Tolino Insolvenzverwalter will mit Kindle-Konkurrenten Weltbild retten

Montag, 20. Januar 2014
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Ironie der Geschichte: Die vergleichsweise junge Erfolgsgeschichte der E-Reading-Marke Tolino hat nicht gereicht, um den maroden Buchhändler Weltbild vor der Insolvenz zu retten. Doch Tolino könnte jetzt eine entscheidende Rolle bei der Rettung der zukunftsfähigen Teilbereiche des Unternehmens spielen. Für Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ist der Tolino ein "Hoffnungsträger" und auch erste Kaufinteressenten scheinen sich vor allem für Weltbilds digitale Sparte zu interessieren.
Die Situation im Markt der E-Reader ist heikel. Denn dem im März 2013 als Partnerschaft von Deutsche Telekom, Weltbild, Thalia, Bertelsmann und Hugendubel gestarteten E-Reader Tolino ist es gelungen, sich in Rekordzeit zum ernsthaften Konkurrenten von Amazons' E-Reader Kindle zu entwickeln. Laut GfK konnte sich Tolino einen Marktanteil von 37 Prozent erobern, während der Marktanteil des Kindles in Deutschland von 48 auf 43 Prozent sank.

Der Erfolg ist aus Sicht der Verlagsbranche um so bemerkenswerter, da in den USA das vom Buchhändler Barnes and Noble vermarktete Nook endgültig den Anschluss an den Kindle zu verlieren droht. In einer Handelslandschaft, die in den USA wie auch in Deutschland durch eine schrumpfende Zahl von Buchhandlungen geprägt ist, würde Amazon damit zum konkurrenzlosen Anbieter werden.

Weltbild spielte bei der Gegenoffensive des deutschen Buchhandels eine entscheidende Rolle. Zum einen boten die rund 300 Filialen des Unternehmens eine Offline-Präsenz, die auch technikferne Kunden behutsam an den E-Reader heranführen konnte - ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegen den Pure-Player Amazon. Zum anderen war Weltbild, neben Thalia, der einziger Partner, der auch in TV-Werbung für die Marke investierte. Würde Weltbild als Partner dauerhaft ausfallen, könnte die Tolino-Aufholjagd deutlich an Tempo verlieren.

Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass in Gesprächen zur Rettung von Weltbild Tolino besonders häufig zum Thema werden dürfte. Welches Rettungsszenario Geiwitz derzeit verfolgt, kommentiert der Insolvenzverwalter nicht öffentlich. Allerdings wird kolportiert, dass die Kölner Verlagsgruppe Bastei Lübbe sich für den Digitalbereich interessiert, während das Filialnetz an die Buchhandelskette Hugendubel gehen könnte, mit der Weltbild schon heute über die gemeinsame Finanzholding DBH verbunden ist.

Auch für Bastei Lübbe würde die Übernahme von Weltbild-Unternehmensbereichen in die aktuelle Geschäftsstrategie passen. Der Kölner Verlag verfolgt seit 2012 die Content-Strategie "Digital First", bei der klare Synergien zum Tolino E-Reader und Tablet erkennbar sind. Und auch an dem Investitionsbedarf würde der Schritt kaum scheitern: Beim Gang an die Börse konnte Bastei Lübbe im Herbst 2013 rund 30 Millionen Euro einsammeln. cam
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