Spotify, Apple Music und Co Streaming-Dienste beflügeln Musikmarkt

Dienstag, 14. Juli 2015
Die Musikindustrie hofft auf Apple Music
Die Musikindustrie hofft auf Apple Music
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Im deutschen Musikmarkt gibt es dank der neuen Online-Dienste erstmals seit Jahren wieder ein kräftiges Wachstum. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 4,4 Prozent auf 686 Millionen Euro. Den Großteil des Geldes bringt zwar nach wie vor die CD ein. Den Ausschlag für das deutliche Plus gaben aber Streaming-Angebote, bei denen die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden.

Die Streaming-Einnahmen in Deutschland schossen im Jahresvergleich um mehr als 87 Prozent in die Höhe. Ihr Anteil am Gesamtmarkt stieg dadurch auf 12,8 Prozent von 7,7 Prozent vor einem Jahr. "Man sieht jetzt wirklich, wie das Streaming-Geschäft in Gang kommt", sagte Verbands-Geschäftsführer Florian Drücke der Deutschen Presse-Agentur. Dabei kommen die Erlöse vor allem aus Abo-Modellen mit monatlichen Zahlungen: "Das Geld wird maßgeblich im Premium-Bereich verdient." Die Umsätze mit der CD sanken um 3,3 Prozent. Sie trägt aber nach wie vor den Großteil des deutschen Musikgeschäfts mit einem Anteil von 60,6 Prozent. "Es gibt weiterhin sehr viele Menschen in Deutschland, die die CD mögen", sagte Drücke. Die Branche rechne damit, dass die Verkäufe der Silberscheiben zwar weiter zurückgehen dürften - aber langsam, während sie in anderen Ländern wie den USA steil absackten. 
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Im gesamten vergangenen Jahr hatte das Wachstum bei Streaming-Diensten noch für ein deutlich moderateres Umsatzplus von 1,8 Prozent gesorgt. Beim Blick auf die Zahlen fällt auf, dass ein bedeutender Anteils des Geschäfts von einer kleinen Schicht von Vielkäufern abhängt. Laut Studien des Verbands gaben 2014 lediglich 3,7 Prozent der Bevölkerung mehr als 80 Euro für Musik aus. Sie sorgen aber für gut 46 Prozent der Umsätze. "Man hat einen kleinen Teil der Bevölkerung, den man sehr behüten muss – und gleichzeitig hat man 67 Prozent Nicht-Käufer, die wir natürlich gern für den Markt gewinnen wollen", sagte Drücke. 
„Youtube ist einer der großen Partner, davon bleibt aber bei der Musikbranche sehr wenig hängen. Es sollte doch klar sein, dass Youtube Musik auch lizenzieren muss.“
Florian Drücke
Die Branche sieht in Streaming-Angeboten das Potenzial, das Geschäft deutlich auszubauen: Bei einem typischen Abo-Preis von rund zehn Euro im Monat würde ein Kunde weit über dem Durchschnitt liegen. Zugleich ziehen zwei Drittel bis drei Viertel der Nutzer von Streaming-Diensten stattdessen die werbefinanzierten kostenlosen Varianten vor. Die Industrie setzt unter anderem auf den gerade gestarteten Dienst Apple Music, weil sie hofft, dass Kunden des iPhone-Konzerns leichter für ein Abo zu gewinnen sind.

Zugleich ist großen Teilen der Musikindustrie laut Brancheninsidern das breite Angebot an Musik bei Googles Videoplattform YouTube ein Dorn im Auge. "Youtube ist einer der großen Partner, davon bleibt aber bei der Musikbranche sehr wenig hängen. Es sollte doch klar sein, dass Youtube Musik auch lizenzieren muss", sagte dazu Verbands-Geschäftsführer Drücke. Es würden erhebliche Umsätze generiert – "und da sollen doch alle angemessen daran teilhaben, ob Künstler, Verlage, Labels oder Verwertungsgesellschaften." dpa

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