Insolvente Internet-Firma Unister wirbt wieder bei Google / Promi-Kampagnen liegen auf Eis

Donnerstag, 04. August 2016
Unister sucht Investoren
Unister sucht Investoren
Foto: Unister

Unister scheint sich langsam aber sicher zu erholen. Glaubt man dem Insolvenzverwalter Lucas Flöther, dann steigen die Buchungszahlen der Unister-Reiseportale wieder an. Auch im Marketing tut sich was: Während die TV-Werbeblöcke für das zahlungsunfähige Leipziger Internet-Unternehmen nach wie vor tabu sind, ist Unister bei Google und Co wieder mit Anzeigen präsent.
Aus dem teuersten Medium TV ist Unister nicht erst seit dem Insolvenzantrag vom 18. Juli verschwunden. HORIZONT Online hatte kürzlich exklusiv darüber berichtet, dass das Unternehmen bereits Anfang Mai sämtliche TV-Kampagnen stoppte. Ein Wiedersehen mit den prominenten Werbegesichtern Michael Ballack, der seit Jahren für Ab-in-den-Urlaub.de wirbt, und Fluege.de-Testimonial Reiner Calmund wird es aber so schnell wohl nicht geben. Die Werbekampagnen mit den beiden Promis seien "derzeit eingefroren", erfuhr HORIZONT Online. Für Suchmaschinen gilt die Werbepause offenbar aber nicht mehr. Zwar wurden auch Werbeanzeigen bei Internet-Suchmaschinen im Zuge der Insolvenz ausgesetzt. Die für die Buchungszahlen so wichtigen Werbeaktivitäten sollen nun aber "kurzfristig wieder anlaufen", heißt es in einer Mitteilung von Insolvenzverwalter Flöther. Dies solle bereits in den nächsten Tagen geschehen. „Angesichts der Tatsache, dass wir in der Insolvenz nur sehr eingeschränkt Marketing betreiben können, ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung“, sagt Flöther - und deutet damit ein Entgegenkommen der Suchmaschinenbetreiber an.

Für dieses Entgegenkommen gibt es freilich gute Gründe. Und die haben wie so oft mit Geld zu tun: Laut einem "Handelsblatt"-Bericht gehört Google zu den Unister-Gläubigern. Unister soll angeblich bei dem Suchriesen mit rund 10 Millionen Euro in der Kreide stehen. Jetzt soll es eine Einigung mit Google gegeben haben - mit der Konsequenz, dass die Adwords-Anzeigen der Unister-Portale eben wieder in den bezahlten Suchergebnislisten angezeigt werden. Ob dafür Geld fließt und wenn ja wieviel, ist unklar. Fest steht, dass Google als Gläubiger davon profitieren würde, sollte das Geschäft der Unister-Portale wieder anziehen und der Rubel wieder rollen. Denn so wäre auch die unter den Gläubigern zu verteilende Insolvenzmasse größer. 

Flöther arbeitet unterdessen gemeinsam mit einer spezialisierten M&A-Beratung an einer Investorenlösung für die gesamte oder auch für Teile der Unister-Gruppe. Für beide Varianten gebe es "eine große Zahl von Interessenten". Mit den aussichtsreichsten Kandidaten sollen bereits Gespräche laufen. Darunter seien sowohl strategische als auch Finanzinvestoren, deren Angebote in den kommenden Wochen geprüft werden sollen. Die Entscheidung über den Zuschlag treffen laut Flöther letztlich die Gläubiger. Ziel sei es, einen möglichst hohen Kaufpreis zu erzielen und die größtmögliche Zahl von Arbeitsplätzen zu erhalten. 
mas
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