UN-Klimakonferenz Guerilla-Künstler von Brandalism kapern 600 Werbeflächen in Paris

Dienstag, 01. Dezember 2015
Brandalism ist wieder da - und hat rund 600 Werbeflächen in Paris gekaper
Brandalism ist wieder da - und hat rund 600 Werbeflächen in Paris gekaper
Foto: Brandalism

Dieser Tage schaut die ganze Welt auf Paris: Schließlich findet dort seit gestern der mit Spannung erwartete Klimagipfel der UN statt. Die Guerilla-Künstler von Brandalism haben die globale Aufmerksamkeit in der französischen Hauptstadt dazu genutzt, um mit mehr als 600 gefälschten Plakaten auf die vermeintlichen Werbelügen großer Konzerne wie Air France und Volkswagen aufmerksam zu machen.
Man stelle sich vor, Volkswagen würde nach dem Abgasskandal auf einem Anzeigenmotiv mit der Botschaft "Sorry, dass wir erwischt wurden" aufmachen. Oder eine Fluggesellschaft wie Air France mit: "Uns gegen den Klimawandel einsetzen? Natürlich nicht - wir sind eine Airline." Richtig, das Ganze ist tatsächlich undenkbar, schließlich vertreten große Unternehmen nicht nur selbstredend ihre Interessen, es ist in der Werbung auch ganz normal, dass sie sich von ihrer besten Seite präsentieren wollen. Dass gefakte Plakate mit diesen ungewöhnlichen Botschaften derzeit in Paris dennoch zu sehen sind, liegt an Brandalism. Die Streetart-Formation hat es sich mit ihrer Gründung 2012 zum Auftrag gemacht, mittels "Adbusting" auf die Doppelmoral und die Macht globaler Marken aufmerksam zu machen. Seither kapert man regelmäßig Werbeflächen in europäischen Großstädten und macht das Vorgehen auf der eigenen Website inklusive Angabe der jeweiligen Künstler transparent - so wie dieser Tage in Paris. Dabei sorgen die Motive aufgrund ihrer großen Verbreitung und prominenten Platzierung regelmäßig für Aufsehen in den sozialen Netzwerken und Medien.

"Aufgrund ihres Sponsorings für die Klimakonferenz können sich große Umweltverschmutzer wie Air France und GDF Suez als Teil der Lösung inszenieren. Dabei sind sie tatsächlich Teil des Problems", erklärt Brandalism-Mitgründer Joe Elan die simple Intention der Adbusting-Aktion, für die ausschließlich Werbeflächen von JC Decaux gekapert wurden. Das ist natürlich kein Zufall - schließlich ist der Außenwerber selbst offizieller Sponsor der Klimakonferenz.

Insgesamt wurden die Artworks von mehr als 80 Künstlern aus 19 Ländern angefertigt, darunter Neta Harari, Jimmy Cauty, Kennard Phillips und Paul Insect, der schon mit Banksy zusammenarbeitete. Viele der Motive waren zudem bereits in Banksys "Dismaland" zu sehen, das im Sommer eröffnete. Um die Plakate an den über 600 Werbetafeln zu platzieren, haben sich zahlreiche Freiwillige an der Guerilla-Aktion beteiligt. tt

Eine Auswahl der Brandalism-Motive zu COP21:

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