Sportwetten Deutsche Telekom will im Glücksspiel-Markt mitmischen

Montag, 08. September 2014
Die Telekom will in den Sportwetten-Markt einsteigen
Die Telekom will in den Sportwetten-Markt einsteigen
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Deutsche Telekom Sportwette DSW


Die Deutsche Telekom möchte auf dem lukrativen Markt für Sportwetten ein Wörtchen mitreden: Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge will der Telekommunikations-Riese über die Deutsche Sportwetten GmbH (DSW) Tipps auf Fußballspiele und andere Ereignisse anbieten. Voraussetzung dafür ist, dass die DSW eine der 20 für den deutschen Markt vorgesehenen Sportwetten-Konzessionen erhält.
Eine Telekom-Sprecherin bestätigte das Vorhaben gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Einstieg ist für die Deutsche Telekom interessant, da der Sportwettenmarkt boomt." Was für Produkte später angeboten werden, sei aber noch nicht klar. Das weitere Vorgehen der Bonner wird vom Ausgang der bundesweiten Konzessionsvergabe für Sportwetten abhängen. Auf der Vergabeliste des zuständigen hessischen Innenministeriums rangierte die DSW auf Platz 11, wie das Branchenmagazin "Sponsors" vergangene Woche meldete. Derzeit bestehe aber noch eine Frist von 15 Tagen, die abgewartet werden müsse, so die Telekom-Sprecherin. Sollte die DSW eine Konzession bekommen, will die Telekom bei dem Unternehmen einsteigen und Mehrheitseigner werden. Derzeit ist die DSW im Besitz österreichischer Glücksspielbertreiber, die laut "SZ" auch nach einem Einstieg der Telekom an Bord bleiben sollen. Noch ist das aber Zukunftsmusik: Einige Markteilnehmer, die nicht auf der hessischen Konzessionsliste stehen, könnten Klage erheben. Einer davon ist Tipico: Gegenüber "Sponsors" kündigte der Vorstandsvorsitzende Jan Bolz an, "den vorgegebenen Rechtsweg" einschlagen zu wollen, bei dem man sich "deutliche Erfolgsaussichten" ausrechne.

Damit droht sich eine ohnehin schon lange Hängepartie auszuweiten: Am 1. Juli 2012 trat in Deutschland eine neue Glücksspielregelung in Kraft, die den Markt auch für nichtstaatliche Anbieter öffnen sollte. Vorgesehen war eine Vergabe von 20 Konzessionen unter teilweise strengen Auflagen. Letzteres sorgte auch dafür, dass sich der Vergabeprozess immer mehr in die Länge zog: Lange Zeit erfüllten die Bewerber nicht die offiziellen Vorgaben. Der Staat will mit der strengen Regulierung der konzessionierten Anbieter  - dazu gehört etwa die Deckelung der Wetteinsätze bei 1000 Euro pro Spieler - das Suchtpotenzial für Sportwetten einzuschränken. Viele Anbieter, die sich um eine Konzession bewerben, müssen dadurch allerdings die Abwanderung von Kunden in den unregulierten Schwarzmarkt befürchten.

Überhaupt könnten auch nach Vergabe der Konzessionen die Mehrzahl der Umsätze noch von Anbietern generiert werden, die sich der staatlichen Regulierung entziehen. Das Bonner Beratungsunternehmen Goldmedia schätzte im vergangenen Jahr, dass 2017 rund 70 Prozent der Gesamtumsätze im deutschen Sportwettenmarkt in Höhe von 4,5 Milliarden Euro auf solche Anbieter entfallen könnte. ire
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