Türkei Werbeverbot für alkoholische Getränke tritt in Kraft

Donnerstag, 12. Juni 2014
Auch der türkischen Biermarke Efes geht es an den Kragen
Auch der türkischen Biermarke Efes geht es an den Kragen

Der werbliche Freiraum von Tabakkonzernen, Brauereien und Spirituosenherstellern wird seit Jahren eingeschränkt - und das weltweit. Was derzeit in der Türkei passiert, ist allerdings beispiellos. Dort müssen nun sogar Kneipenbesitzer Werbetafeln von Bierbrauern abschrauben. Grund ist das neue Alkoholgesetz der islamisch-konservativen AKP-Regierung. Die Übergangsfrist des deutlich verschärften Gesetzes, das bereits im September 2013 in Kraft trat und nach offiziellen Angaben die Volksgesundheit fördern soll, endet am heutigen Donnerstag. Damit darf in der Türkei nirgendwo mehr für Alkohol geworben werden.

Leidtragende sind nicht nur die Alkoholindustrie und die werbefinanzierten Medien, sondern auch kleine Kneipen, Restaurants und sogar Supermärkte: Diese müssen nun sämtliche Werbetafeln und Logos alkololischer Marken entfernen. Selbst das Sponsoring ist den Alkoholproduzenten verboten. Bei Verstößen drohen Strafen bis zu 175.000 Euro.

Bereits vor Monaten hatten sich die Bedingungen für die Alkoholindustrie in der Türkei verschlechtert. So gilt seit der Verabschiedung des Gesetzes im September 2013 für Geschäfte die Regelung, dass sie zwischen 22.00 Uhr und 06.00 Uhr keinen Alkohol verkaufen dürfen. In Restaurants, Kneipen und Bars kann allerdings weiterhin jeder trinken, wann und was er will.

Vor einem guten Jahr hat auch Russland Alkoholwerbung stärker reglementiert. Für Getränke mit mehr als fünf Volumenprozent darf dort seitdem weder in Print-, TV- und Hörfunkmedien noch im Internet geworben werden. In Deutschland wurde bislang auf weitreichende Werbeverbote verzichtet. Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hatte 2009 einen Antrag verabschiedet, nach dem die Hersteller alkoholhaltiger Getränke freiwillig auf Imagewerbung verzichten und nur noch Produktwerbung machen sollen. Der Appell ist bei der Industrie angekommen: So haben 2012 acht der größten europäischen Produzenten alkoholischer Getränke vereinbart, ihre Marketingkommunikation in der Europäischen Union (EU) einzuschränken. Ihr Responsible Marketing Pact sieht gemeinsame Standards zur Selbstregulierung vor, die etwa verhindern sollen, dass Alkoholwerbung Minderjährige in den Social Media erreicht. mas
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