StreamOn Warum die Mobilfunk-Revolution der Telekom womöglich auf der Kippe steht

Mittwoch, 19. April 2017
Die Kampagne für StreamOn läuft seit Mittwoch auf Hochtouren
Die Kampagne für StreamOn läuft seit Mittwoch auf Hochtouren
© Telekom

Nach einer zweiwöchigen Teaser-Phase gab die Deutsche Telekom am Mittwoch den Startschuss für ihre groß angelegte StreamOn-Kampagne. Der von DDB entwickelte TV-Spot soll die neue Tarifoption, mit der Telekom-Kunden künftig auch von unterwegs ohne Ende Musik hören und Videos anschauen können, zum Verkaufsschlager machen. Doch jetzt droht dem Bonner Konzern Ungemach aus dem politischen Berlin.
Die von DDB entwickelte StreamOn-Kampagne, die neben TV-Spots auch Out-of-Home-Motive, Printanzeigen, Hörfunk-Spots und PoS-Materialien beinhaltet, ist für die Telekom von hoher strategischer Relevanz. "Mit StreamOn werden wir den deutschen Mobilfunkmarkt revolutionieren", hatte Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme Anfang April bei der Präsentation des Produkts gesagt. Mit dem neuen Angebot wolle die Telekom ihren Mobilfunkkunden "auch unterwegs eine uneingeschränkte Nutzung von Audio- und Videoinhalten im besten Mobilfunknetz zu bieten" - und das "ohne einen Cent Mehrkosten", so Van Damme weiter.  Doch bei Befürwortern der Netzneutralität stößt das Angebot auf Kritik. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat inzwischen angekündigt, das Angebot der Telekom durch die Bundesnetzagentur prüfen zu lassen. "Wir müssen uns das angucken, das wird die Bundesnetzagentur tun", sagt Zypries dem ZDF-Onlineportal heute.de.

Bei der zubuchbaren Funktion StreamOn wird künftig das Abspielen bestimmter Inhalte nicht mehr auf das verfügbare Datenvolumen angerechnet. Der neue Tarif kann nach Ansicht von Kritikern das Gebot der sogenannten Netzneutralität verletzen - also das Prinzip, nach dem im Internet alle Daten gleich behandelt werden müssen.

Kritiker bemängeln auch, dass die Basis-Version StreamOn Music erst ab dem Tarif MagentaMobil M kostenlos hinzugebucht werden kann. Die Video-Versionen StreamOn Music & Video sowie StreamOn Music & Video Max setzen sogar die teueren Tarife MagentaMobil L beziehungsweise L Plus vor. In der kleinsten Tarif-Stufe MagentaMobil S kann die Streamingfunktion nicht aktiviert werden.

Zu den ersten Streamingpartnern der Telekom gehören Apple Music, Amazon, Netflix und YouTube, Medienportale wie Chip und Spiegel Online sowie die ZDF Mediathek, der Sportkanal Sky und auch das mobile Entertain-TV-Angebot der Telekom. Nicht dabei ist bislang Spotify. Das Partnernetz soll weiter ausgebaut werden.

Tarife, die nicht das Datenvolumen des Kunden verbrauchen, werden von Experten "Zero Rating" genannt. Dieses Konstrukt widerspricht möglicherweise den EU-Vorgaben zur Netzneutralität, über die in Deutschland die Bundesnetzagentur wacht. Die Aufsichtsbehörde hatte bereits unmittelbar nach der Vorstellung des Tarifs durch die Telekom angekündigt, diesen überprüfen zu wollen.

Zypries sagte, die Bundesnetzagentur müsse nun bewerten, ob die entsprechenden Angebote mit diesen Grundsätzen konform gingen. "Erstmal sollte es möglich sein, neue Angebote zu entwickeln, ehe man gleich sagt: Das geht nicht", sagt Zypries im ZDF. Die verbindliche Bewertung unterliege aber der Bundesnetzagentur.

Wie geht es mit der Kampagne weiter?

Die Werbeoffensive für StreamOn soll trotz der Ankündigung der Ministerin wie geplant starten. "Die Ankündigung von Frau Zypries hat keine Auswirkungen auf unsere Kampagne", erklärt ein Sprecher gegenüber HORIZONT Online. Die Prüfung des Angebots durch die Bundesnetzagentur sei "ein völlig normaler Vorgang" und erfolge unabhängig von einer Aufforderung aus die Politik, so der Sprecher weiter.

Die Telekom  sei davon überzeugt, dass StreamOn den rechtlichen Rahmenbedingungen der Netzneutralität und damit EU-Recht entspreche. Begründet wird das unter anderem damit, dass jeder Anbieter von legalen Audio- bzw. Videostreamingdiensten gemäß des Prinzips der Netzneutralität diskriminierungsfrei am StreamOn Programm teilnehmen kann. Alle Anbieter einer Kategorie (z.B. Video) würden im Rahmen der Netzneutralität auf der Transportebene gleich behandelt. "Aufgrund der Netzneutralitätsregeln darf kein Partner gegenüber einem anderen bevorzugt beworben werden – daran halten wir uns strikt." mas/dpa
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