Digital Talents So ticken die digitalen Führungskräfte von morgen

Freitag, 22. Mai 2015
Heiß begehrt in der Marketing-Branche: Digitale Talente
Heiß begehrt in der Marketing-Branche: Digitale Talente
Foto: Colourbox

Fast alle sind Männer. Ein Drittel hat schon mehrfach gegründet. Nur wenige sind Informatiker. So weit, so nebulös. Hinter den Fakten verbergen sich Informationen über eine äußerst wichtige wie rare Kandidaten-Gruppe, die jedes Unternehmen braucht, das von der Digitalsierung in welcher Form auch immer betroffen ist: Digitale Top-Management-Talente, die in der Lage sind, bestehende Geschäftsmodelle erfolgreich umzubauen.
Doch welchen beruflichen Hintergrund erfolgreiche Führungskräfte der digitalen Geschäftswelt besitzen, welche Motivation sie antreibt und welche Voraussetzungen Arbeitgeber schaffen müssen, um sie anzuziehen, wissen nur wenige. Diese Fragen versucht die Personalberatungsfirma Heidrick & Struggles in der Untersuchung "The famous digital talents - a digital footprint" zu beantworten, für die sie 160 aktuelle digitale Top-Talente identifiziert und analysiert hat. Mit 93 Prozent sind nahezu alle der heute führenden digitalen Führungskräfte männlich. Die größte Gruppe von 39 Prozent hat ein wirtschaftsorientiertes Studium absolviert, lediglich neun Prozent haben ein Informatik- und nur sieben Prozent ein Ingenieur-Studium absolviert. Die meisten der untersuchten 160 Digital Talents sammelten Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmenskulturen, vom Consulting über Großunternehmen, Mittelständlern bis hin zu Start-ups. Ebenso zeigen ihre Lebensläufe funktionale Breite, die über Stationen im Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung bis hin zu technischen Funktionen reicht. Etwa die Hälfte der Gruppe arbeitete vor dem jetzigen Job bereits in einem Großkonzern. Internationale Erfahrung bringt knapp die Hälfte gar nicht mit. Und nur 18 Prozent haben für längere Zeit im Ausland gelebt oder studiert. Deutlich häufiger ist eine Station in einer Top-Management-Beratung, die immerhin ein Fünftel absolviert hat.

Digitale Medien soielen eine große Rolle im Werdegang der digitalen Top-Talente
Digitale Medien soielen eine große Rolle im Werdegang der digitalen Top-Talente (Bild: HORIZONT/Heidrick & Struggles)
Digitale Erfahrungen haben die Digital Talents vornehmlich in B-toC-Industrien (72 Prozent) und überproportional auch im Bereich digitaler Medien (39 Prozent) gesammelt. Zwei Drittel haben sogar selbst ein digitales Geschäftsmodell und 30 Prozent sogar schon mehrere digitale Firmen aufgebaut.

Die digitalen Top-Talente bringen also viel mit - sie verlangen aber auch viel. "Der Komplex Digitalisierung-Innovation-Wandel muss auf der Board-Agenda stehen und eine digitale kraftvolle Vision erkennbar sein, die die großen Potenziale greifbar macht", sagt Wiebke Köhler, Partnerin bei Heidrick & Struggles.

Wer wurde befragt?

Als Digital Talents stufen die Autoren der Studie jene Gruppe von Unternehmern und Führungskräften ein, die bereits bewiesen haben, dass sie digitale Geschäftsmodelle erfolgreich implementieren können. Aus unterschiedlichen Quellen wie den Top-Digital-Listen aus dem Internet, Xing, LinkedIn und in persönlichen Gesprächen wurden für die Studie 160 solcher digitaler Top-Manager/Innen identifiziert, ihre Lebensläufe ausgewertet und Intensivinterviews mit ihnen geführt.
Arbeitgeber müssten zudem ein Umfeld schaffen, das digitale Innovationen ermöglicht, etwa durch Inkubatoren, funktionsübergreifende Teams, Fehlerkultur, agile Strukturen und Raum für Eigeninitiative. "Leuchttürme in Person namhafter Digital-Talente, die hohe Managementfunktionen bekleiden, sind ebenfalls anziehend für Kandidaten. Derartige Signale werden außerhalb der Unternehmen aufmerksam beobachtet", ist sich Co-Autor Stefan Behrendt, Gründer von DSP-Partners, sicher. Attraktiv finden digitale Top-Talente laut der Untersuchung auch, innerhalb einer Organisation eigene unternehmerische Aktivitäten verfolgen zu können. ems
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