zeitgeist anzupassen, anstelle sich mit Protesten gegen den vermeintlichen Störenfried zu verausgaben.
„Nur wenn die Menschen ihr eigenes Auto aufgeben, wird der Kuchen für alle größer. Das ist unsere fundementale Vision.“
Christian Freese
Uber-Manager Christian Freese kämpft in Deutschland mit der Bürokratie
Uber-Manager Christian Freese kämpft in Deutschland mit der Bürokratie (Bild: Alex Grimm / Getty Images)
Derzeit ist Uber hierzulande nur noch in Berlin und München vertreten (weltweit sind es 360 Standorte). Den beiden Städten also, in denen das Start-up bis Oktober 2015 ohnehin schon mehr als 70 Prozent seines Umsatzes generiert hatte. In Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt ruht der Betrieb seit drei Monaten. Freese ist allerdings sehr optimistisch, dass zumindest in der Bankenmetropole bald wieder Fahrzeuge unter der Uber-Flagge rollen werden. "Wir wurden von unerwarteten bürokratischen Hürden ausgebremst", benennt der General Manager das Problem. Derzeit werde daran gearbeitet, eine "neue Formel" für Uber zu finden.
Der 8. Deutsche Medienkongress fand erneut in der Alten Oper statt
Bild: dfv

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Rückendeckung bekommt das Start-up von einem anderen Redner, nämlich vom HORIZONT-Agenturmann des Jahres 2014, Syzygy-Chef Marco Seiler. Uber sei ein Paradebeispiel dafür, welch wichtige Rolle das Interaktionsdesign für Firmen und damit auch für ihre Dienstleister spiele. "Die Unternehmen sind durch die Digitalisierung dazu gezwungen, direkt mit ihren Kunden in Kontakt zu treten", sagt Seiler. Zunächst hätten das aber Beratungsfirmen festgestellt - neue Wettbewerber für Syzygy und andere Digitalagenturen, die "absolut ernst zu nehmen" seien. Seiler sieht aber auch Chancen für seine Zunft, denn: "Das Smartphone-Zeitalter verändert die Kräfteverhältnisse zwischen Marken, Agenturen und Beratern." fam
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