True-Fruits-Gründer Nicolas Lecloux "Wenn Sie über Chiasamen nachdenken, fällt Ihnen nur schweinischer Kram ein"

Donnerstag, 01. September 2016
Nicolas Lecloux ist Mitgründer und Marketingchef von True Fruits
Nicolas Lecloux ist Mitgründer und Marketingchef von True Fruits
Foto: True Fruits/Katja Kuhl
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Nicolas Lecloux Samenstau True Fruits Facebook


Mit seiner "Samenstau"-Plakatkampagne hat der Bonner Smoothie-Hersteller True Fruits in dieser Woche für kontroverse Diskussionen gesorgt - auf der Facebook-Page von HORIZONT etwa bewegten sich die Kommentatoren zwischen jubelndem Zuspruch und harscher Kritik. Im Interview spricht True-Fruits-Mitgründer und -Marketingchef Nicolas Lecloux nun über die Ziele der Kampagne, die übergeordnete Marketingstrategie und sein Nicht-Verhältnis zu Werbeagenturen.
Herr Lecloux, Ihre Kampagne sorgt für kontroverse Diskussionen. Wie viel Provokation kann sich die Marke erlauben? Uns war klar, dass die Motive den ein oder anderen irritieren werden. Aber wir haben die Kampagne nicht in der Absicht gestartet, jemanden zu ärgern, sondern kommunizieren eben das, was uns selbst gefällt. Das Produkt, um das es geht, ist ein Chiasamen-Saft. Nun hätten wir auch über die Vorteile von Chiasamen sprechen können. Aber das ist langweilig. Wir wollen Spaß bei der Kommunikation haben und wenn Sie ehrlich darüber nachdenken, fällt Ihnen nur schweinischer Kram bei Chiasamen-Saft ein. Wir haben uns letztlich gefragt, ob wir die Motive bringen können, und entschieden: Ja, klar!
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    (Bild: True Fruits)
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    (Bild: True Fruits)
Dass Sie durch die Motive gegebenenfalls auch Kunden verlieren, ist egal? Das bereitet uns keine Kopfschmerzen. Wir nehmen die Qualität unserer Produkte sehr ernst und legen darauf unser Hauptaugenmerk. Deshalb kann man sich auch eine schrägere Kommunikation erlauben. Und wem das nicht gefällt, hat ja zum Glück viele andere Möglichkeiten.

Bei Facebook sind Sie bekannt für diese spezielle Art der Kommunikation mit Ihren Fans. Was macht Sie sicher, dass das im öffentlichen Raum funktioniert? Wir betreiben Marketing und Kommunikation nicht, um jemandem zu gefallen, sondern aus unserem Selbstverständnis heraus. Dann ist es auch egal, ob wir über Online- oder Offline-Kanäle sprechen.



Aber letztendlich geht es ja auch darum, neue Kunden zu gewinnen. Nicht unbedingt: Theoretisch könnten wir auch ein paar Kunden verlieren. Es geht vor allem darum, dass man authentisch ist und sein Profil als Marke schärft.

Wie viel Profil braucht denn eine, mit Verlaub, Saftmarke? In erster Linie braucht es ein exzellentes Produkt. In unserem Fall: beste Früchte, außergewöhnliche Zutaten und die Liebe zum Detail bei der Verpackung. In der Kommunikation transportieren wir dann die Lebensfreude unserer Mitarbeiter. Und hier arbeiten eben echte Menschen und keine Roboter. Das spüren die Kunden und das macht die Marke authentischer als andere. Den ganzen Marketing-Zirkus kann man im Prinzip aber vergessen, wenn das Produkt die hohen Erwartungen nicht erfüllt.

Legendär sind die Botschaften auf Ihren Flaschen. Welche Bedeutung hat Packaging als Medienkanal für Sie? Wir haben vor zehn Jahren als Start-up angefangen, hatten kein Geld und überlegt, wie können wir als kleiner Saftladen auf uns aufmerksam machen. Deshalb haben wir angefangen, den Platz auf der Rückseite zu nutzen: Für Schabernack, für Lustiges, aber auch für Dinge, die ernsthaft sind und zum Nachdenken anregen. Heute wechseln wir die Texte circa alle vier Wochen und manch einer behauptet, er wurde unsere Flaschen nur wegen der Sprüche kaufen. Das wäre allerdings schade ...
Die True-Fruits-Kampagne läuft in zwölf Städten
Bild: dfv

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Aber erreichen Sie mit dieser Strategie auch Erstverwender? Formulierungen wie unsere Eigenbezeichnung als "#Einhornkotze" finden ihren Weg durch Social Media oder Mund-zu-Mund-Propaganda auch in eine breitere Öffentlichkeit. Aber im Endeffekt sind die Texte dafür da, über das Produkt aufzuklären. Eigentlich sind unsere Inhalte nicht so sexy, wir reden schließlich über Obst. Deshalb bereiten wir das scheinbar biedere Thema für die Leute auf, die eigentlich kein Interesse an gesunder Ernährung haben.

Sie arbeiten ohne Agentur. Wieso? Für uns ist Marketing ein Spiegelbild der Menschen hinter dem Produkt – die Gründer und auch das Team. Bisher fühlten wir uns oft von Agenturen missverstanden. Unsere Strategie "Begehrlichkeit statt Bekanntheit" verstehen nicht viele. fam
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