Stylight-Macherin Kerstin Weng "Das haben die Verlage klar verpennt“

Freitag, 24. April 2015
Stylight-Chefredakteurin Kersin Weng
Stylight-Chefredakteurin Kersin Weng
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Stylight Kerstin Weng Cosmopolitan Verlag


Die Mode-E-Commerce-Plattform Stylight hat ihren Relaunch zum digitalen Magazin abgeschlossen und will sich nun über Content-Marketing ein Stammpublikum erobern. Treibende Kraft hinter der Initiative ist die Ex-"Cosmopolitan"-Chefredakteurin Kerstin Weng, die im HORIZONT-Interview mit der alten Medienwelt hart ins Gericht geht. Ihr Urteil: Die klassischen Verlage haben Online an Boden verloren, weil sie sich zu sehr darauf konzentrierten, das traditionelle Printmodell ins Internet zu übertragen.

Stylight ist längst nicht das einzige Modeportal, das durch die Verquickung von Content-Angeboten und Onlineshopping wachsen will. Doch mit der Abwerbung von Kerstin Weng Ende 2014 gehört der Münchner Onlinehändler zu den wohl aggressivsten Vertretern dieses Vermarktungsmodells. Weng hat bei dem Aufbau ihrer neuen Online-Redaktion reichlich aus ihrem persönlichen Netzwerk aus alten Printtagen geschöpft und sagt mittlerweile von ihrem Team, dass keine andere deutsche Online-Redaktion so viel postet wie Stylight.

Derzeit versorgt sie ein monatliches Publikum von 2,8 Millionen Nutzern mit Inhalten, aber diese Zahl soll noch kräftig steigen. Denn der Content soll bei Stylight nicht primär zur Abverkaufssteigerung dienen, sondern die Shoppingsite unabhänger vom generellen Suchmaschinen-Traffic machen.  Diese Verzahnung aus Content und Commerce hätte auch den klassischen Verlagen als Vermarktungsmodell offen gestanden, glaubt die studierte Modejournalistin.

Wie fällt ihr Vergleich zwischen den Erlösmodellen in Ihrem neuen und Ihrem alten Job aus? Wäre das Wechselspiel zwischen Content und Commerce bei Stylight auch von einem Verlag umsetzbar gewesen? Der Vergleich drängt sich natürlich auf, denn Stylight ist im Prinzip von vier Jungs aufgebaut worden, die mit Mode nichts am Hut hatten. Und es hat geklappt, weil sie ein Geschäftsmodell besetzt haben, für das sich die Verlage nicht interessiert haben. Das haben die Verlagshäuser klar verpennt und ich wundere mich ein bisschen, dass die Verlagsleiter noch so ruhig schlafen können.

Wo liegt das Problem der Medien? Wenn man versucht, das Printmodell eins zu eins in die Onlinewelt zu übertragen, dann wird man natürlich nur über klassische Werbung als Erlösquelle nachdenken. Aber die Verknüpfung von journalistischem Content und Produktvermarktung lässt sich in digitalen Medien wesentlich direkter und damit auch effektiver gestalten. Stylight hat dazu innerhalb der letzten sieben Jahre mit seiner E-Commerce-Plattform die Basis für weiteres Wachstum geschaffen.
„Schlecht gemachter Branded Content ist oft nur Werbung, die aussehen soll wie "echter" Content. Das merken Leser sofort.“
Kerstin Weng
Umgekehrt fehlt aber auch der Beweis, dass Content Marketing ähnliche Reichweiten erzielt wie klassische Werbung. Der größte Teil des Branded Content ist einfach nicht interessant genug. Bei der Frage gibt es ja zwei Lager. Generiert man Content zu einem speziellen Produkt oder führt man über relevanten Content seine Leser zum Produkt. Mein Team und ich setzen ganz klar auf den zweiten Weg. Schlecht gemachter Branded Content ist oft nur Werbung, die aussehen soll wie "echter" Content. Das merken Leser sofort. Daher muss man bei Branded Content Fingerspitzengefühl beweisen und authentisch bleiben. Durch das journalistische Know-How meiner Redaktion und die Online-Marketingkompetenz von Stylight können wir mit Branded Content deutlich mehr Leute erreichen als mit herkömmlichen Werbeformen. Außerdem bietet Branded Content den Vorteil, dass man über Social Targeting gezielt die richtigen Leute erreichen kann und damit weit weniger Streuverluste hat. Dank der genauen Messbarkeit können wir das unseren Werbepartnern sogar beweisen. cam

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