Twitter-Zoff Lufthansa stichelt gegen Ryanair - und fängt sich einen lässigen Konter

Mittwoch, 02. November 2016
Ryanair bedient ab dem kommenden Jahr auch Frankfurt am Main
Ryanair bedient ab dem kommenden Jahr auch Frankfurt am Main
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Dass Ryanair ab dem kommenden Herbst auch den Flughafen Frankfurt am Main bedient, werten Beobachter als Angriff auf die Deutsche Lufthansa, die dort stationiert ist. Kein Wunder, dass zwischen beiden Airlines bereits die Giftpfeile fliegen.
Ab März 2017 wird Ryanair viermal täglich vom Rhein-Main-Airport abheben: Die irische Billigfluglinie wird dabei die Flugziele Faro, Alicante, Malaga und Palma de Mallorca bedienen. In bester Ryanair-Manier sollen Fluggäste dabei die Möglichkeit haben, bereits ab 9,99 Euro fliegen zu können.  Bislang hatte Ryanair den Frankfurter Flughafen aufgrund der hohen Landegebühren und der langen Wendezeiten gemieden und flog stattdessen von Frankfurt-Hahn. Nun kommt der Flughafenbetreiber den Iren allerdings entgegen und gibt erhebliche Rabatte. Das sei allerdings keine Wettbewerbsverzerrung, wie Fraport-Chef Stefan Schulte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ryanair sagte. Vielmehr helfe man jeder neuen Fluglinie, die teilweise sehr hohen Markteintrittskosten - bei Ryanair ist von 200 Millionen Euro die Rede - zu stemmen. Nachlässe von 40 bis 50 Prozent seien dabei international durchaus üblich, so Schulte. Nach etwa drei Jahren werde das Anreizsystem dann zurückgefahren. Den Rabattkatalog hat Fraport bereits beim hessischen Verkehrsministerium eingereicht. "Wir gehen fest davon aus, dass es genehmigt wird", so Schulte.
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Besonders die in Frankfurt stationierten deutschen Airlines sehen das Entgegenkommen von Fraport gegenüber Ryanair jedoch als Affront. Während Condor-Chef Ralf Teckentrup laut dpa gegen das "wettbewerbsverzerrende Subventionierungsmodell" der Fraport wetterte, freute sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr über die Aussicht auf deutliche Einsparungen. Lufthansa werde in Frankfurt nicht mehr bezahlen als Ryanair, stellte er am Mittwoch klar. So könne sein Unternehmen 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Spohr schloss zudem nicht aus, dass die Lufthansa als Reaktion künftig ihre Billigmarke Eurowings auch in Frankfurt an den Start schicken wird. Das werde aber nicht vor 2018 der Fall sein. 

Während an der Gebührenfront also noch gerungen wird, ist beim Wettbewerb in den sozialen Netzwerken bereits die erste Runde vorüber: Kaum dass Ryanair Frankfurt am Main als neue Destination verkündet hatte, begrüßte die Lufthansa den neuen Konkurrenten per Twitter auf ihrer Heimatbasis. "Willkommen auf dem echten Frankfurter Flughafen. Falls ihr euch verirren solltet, gebt uns bescheid", heißt es in dem Tweet. Das dazugehörige Foto zeigt die erste, heute morgen gelandete Ryanair-Maschine am Frankfurter Flughafen inmitten mehrerer Großraumjets der Lufthansa. Das soll offensichtlich so viel bedeuten wie: "Wir sind hier der Boss".
Doch Ryanair kennt sich ebenfalls gut aus mit digitaler Kommunikation: Die Iren bedankten sich knapp und vermuteten, dass der Lufthansa-Autor urlaubsreif sei: "Ihr könnt Ryanair für 9,99 Euro fliegen. Niedrigtarife sind auch endlich nach Frankfurt gekommen." 
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