Tesla 3 Hype um ein Auto, das es noch gar nicht gibt

Freitag, 01. April 2016
Die Registrierung hat begonnen: Tesla inszeniert sein neues Model 3
Die Registrierung hat begonnen: Tesla inszeniert sein neues Model 3
Foto: twitter.com/TeslaMotors

Eine Schlange vor einem Showroom macht noch kein neues Apple-Produkt - aber einen neuen Tesla. Seit gestern können Kunden den Tesla Model 3 bestellen, seit heute morgen um 5.30 Uhr wissen wir auch, wie das Fahrzeug überhaupt aussieht. Seit Tagen baut sich ein Hype um ein Auto auf, das erst Ende 2017 auf den Markt kommen wird.
Davon können andere Hersteller derzeit nur träumen: Schlangen vor einem Autohaus. In Hamburg und Berlin beispielsweise passiert aber genau das in diesen Tagen, mitten in der Stadt. Allerdings nicht bei Mercedes-Benz oder VW, sondern bei Tesla. Seit gestern stehen sich hier Kunden die Füße platt. Sie wollen zu den ersten gehören, die sich einen der Elektroflitzer sichern, mit denen das Unternehmen etwa den BMW i3 und den E-Golf attackieren möchte. Bei Tesla gehört dieser Hype zu einer durchdachten Launchchoreographie. Der US-Autobauer heizt seit Wochen die Neugier an. Um 5.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit hat Tesla-Chef Elon Musk nun nach Model S und dem Model X seinen dritten Streich präsentiert, mit dem er die etablierten Hersteller weiter ärgern will: das Model 3. Ein Volks-Elektroflitzer, der ab 31.000 Euro zu haben sein wird und der den Massenmarkt erschließen soll. Die Reichweite des Akkus wird bei mindestens 300 Kilometer liegen. Für die Aufnahme in die Bestellliste - seit gestern in den Läden und ab heute online möglich - ist eine Anzahlung von 1000 Euro fällig. Musk versteht die Vermarktung eines Phantoms: Begehrlichkeit aufbauen, das funktioniert hier wie bei Apple. Wer sich als Teil einer Automotive-Avantgarde versteht, muss dabei sein, will zu den Ersten gehören, die das Auto fahren werden. Da wird es vor dem Launch zur Nebensache, wie das Model am Ende aussieht, welche Maße es hat und über welche Ausstattungen es verfügt. Danach sowieso.

Zum Trommelwirbel gehört auch ein Gerücht: wer sich heute nicht registrieren lässt, der muss auf den E-Flitzer für die Mittelklasse noch sechs Monate länger warten. Das treibt die Leute vor und in die Läden oder auf die Homepage des Unternehmens, das seit 2003 die Branche aufmischt. Stolz präsentiert mancher Markenfan das "Ich bin dabei"-Gefühl via Twitter. 115.000 Reservierungen, so viel ist seit heute morgen klar, hat es bisher gegeben.
Nach der Oberklasse greift Musk nun im mittleren Segment an. Das allerdings erhöht für den Unternehmer, der bislang viel investiert, aber noch keinen Cent verdient hat, auch das Risiko. "Das Model 3 ist für Tesla der Lackmustest, der über den mittel- beziehungsweise langfristigen Erfolg entscheiden wird", sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Soll heißen: Findet das Model nicht den Anklang bei den Kunden, kann es für Tesla eng werden. Doch das  Experiment kann funktionieren, ist sich Ferdinand Dudenhöffer sicher: "Mit dem Tesla 3 hat das Elektroauto die Chance, in die Mittelklasse vorzudringen", sagt der Branchenfachmann. Volkswagens "Dieselgate" und das Preis-Leistungsverhältnis geben nach seiner Einschätzung dem Model ausreichend Strom unter die Haube. Und das könnte am Ende den gesamten Markt der Elektrofahrzeuge hierzulande beflügeln, darin sind sich die beiden Analysten einig.
Musk verstärkt derweil die Neugierde. In weiteren Tweets kündigte er an, dass es noch einen zweiten Event geben wird. Bei dem werden weitere Elemente des Fahrzeugs bekanntgegeben. Die Schlange, das dürfte sicher sein, kommt wieder. mir
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