Trotz Razzia Commerzbank lässt Markenkampagne weiterlaufen

Mittwoch, 04. Dezember 2013
Die Commerzbank denkt nicht daran, ihre Kampagne zu stoppen
Die Commerzbank denkt nicht daran, ihre Kampagne zu stoppen

Die Commerzbank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Am Dienstag durchsuchten die Bochumer Staatsanwaltschaft und die Düsseldorfer Steuerfahndung die Räume der zweitgrößten deutschen Bank an 40 Standorten. Betroffen davon war auch die Frankfurter Zentrale. Die Aktion kommt zur Unzeit. Gerade hat die Commerzbank die zweite Welle ihrer Markenkampagne gestartet, die den Konzern als Saubermann positioniert und das Image aufpolieren soll. Seit einem Jahr verspricht das Institut künftig sauberer, ehrlicher und kundenorientierter zu agieren. Gerade hat die Bank mit der zweiten Welle der Markenkampagne nachgelegt, allerdings weniger selbstkritisch und provozierend als im ersten Teil des Auftritts. Dennoch steht auch in der aktuellen Welle die neue Haltung "fair und kompetent" stark im Mittelpunkt. Um Weihnachten soll der nächste Spot folgen.

Und dabei bleibt es. Bei der Kampagne sind aktuell keine Anpassungen geplant, ist aus der Bank zu hören. Was die Entscheidung erleichtert haben dürfte: Die Commerzbank wird von den Behörden nicht als Verdächtige geführt, sondern als Zeuge. "Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Bank, sondern gegen einzelne Mitarbeiter eines anderen Finanzdienstleisters", erklärt das Frankfurter Geldhaus in einem Statement. Mit der Untersuchung wollen Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung prüfen, ob bei der Bank Material für einen Steuerbetrug existiert, an dem ein Versicherungskonzern und dessen Tochterunternehmen beteiligt sein sollen.

Doch ob die Kunden das so differenziert sehen? Die Medienmaschinerie jedenfalls ist am Laufen. Und mancher Wettbewerber wird den Hausbesuch der Staatsmacht mit Schadenfreude sehen. Mit dem ersten Spot der Markenkampagne im vergangenen November hatte sich die Commerzbank nicht viele Freunde in der Bankenszene gemacht. Die joggende Filialleiterin Lena Kuske aus Hamburg hatte damals gefragt: "Woran liegt es, dass man den Banken nicht mehr vertraut?" Die darin enthaltende Selbstkritik empfand mancher als Netzbeschmutzung.

Die Commerzbank hält derweil an ihrem Kurs fest. Am Dienstag stellte das Institut sein neues Filialkonzept vor. Unter anderem plant die Commerzbank in Testfilialen in Berlin und Stuttgart längere Öffnungszeiten und eine intensiverer Betreuung von Besuchern. Nur acht Prozent der Besucher führen bislang Beratungsgespräche bei einem Besuch der Filiale. Die Mehrheit erledigt ihre Geschäfte an den Selbstbedienungsterminals. Um das zu ändern, baut die Commerzbank die Filialen deutlich um, mit dem Ziel, die Zahl der aktiven Kundengespräche zu verdoppeln. Am Freitag wird in Berlin die erste neue Testfiliale eröffnet. Ohne Besuch der Staatsmacht. mir
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